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Montagsthemen (vom 13. Juli)

Dass »er wegen unseres Trainers gegangen sei«, verweist Bayern-Boss Rummenigge »ins Reich der Fabel«. Dass Bastian Schweinsteiger nicht wegen Guardiola gegangen ist, verweise ich ins Reich der Fabel.

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Mit Uli Hoeneß am Ruder, statt noch in Freigängers Teilzeit-Knast, wäre der Abschied stilvoller erfolgt. Oder gar nicht.

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Staatstragendes zum Weggang der Bayern-Ikone: »Es ist schade, dass sich unsere Wege trennen.« Wer redet so? Natürlich Philipp Lahm.

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Die Münchner Modefirma Bogner steht zum Verkauf. Chancenreicher Interessent ist eine Sportkosmetik-Firma. Deren Werbe-Galionsfigur (»Sixtus – mein neuer Partner. Auch im Sport.«) ist gleichzeitig einer ihrer Gesellschafter. Name: Philipp Lahm. Ein vielseitig talentierter Mann, einsetzbar auf fast jeder Position. Bis hinauf zum Kanzler. Ausnahme: Torwart.

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Bogner. Da springt die Erinnerungsmaschine an. Willy Bogner … Barbi Henneberger … deutsche Ski-Asse der 60er Jahre … ein frühes Glamour-Paar … da war doch noch was? »Wikipedia« hilft auf die Sprünge: »Barbara Henneberger kam während der Dreharbeiten zu dem Skifilm ›Ski-Faszination‹ von Willy Bogner durch eine Schneebrettlawine ums Leben. Bogner wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.«

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Bastian Schweinsteiger von Bayern zu ManU, Andrea Pirlo von Juve nach New York, Iker Casillas von Real nach Porto – Fußballgötterdämmerung. Fehlt nur noch: Lahm von München nach Frankfurt. Auf die schwach besetzte Position rechts hinten. Und schon wäre der kleine Streber von der ersten Bank unser Philipp und mein Held. Im Fall solcher leider irrealen Fälle geht es bei mir vom Ochi zum Nai fixer als bei Alexis Tsipras.

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Links oder rechts vorne könnte Sydney Sam »der Eintracht helfen« (auch so eine Sportsprech-Floskel). Leider hat er erhöhte Nierenwerte und Blut im Urin. Was gemeinhin streng geschützt in Patientenakten steht, weiß bei Sam nun die ganze Welt. Datenschutz und Persönlichkeitsrechte  – die Latte wird überall sehr hoch, manchmal auch zu hoch gehängt, nur im Sport liegt sie so tief, dass sie auch ein Limbo-Weltmeister reißen würde.

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Apropos Latte reißen: Flop und Straddle sind wie Dreh- und Angleittechnik zwei unterschiedliche, kaum vergleichbare Disziplinen. Eigentlich sollten sie auch getrennt gewertet werden. Aber das ist illusionärer als ein Lahm-Wechsel zur Eintracht. Dazu später mal mehr, im August vor oder während der Leichtathletik-Weltmeisterschaften.

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Heute auch nichts zur »Tour«. Stattdessen die Zahl des Tages: 100 Millionen Euro. So viel zahlten die deutschen Versicherungen im letzten Jahr für geklaut gemeldete Fahrräder. Hat nichts mit Griechenland zu tun. Oder? Wie viele Millionen flossen hier, wie viele Milliarden dort unter Vorspiegelung falscher Tatsachen? Wie griechisch wären wir, wenn wir Griechen wären?

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Die Universiade läuft. Auch wenn unser Hessen-Fabian dort gewinnt, wie schon bei dieser anderen seltsamen Veranstaltung in … wo war das noch mal?, stellt sich die Frage: Was soll das eigentlich? Wenn es Weltmeisterschaften für Studenten gibt – warum dann nicht auch für Azubis?

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Den Kommunismus in seinem Lauf hielten weder Ochs noch Esel auf, sondern er schlug sich selbst knockout. Wenn dem nicht so gewesen wäre, gäbe es sicher auch schon längst eine Azubi-WM – schließlich war »Stärkster Lehrling gesucht« einst ein realsozialistischer Höhepunkt ostzonalen Sportjugendlebens in der »Soffjetisch« Besetzten Zone (SBZ).

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Ach, früher hat es mehr Spaß gemacht, von der Ostzone oder SBZ zu juxen, um Linkssprachgeregelte zusammenzucken zu lassen. Der Wind of Change hat die SBZ/DDR in den Abfalleimer der Geschichte geweht, und da bleibt sie hoffentlich auch als nichtverwertbarer Restmüll.

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Wer mich jetzt in einer Schublade irgendwo zwischen den Fächern »neoliberal«, »stockkonservativ« und »Kommunistenhasser« ablegt (was schon vorgekommen ist), dem halte ich meine ehrenvolle Erwähnung im neuen »Gießener Echo« entgegen. Das Blatt zitiert – zustimmend! – Sätze von mir zur FIFA … und ist das lokale Zentralorgan der Deutschen Kommunistischen Partei.

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Diese neue Ehrenurkunde bedeutet mir ungefähr so viel wie meine alten von den Bundesjugendspielen. Wie viel also? Rhetorische Fragen beantworte ich nicht. (gw) * (www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle