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Ohne weitere Worte (vom 7. Juli)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Man erkennt ihn am schweren süddeutschen Akzent, mit dem er Fragen leicht verzögert beantwortet, so als erreichten sie ihn aus großer Entfernung. (…) Kann so ein Weltmeistertitel auch ein Fluch sein? Die Frage arbeitet in Guido Buchwald. Man könnte ihn jetzt verlassen, einen Espresso trinken gehen und rechtzeitig zurück sein, um die Antwort zu hören. (Spiegel in einem Text über die Weltmeister von 1990)
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Becker ist heiliggesprochen worden, da war er noch ein halbes Kind. Der Papst ist heiliggesprochen worden, da war er schon tot, was im Zweifel der bessere Zeitpunkt ist, man hält dem Erwartungsdruck dann leichter stand. (Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel »Zweiter Aufschlag)
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Uwe Bein hat ein Handicap von 10, will aber nicht besser werden, weil es Stress wäre. Er kommt zum Gespräch in einem Trainingsanzug. Im Kofferraum seines Volvo Kombi befindet sich eine Kiste mit Autogrammpostkarten und sein Golfsack. Alles, was er braucht, um glücklich zu sein. (Spiegel)
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Er lebt jetzt tatsächlich in Wimbledon. Dort, wo alles am schönsten war. Als wäre Helmut Rahn nach Bern gezogen. Oder Ali nach Kinshasa.. (Gertz/SZ)
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Wann haben Sie ihn zuletzt gesehen? – »Ich traf ihn (…) in Südafrika und war, nun ja, überrascht. Er sah nicht gut aus. (…) Grundsätzlich gilt: Einige von uns treffen gute Entscheidungen im Leben, andere treffen schlechte und müssen dann mit den Konsequenzen leben.« (Kevin Curren, Boris Beckers Finalgegner von 1985, im Welt-Interview)
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Rudi Völler ist einer der wenigen Weltmeister, die man an einer Art Arbeitsplatz besuchen kann. (Spiegel)
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»Unser Finale 1990 gegen Argentinien – die waren ja richtig schlecht. Das würde es so heute nicht mehr geben. Heute kannst du dich nicht mehr durch eine WM mogeln wie die Argentinier damals. Heute setzt sich nur noch Top-Qualität durch.« (Rudi Völler im Kicker-Interview)
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Gerade ist er von einem einjährigen Einsatz im Norden Irans zurück, wo er als Assistenztrainer für einen Verein namens Padideh in Maschhad arbeitete. (…) »Es muss jetzt was passieren. Der Mensch lebt ja nicht von Luft und Liebe«, sagt Häßler. »In den nächsten sieben bis zehn Tagen hätte ich gerne ein Angebot.« Wie er auf diesen Zeitraum kommt, ist unklar. (Spiegel)
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Schweinsteiger ist entgegen geriatrischen Gerüchten, die ihn zum Fußballgreis erklären, erst dreißig und noch gut beieinander. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Vor einem Publikum, dass sich in einer surrealen Phantasie wähnte, fing Dustin Brown die Strahlen der Sonne ein und wurde ein Gott. (Times nach dem Sieg über Nadal/zitiert in der FAS)
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Christine Finke empfindet es als ungerecht, dass Menschen nach ihren körperlichen Leistungen beurteilt werden und begegnet in ihrem Blog vielen ähnlich Denkenden, die ihr in ihrer Sandkastensprache der Erwachsenen (»Ich verstehe deine Punkte voll und ganz«) beipflichten. (…) Vielleicht werden Christine Finkes Kinder bald in einer Welt ohne Bundesjugendspiele leben und jeden Tag unbeschädigt in die lieben Arme der Blog-Mama laufen. Wahrscheinlich ist aber, dass sie später auf der Heulsusen-Klaviatur der öffentlichen Empörung klimpern und mit Online-Petitionen alles abschaffen, was das Leben schön und schwierig macht. (Hilmar Klute in der SZ-Kolumne »SchönDoof«)
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»Vor zwei oder drei Jahren dürften sich so gut wie alle unsere Spieler gedacht haben: Um mal in der Bundesliga zu spielen, muss ich wohl neu geboren werden. (…) Mit dem Aufstieg in die Bundesliga haben wir uns perspektivisch bereits ein weiteres Jahr Zweitliga-Zugehörigkeit gesichert.« (Darmstadts Trainer Dirk Schuster im Welt-Interview)
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Was war die seltsamste Situation, in die Sie Ihr Beruf gebracht hat? – »Ich habe  mal (…) O. J. Simpson in einem Hotel in Florida fotografiert. (…) Als ich die ersten Fotos gemacht hatte, fragte er aus heiterem Himmel: »Juergen, was glaubst du, wer hat meine Frau umgebracht?‹ Ich kriegte Panik und sagte, keine Ahnung, ich war nicht dabei. Er brach in höllisches Gelächter aus und sagte: »Nur Gott kennt den Täter.‹« (der Fotograf Juergen Teller im Zeit-Magazin)
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Trinken für die Linken! Ab morgen verkauft die linke Tageszeitung »taz« ihr eigenes Bier. (…) Bild meint: Die »taz« ist auf jede Flasche angewiesen! (aus der Bild-Spalte »Gewinner«)
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle