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Sport-Stammtisch (vom 4. Juli)

Im Olympia-Deal von IOC-Boss Bach via Discovery Commercial mit Eurosport steckt natürlich viel Empörungspotenzial. Vor allem bei ARD und ZDF. Vorbei die jahrzehntelangen Zeiten, als man den griechischen Beamtenapparat von Wahl zu Wahl mehr aufblähen konnte und dennoch von den verachteten Zwangsgebührenzahlern der EU immer weiter und höchst komfortabel finanziert wurde …
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… sorry, da bringe ich wohl etwas durcheinander. Einfach zu heiß heute. Neuer Versuch. Verständlich, dass ARD und ZDF beleidigt reagieren. Schließlich haben sie jahrzehntelang das olympische Motto wie kein anderer hochgehalten: Dabei sein ist alles. Motto: Doppelte Kosten, geteilte Arbeit. Denn immer leisteten sich die Öffentlich-Rechtlichen das an frühere (?) griechische Zeiten erinnernde Sendungs-Bewusstsein, zwei komplette Olympia-Teams zu finanzieren, die sich täglich abwechselten.
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Apropos: »Nai« (gesprochen: »nee«) oder »Ochi«? Morgen dürfen zwar nur in Griechenland lebende Griechen abstimmen, aber meine Stichproben unter griechischen Wirten hierzulande brachten das hessisch zweideutig-eindeutige Ergebnis: Nee zu »Ochi«. Wenn’s zu diesem »Nai« kommt, will sich der griechische Finanzminister aus dem Staub machen, den er aufgewirbelt hat. Ich hab’s ja gewusst und schon vor Monaten gewarnt: Man hätte genauer hinlesen sollen, dann wäre allen ein Lichtlein aufgegangen: »Varou…fak…is« – Warum-fake-is? Darum. Aber das nur am Rande.
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Zurück zu ARD, ZDF und Eurosport: Gut möglich, dass ich meinen Spott über die Öffentlich-Rechtlichen noch bedauern und ihnen ab 2018 nachweinen werde (falls sie nicht »meine« Sportarten durch Sublizenzen doch noch live übertragen). Denn bei aller Kritik haben sie bei Olympischen Spielen dennoch gute Arbeit geleistet, sowohl fernsehtechnisch als auch fachlich und journalistisch (Ausnahmen bestätigen nur die Regel).
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Bisherige Eurosport-Erfahrung: Der Sender verkauft manche Konserve als »live«, oft sitzen die Reporter nur im Studio, und nirgendwo nerven jäh und grell unterbrechende Werbespots so wie hier. Mir in besonders schlechter Erinnerung: Eine kritisch-betroffene Sendung zum Tod der Skiläuferin Ulrike Mayer, in der plötzlich als Werbung für eine andere Sendung Joe Cocker losdröhnt und mit seinem rauen, wilden Rock besonders spektakuläre, atemberaubende und gefährliche Abfahrtsszenen begleitet.
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Auch die Kommentatoren werden nicht jedermanns Sache sein. Besonders gespannt bin ich auf die Reaktionen zum Standard-Reporter-Duo Heinrich/Thiele: Hochgelobt wegen angeblicher Fachkenntnisse und Nähe zu den Athleten, unter denen sie aber mehr als umstritten, zum Teil sogar verhasst sind, weil sie überheblich, bösartig und eben nicht auf der Höhe der Sport-Zeit seien.
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Nicht nur bei Eurosport kann Werbung kontraproduktiv wirken. Unser hessischer Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch (dem auf dem Weg zur Weltklasse nur er selbst im Weg steht, aber das ist eine andere Geschichte) wirbt jetzt für einen großen Autohändler. Allerdings mit einem Slogan, der in Zehnkämpferkreisen mit breitem Grinsen kommentiert wird: Behrenbruch sei »sprintgewaltig« und passe daher als Galionsfigur ideal zum »sprintgewaltigen neuen Mercedes AMG GT«. Leider wissen alle, nur offenbar nicht die Werber, dass Behrenbruch auch in Bestform neun Disziplinen lang hinter seiner miesen Punktzahl als schwacher 100-m-Sprinter herhecheln muss.
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Kontraproduktiv auch, wie sich Alberto Salazar, der »Guru« hinter dem »Nike-Oregon-Project« (das ich hier nicht noch einmal vorstellen muss), gegen Doping-Vorwürfe verteidigt: Testosteron für einen 16-Jährigen? War damals legal. Medikamente per Luftpost in einem ausgehöhlten Taschenbuch verschickt? Nur aus Angst vor dem Zoll, die Mittel waren legal. Testosteron am eigenen Sohn getestet, um die Dosis zu ermitteln, die bei Doping-Tests noch nicht auffällt? Nur ein Versuch, sich gegen Sabotage zu wappnen.
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Wären wir nicht so gut erzogen, würden wir Salazar den Mittelfinger zeigen. Aber in keinem Fall so wie der Mainzer Chilene Gonzalo Jara, der seinem Gegenspieler beim Südamerika-Cup den Finger fies von hinten in den … wirklich! Prokto-logisch, dass er nachträglich gesperrt wurde, obwohl der Schiedsrichter die Rektaluntersuchung nicht gesehen hatte.
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Einen anderen Fingergriff bevorzugte ein früherer Gewichtheber, der später zu zweifelhafter Berühmtheit kam, als er den damaligen Bundespräsidenten von Weizsäcker zu Boden schlug. In seinen männlichen Glanzzeiten war dieser Kraftsportler ein berühmt-berüchtigter bunter Hund im Milieu, den sogar der »Spiegel« seinen Lesern vorstellte – mit einem Foto, auf dem er mit jeder Hand ein leichtes und mehr als leicht bekleidetes Mädchen stemmte und dabei eine äußerst aparte Griffhaltung bevorzugte. Stichwort: Bowling. Das ist aber dennoch ein ganz anderes Thema und hat mit Sport nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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