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Montagsthemen (vom 3. August)

Was bedeutet ein Supercup-Sieg für die Bundesliga? Typisches Sommerloch-Thema. Fragen Sie daher nicht mich, fragen Sie Borussia Dortmund.
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Im Sommerloch frage ich (vor allem mich), woher Sympathien und Antipathien für und gegen Fußballklubs kommen. Nicht gemeint sind lebenslange, unverbrüchliche Verbindungen. Da ist die Sache klar: frühkindliche Prägung.
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Einen Schlüsselreiz dafür habe ich selbst gesetzt. In der engsten Familie. Den Bub in sensibelsten Prägejahren ins Waldstadion mitgenommen. Seitdem hat er Eintracht im Blut. Und nur mitleidige Verachtung übrig für die klubfußballerische Promiskuität des Vaters.
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Aber wie kommt es zu den wechselnden Vorlieben des Klub-Swingers? Wieso drückte er der Eintracht unter dem frühen Heynckes nie, unter Funkel ständig die Daumen, warum den Bayern unter van Gaal nicht, unter dem späten Heynckes um so mehr? Warum Klopp immer und seinem demnächstigen Vorgänger (huch, ist mir so rausgerutscht) nicht? Selbstdiagnose: Von ihrer Idee besessene Zwangsneurotiker, für die Spieler nur Schachfiguren im eigenen Match sind, berühren den Freund des Individualismus besonders unangenehm. Man könnte es auch Gu-Tu-Fa-Syndrom nennen.
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Es ist eine echte Allergie. Sie tritt meist in Kombination mit einer anderen auf, wenn Spieler gegen den alten Trainer nachtreten und den neuen umschleimen. Namen tucheln nichts zur Sache.
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Genug gekeuert. Schon am Samstag habe ich ja zu miesmacherisch gemotzt. Über Michel Platini. Tags darauf keuerte jedoch auch die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung«, und das viel wortgewaltiger: Platini sei ein Schleimer, habe beim sportpolitischen Strippenzieher-Scheich aus Kuweit antichambriert, sei ein sportpolitisch wenig begabter Bremser und Hinterzimmertaktierer. – Gut gebrüllt, FAS! Aber sind das nicht eher die idealtypischen Kernkompetenzen eines FIFA-Bosses?
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»Keuern«? Ist mir ebenfalls aus früher Prägung in diesen Text gerutscht. Ein hessisches Wort? Oder ein manisches, also aus der Gießener Sozialrandsprache, in der ich aufgewachsen bin? Oder ist es, wie der nur scheinbare Dialektbegriff »Kolter«, ein fast normaldeutsches Wort, das sogar im Duden auftaucht? Ich könnte es mit einem Klick erfahren. Will’s aber gar nicht wissen. So bleibt es ein kleines Geheimnis im Sommerloch.
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Darin ist Flecki verschwunden und wieder aufgetaucht. Hübsch realabsurder Nebeneffekt: Als der Trubel zu groß wurde, gab das wartende Pärchen den Platz an der Autobahn auf, kam anonym ganz in der Nähe unter – und die Flecki-Touristen keuerten, am liebsten hätten sie Schadensersatz gefordert, wegen abgesagten Events am Autobahn-Parkplatz.
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Natürlich wird aus dem Sommerloch heraus auch mit Handtaschen geworfen. Weltmeisterschaft, mit Roberto Blanco als Kampfrichter. Was hat das mit Sport zu tun? Knüpfen wir ein Assoziationskettchen: Gewichte wie im Diskuswerfen (2 kg für Männer, 1 kg für Frauen) / Beste Technik wahrscheinlich (ich hab’s nicht nachgeprüft) wie beim Schleuderballwerfen / Schlechteste: wie bei der Angleittechnik im Kugelstoßen.
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Ich würde gerne an einer anderen Sommerloch-WM teilnehmen: Hochweitwurf mit dem Hundeball (für Experten: nicht mit dem »Dummy«, sondern mit dem »Kong«). Trick dabei: Wie beim Hammerwerfen muss die Schnur in der Ausholbewegung die Verlängerung des Arms bilden, darf nicht baumeln, dann genügt ein kleiner Schnick beim Abwurf, fast ohne Kraft, nur mit Gefühl, und schon staunt die Hundemeute, wenn der Kong fast in der Umlaufbahn verschwindet. Wenn Frauchen werfen, ist das oft eine lehrbuchreife Demonstration von Wurfbewegungsungeschicklichkeit. Ich dagegen bin Sommerloch-WM-reif. Man hat halt so seine Talente, die die Welt nicht braucht.
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Apropos Wurfsport: Erinnern Sie sich an den  Kugelstoßer, der sich im Frühjahr urplötzlich um mehr als zwei auf 21,35 Meter verbesserte? Das Sommerloch, das so viel Überflüssiges ausspuckt, hat ihn verschluckt. Zuletzt stieß er gerade mal 17 Meter. Er beteuert, und ich will ihm immer noch glauben: »Ich hatte keine leichte Kugel dabei.« Nur ein sophistischer Schelm denkt Böses dabei – keine leichte Kugel, aber vielleicht einen Kong? Oder eine Handtasche?
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Insofern und zum eigenen Seelenheil tut dem Jungen das Verschwinden im Sommerloch mindestens so gut wie uns das allerdings nur blitzkurzfristige, das die FAS  auf Seite eins  meldet:  »Vom früheren griechischen Außenminister Giannis Varoufakis ist am gestrigen Samstag kein Interview erschienen (Stand bei Redaktionsschluss).« – Sehr hübsch. Zeigt aber auch nur, dass der Grieche kein Politprofi ist. Unserem Bosbach würde das nie passieren.  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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