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Sonntag, 2. August, 6.30 Uhr

Erster herbstlicher Anflug. Schon hält sich draußen noch ein Hauch Dämmerung, obwohl der Himmel bereits blaut. Oder ist’s das tiefe Sommerloch, in dem wir stecken und aus dem heraus wir die Welt wie aus Platons Höhle … ach nee, ach nee, hör bloß uff! Schlaftrunken ist auch trunken. Reiß dich zusammen!

Bestes Gegenmittel:  Arbeit im Stein(es)bruch. Im Sommerloch ist Flecki verschwunden und wieder aufgetaucht. Hübsch realabsurder Nebeneffekt: Als der Trubel zu groß wurde, gab das wartende Pärchen den Platz an der Autobahn auf, kam anonym ganz in der Nähe unter – und die Flecki-Touristen keuerten, am liebsten hätten sie Schadensersatz gefordert, wegen entgangener Sensation an der Autobahn.

Schadensersatz? Schadenersatz? Gehört zu den Rechtschreibproblemen, die ich, wenn ich für die Zeitung, also “richtig”, schreibe, nachschauend löse und die schon ein paar Minuten später, weil sofort vergessen, wieder latent auftauchen. Na ja, “latent auftauchen”, das könnte auch in einer neuen Strophe von “Dunkel war’s, der Mond schien helle” auftauchen, nicht latent, dessen Bedeutung “innewohnend” aus mir nicht erfindlichen Gründen seit frühem Lateinunterricht durch meinen Kopf geistert.

Keuern. Sich motzend, grollend ärgern. Kennt jemand das Wort? Ist mir ebenfalls aus früher Kindheit in diesen Text gerutscht. Ist es ein hessisches Wort? Oder ein manisches, also aus der Gießener Randsprache, in der ich aufgewachsen bin? Oder ist es, wie der “Kolter”, ein fast normaldeutsches Wort, das sogar im Duden auftaucht? Ich könnte es mit einem Klick erfahren. Keine Lust.

Natürlich wird aus dem Sommerloch heraus auch mit Handtaschen geworfen. Weltmeisterschaft, mit Roberto Blanco als Kampfrichter. Gewichte wie im Diskuswerfen. 2 kg für Männer, 1 kg für Frauen. Beste Technik wahrscheinlich (ich hab’s nicht gesehen und will es nicht nachprüfen) wie beim Schleuderballwerfen. Ich würde gerne an einer anderen Sommerloch-Weltmeisterschaft teilnehmen: Weitwurf mit dem Hundeball (für Experten: nicht mit dem “Dummy” an der kurzen, sondern mit dem “Kong” an der längeren Schnur). Wenn vor allem Frauchen werfen, ist das immer ein sehr hübscher Anblick von Wurfbewegungsungeschicklichkeit. Ich dagegen  bin WM-reif. Man hat halt so seine Talente, die die Welt nicht braucht! Es sei denn, demnächst gibt es eine WM. Großmütig verrate ich hier meine Technik, die den Kong weit hinaus ins Weltall schleudert: Wie beim Hammerwerfen muss die Schnur in der Ausholbewegung die Verlängerung des Arms sein, darf nicht baumeln, dann genügt ein kleiner Schnick beim Abwurf, fast ohne Kraft, nur mit Gefühl, und schon staunt die Hundemeute nebst Anhang.

Jetzt wollte ich im Stein(es)bruch noch über die 10 Gebote im Zusammenhang mit dem Anti-Doping-Gesetz schreiben (als Veranschaulichung für die Problematik, wegen der zum Teil strafrechtlichen Relevanz – z.B. Du darfst nicht töten – und der nur privaten Vereinsvereinbarung – z.B. Du sollst Vater und Mutter ehren), aber das ist mir im Moment zu kompliziert (klingt auch zu kryptisch, oder?). Auch mein unangenehm Berührtsein von zwangsneurotischen Trainern und welche drei das in besonderen Maße sind (Gu-Tu-Fa), weil für sie die Spieler nur Spielfiguren im eigenen Spiel sind, muss ich anderswo und anderswann auseinanderklamüsern, denn jetzt kommt der frühe Höhepunkt des Tages: Kaffee – Kucken – Knicks.

Baumhausbeichte - Novelle