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Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Die Flachseelen des unendlichen Wachstums

Ich will Ihnen meinen Respekt für einen Eintrag im Anstoß aussprechen. Die »Flachseelen« waren großartig. Nur, was sagt der Zeitungseigner dazu?  Und übrigens: Dergleichen ist nicht neoliberal, sondern neo-neo-liberal, weil die Neoliberalen jene vorzüglichen Ökonomen waren, die in den fünfziger Jahren die soziale Marktwirtschaft entwickelt hatten,
nach der Vorlage von Müller-Armack (1901-1978, der Begriff soziale Marktwirtschaft stammt von ihm), der schon in den 30er Jahren (!!!!) eine Marktwirtschaft wissenschaftlich begründet hatte, die eine starke staatliche Kontrolle voraussetzte. Das war neoliberal. Also, da die marktradikale Wirtschaftsform, an der die Welt seit 1929 zugrunde gegangen ist (mit heftigen Wahlfolgen in Deutschland), liberal war, kann man die soziale Marktwirtschaft als neoliberal bezeichnen. Also ist das, was heute so gerne als neoliberal gekennzeichnet wird, eigentlich wieder liberal, also marktradikal. Deshalb: neo-neo-liberal.
Das »unendliche Wachstum« ist ein Markenzeichen des postmodernen Kapitalismus. Dieses unendliche Wachstum hinterlässt notwendig Opfer, denn wenn Ihre Flachseelen sich den Löwenanteil des Profits des Wachstums sichern, bleibt für den Rest wenig übrig, vor allem für den Rest in der restlichen Welt, die nicht Deutschland ist. Auch hier träumt man von diesem Wachstum, dessen prominentes Opfer die Natur ist und dessen grauenvollste Opfer die Textilarbeiter in Bangladesch. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle