Archiv für Juli 2015

Ungetwittert

An die Macht gekommen, haben sie ihre Klientel mit Posten und Pöstchen im und rund um das  Staatsgetriebe versorgt. Wer? Pasok? Neo Dimokratia? Syriza? Klar. Aber es gibt auch andere Marschwege durch und in die Institutionen.

Veröffentlicht von gw am 27. Juli 2015 .
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Freitag, 24. Juli, 11.50 Uhr

„Sport-Stammtisch“, zu Beginn  ein echter „Stammtisch“, ist geschrieben, auf die Zeitungs-Sportseite und online gestellt. Nächster Einsatz: „Ohne weitere Worte“ am Montag für Dienstag. Dazwischen kein Sonntagmorgenblog und keine „Montagsthemen“. Bin unterwegs. Kurztrip dorthin, wo kürzlich ein Heer von Fotografen eine Königsfamilie am Strand geknipst hat. Wo ist das? Für die Antwort gibt es keinen Punkt. Je zwei aber für die Fragen der zweiten WBI-Runde, für die morgen Einsendeschluss ist. Nicht vergessen!

Veröffentlicht von gw am 24. Juli 2015 .
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Sonntag, 19. Juli, 6.25 Uhr

Nach angenehm kühler Nacht vom Rauschen des Regens geweckt. Nicht schlecht. Es rauscht immer noch, jetzt grummelt es auch und blitzt ab und zu.

Gestern beim Nachlesen der Zeitungen auf die Medienseite der FAZ vom Freitag gestoßen. Auf einer Zeitungsseite liest man in drei großen Artikeln, warum man an der Welt verzweifeln könnte, wenn man sie denn noch ernst nähme.

1. Die streichelnde Kanzlerin landet im Shitstorm: Es geht um das weinende Flüchtlingsmädchen und die Reaktion der „Eiskönigin“ (aktueller „Stern“-Titel schon vorher). Natürlich hat Angela Merkel hölzern reagiert, ungelenk und etwas täppisch. Aber ehrlich. Leider hätten wir lieber Smart- und Coolness a la Obama oder Clinton: Die hätten das Mädchen locker in den Arm genommen, vielleicht sogar mitgeweint, jedenfalls die Welt zum Mitweinen gebracht, unwiderlegbar einfühlsame Worte abgesondert, Hilfe versprochen … und nach dem Show-Act wären sie verschwunden, einzige Konsequenz bliebe ein Candystorm im Internet. Die FAZ über die gesamte Szene, nicht über die paar Medien-Sekunden: „(Man) bekommt mit, dass Reem Sawhill ihre Lage Angela Merkel ausführlich schildert und die Bundeskanzlerin mehrfach nachfragt und auf die ihr eigene ungelenke Weise versucht,  Interesse und Verständnis zu zeigen. Wirklich gut gelingt ihr das nicht, weil sie die Kunst der Verstellung nicht so gut beherrscht wie viele andere ihrer Zunft. (…) Und weil sie bei der Wahrheit bleibt, die keiner hören will, und die einem im Fall wie dem des jungen Mädchens auch nicht in den Kopf will: Deutschland kann auf Dauer nicht alle Flüchtlinge aufnehmen.“

2. Wir leben im digitalen Mittelalter: Der Kabarettist Dieter Nuhr berichtet in einem Gastbeitrag über den Shitstorm (er hat gerade erst in Sachen Islam einen überstanden), den er mit einem Griechenland-Satz ausgelöst hat. „Ich habe mit einem Twitter- und Facebook-Post – ‚Meine Familie hat demokratisch abgestimmt: Der Hauskredit wird nicht zurückgezahlt. Ein Sieg des Volkswillens!‘ – satirisch-ironisch darauf hingewiesen, dass man den Bruch eines Kreditvertrages nicht durch demokratische  Abstimmung legitimieren kann.“ Dann kam der Shitstorm. „Die im Internet üblichen Beschimpfungen, Beleidigungen, Todeswünsche, Drohungen, was der Mensch halt so ausstößt, wenn er sich an seiner Tastatur unbeobachtet fühlt, habe ich wie immer staunend beobachtet. Wo erfährt man so ungeschminkt, wie er ist, der Mensch? (…) Der Shitstorm ist die Hexenverbrennung des 21. Jahrhunderts, Gott sei Dank bei angenehmen Temperaturen, ’nur‘ sozial, nicht physisch vernichtend.“  – Man möchte allen, die sich moralisch überhebend auskotzen, in die Lage versetzen, einem Freund einen schmerzhaften Teil ihres Vermögens zu leihen und dann gesagt zu bekommen, das Geld nicht zurück zu erhalten, sondern noch einmal den gleichen Betrag rausrücken zu sollen. Und wer dann nach Hilfe sucht, wird als eiskalter Drecksack verunglimpft.

3. Der witzelnde Professor verliert seinen Posten: Die Sache ist ebenfalls bekannt. Der Nobelpreisträger Tim Hunt hält eine kleine Rede, die launig sein soll, und sagt über das Problem mit „Mädchen im Labor“: „Drei Dinge geschehen, wenn sie im Labor sind: man verliebt sich in sie, sie verlieben sich in einen, und wenn Sie sie kritisieren, weinen sie. Vielleicht sollten wir getrennte Labore für Jungen und Mädchen haben.“ Welch ein Shitstorm! Wegen dieses ’sexistischen Chauvinismus‘ musste  Hunt seine Ehrenprofessur abgeben und aus der Royal Society und aus dem Europäischen Forschungsrat zurücktreten. Selbst wenn er nur dieses mehr oder weniger gelungene Witzchen gemacht hätte, wären die Folgen unfassbar. Aber Hunt hatte seine Ansprache eingeleitet mit den Worten, wie seltsam es sei, „dass ein chauvinistisches Monster wie ich gebeten worden ist, vor Naturwissenschaftlerinnen zu reden“, und nach dem Laborwitz sagte er „Spaß beiseite“ und würdigte die Leistungen von Wissenschaftlerinnen (eine hat er übrigens im Labor kennengelernt und ist mit ihr verheiratet). Ein typischer Fall von Selbstironie also, für Unempfängliche sogar ein- und abgeleitet mit dem eigentlich humoristisch tödlichen Hinweis, „Achtung, es folgt ein Witz“ und „Achtung, der Witz ist zu Ende“ – und dann diese Folgen.

Man könnte an der Welt verzweifeln, wenn man sie denn ernst nähme.

Das Positive: Ein Lob an die FAZ für diese Medienseite. Und übrigens auch ein Lob in die andere Richtung, an die taz, die eine ganze Seite frei räumt für  den griechischen politischen Karikaturisten Kostas Koufogiorgos, der seit sieben Jahren in Stuttgart lebt und unter dem Titel „Tsipras ist nicht Che Guevara“ eine – im doppelten Sinn – rundum treffende Analyse schreibt und mit diesem Satz über Tsipras endet: „Es ist naiv zu glauben, dass er der gute Linke ist und alle anderen sind böse Mächte, die sich gegen ihn verschworen haben. Wer das glaubt, malt sich die Politik schwarz und weiß. Nai und Oxi.“ – Zu lesen in der Samstags-Ausgabe und wohl auch online.

Und ich? Schreibe vor mich hin und habe nichts davon, jedenfalls nichts für die „Montagsthemen“. Vielleicht stelle ich etwas davon in die nächste „Ohne weitere Worte“-Kolumne. Für die „Montagsthemen“ geistert mir nur, wieder mal, Dopingzeug durch den Kopf, angestoßen vom 1500-m-Weltrekord und anderem. Aber noch habe ich Zeit, noch kann Rat kommen. Erst mal kommt … KKK? Nein, muss ich alleine für sorgen. Wegen Udo Lindenberg. Auch das noch.

 

Veröffentlicht von gw am 19. Juli 2015 .
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Freitag, 17. Juli, 12.35 Uhr

„Sport-Stammtisch“ geschrieben, auf die Sport-Druckseite und online in „gw-Beiträge Anstoß“ gestellt.

„Nach-Lese“ „Schweiß“ geschrieben (zum Teil schon gestern), auf die Kultur-Druckseite und online in „gw-Beiträge Kultur“ gestellt.

„Mein progressiver Alt-Tag“, der morgen im Gießener „Senioren-Journal“ erscheint, online in „gw-Beiträge Kultur“ gestellt.

Zwei Leserbrief zur Doppelfolge „Meine Griechen“ online in die „Mailbox“ gestellt.

Nu muss aber mal gut sein.

Veröffentlicht von gw am 17. Juli 2015 .
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Sonntag, 12. Juli, 6.30 Uhr

Zwei Meldungen der Nacht, die wichtigste und eine scheinbar nebensächliche:

Nach neun Stunden Diskussion haben die Finanzminister ihre Beratungen ergebnislos abgebrochen.

In Deutschland zahlen die Versicherungen ihren Kunden im Jahr 100 Millionen für geklaute Fahrräder.

Um wie viele Millionen werden die deutschen Versicherungen betrogen?

Um wie viele Milliarden die europäischen Institutionen?

Also in beiden Fällen wir alle?

Und sind Sie, bin ich ohne Schuld? Ohne „Kavaliersdelikt“? Ohne angemaßtes Gewohnheits(un)recht?

Wie griechisch wären wir, wenn wir Griechen wären?

 

So, das war das Wort zum Sonntag. Zum Thema Griechenland stelle ich, wie am Freitag schon notiert, einen Text mit Auszügen aus der alten Olympia-Serie zusammen. Entweder als „Anstoß“ im Sport (vielleicht sogar zweiteilig) oder als „Nach-Lese“ fürs Feuilleton. Denn den am Freitag geschriebenen Text zur Willensfreiheit habe ich bereits am Samstag verworfen, als ich bei einer Stichwortsuche im eigenen Archiv feststellen musste, dass ich zu viel davon schon irgendwann irgendwo im Blatt veröffentlicht habe. Ist zwar fast durchweg schon lange her, aber nun schreibe ich lieber, jahreszeitlich aktuell, über Schweiß. Auch da wird nicht alles neu sein. Aber amüsant, glaube ich.

Bin ich beim Willensfreiheit-Text zu pingelig mit mir selbst? Hätte ich ihn gar nicht verwerfen sollen? Zur Begutachtung stelle ich ihn wenigstens in den/das Blog (warum sträubt sich in mir noch alles, „das“ Blog zu schreiben?) Hier ist er:

 

Die »sozialen« Netze manipulieren das Denken der Menschen, behaupten Harald Welzer und Michael Pauen in ihrem neuen Buch »Autonomie«. In einer »Zeit«-Rezension heißt es dazu, »Menschen schlössen sich häufig der Mehrheitsmeinung an, auch wenn diese ziemlich offensichtlich falsch sei«.

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Tja. Keine besonders originelle These. Sie bewahrheitet sich täglich durch Shitstürme und andere Windmacherei. Mich interessiert mehr, warum so viele Menschen ihre manipulierte Meinung mit eigenem Willen verwechseln. Überhaupt: Willensfreiheit – gibt’s die? Haben wir sie?

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Im »Spiegel« las ich, Neurowissenschaftler hätten das Zentrum für Willenskraft im Gehirn entdeckt. Es liege in der Großhirnrinde, sei winzig klein und mache, wenn man es elektrisch stimuliert, »aus manchen Menschen Wunder an Willensstärke«, während es unstimulierte andere dazu bringe, »in schwierigen Situationen die Segel zu streichen«. Freibrief für alle Willensschwachen? »Ich würde ja gerne wollen, aber mein Hirn kann nicht wollen«?

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In der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« gab ein isländischer Genom-Forscher auf die Frage nach dem freien Willen eine seltsame Antwort: »Wenn ich so schnell nach Hause laufen will, wie ich kann, ist das eine ganz andere Sache, als wenn Usain Bolt dasselbe will. Mein freier Wille ist in dieser Hinsicht sehr verschieden von Usain Bolts freiem Willen.« – Beim besten Willen: ein selten dämlicher Vergleich. * Mir sehr suspekt auch, dass die Gehirnforschung herausgefunden haben will, das, was der Mensch scheinbar frei und spontan entscheidet, sei von seinem Gehirn schon zehn Sekunden vorher festlegt worden. Aber, liebe Gehirnforscher, auch euch ist doch nur schwer vorstellbar, dass, zum Beispiel, das Gehirn von Lothar Matthäus schon zehn Sekunden vorher durchdacht hat, was Lothars Mund entfleucht?

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Aber zurück zum Ernst des Themas: Wie manipulierbar ist unsere Willensfreiheit? Man denke an das berühmt-berüchtigte Experiment von Stanley Milgram, der vor einem halben Jahrhundert Testpersonen in New Haven beauftragt hatte, Schüler beim Lernen zu überwachen, mit der Maßgabe, ihnen für jeden Fehler Elektroschocks zu versetzen, mit bei jedem weiteren Fehler steigender Intensität. Was die Testpersonen nicht wussten: Die elektrischen Schläge waren nur vorgetäuscht und die »Schüler« Schauspieler, die immer erbarmungswürdigere Schmerzensschreie ausstießen. Testpersonen, die abbrechen wollten, wurden vom Versuchsleiter energisch aufgefordert weiterzumachen – was zwei Drittel auch noch taten, als die Stromstöße, was sie wussten, tödlich gewesen wären.

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Der Psychologe Philip Zimbardo modifizierte 1971 in einem Keller der Uni Stanford das legendäre Milgram-Experiment. Zimbardo teilte seine Testpersonen in zwei Gruppen auf: »Wärter« und »Gefangene«. Im Gefängnis-Mikrokosmos des Uni-Kellers begannen die »Wärter« schon bald, die »Gefangenen« schwerst zu misshandeln, sodass der Test abgebrochen werden musste.

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Gibt es Gut und Böse überhaupt? Was macht den Menschen aus? Wenn bei einem Unfall, oder durch einen Tumor, der vordere Hirnlappen schwer verletzt wird, sind bei dem Patienten, der überlebt, oft schwere Persönlichkeitsänderungen festzustellen. Zum Beispiel Phineas Gage. Im Jahr 1848 drang dem 25-jährigen US-Eisenbahner bei einer Explosion eine Brechstange durch das Kinn in den Kopf und kurz hinter der Stirn wieder hinaus, dabei Teile des Gehirns, des vorderen Stirnlappens, mit sich reißend. Von der gruseligen Wunde abgesehen, war Gage nichts anzumerken, er ging noch eigenfüßig zum Arzt und stellte sich ihm angeblich mit den Worten vor: »Hier ist viel Arbeit für Sie.« Nach vier Wochen war die Wunde verheilt, Gage lebte sein altes Leben scheinbar unversehrt weiter, ohne jede körperlichen Beeinträchtigung – aber der zuvor freundliche, zurückhaltende, fleißige junge Mann verwandelte sich in ein faules, streitsüchtiges, fluchendes und amoralisches Scheusal.

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Was sagen die Religionen dazu? Kam der Mann als früher Phineas in den Himmel oder als später Gage in die Hölle? Wieviel Willensfreiheit hat der Mensch? Na ja, für meine kleine »Nach-Lese« vielleicht doch eine etwas zu große Frage. Außerdem ein neurologisches Modethema, bei dem die Wissenschaft zu einer Antwort tendiert (»Willensfreiheit gibt es nicht«), von der ich einfach glauben will, dass sie grundfalsch ist. Phineas hin, Gage her.

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Und wenn ich mein Gehirn befrage? Dann kenne ich in zehn Sekunden die Antwort. Ich versuche es. Ich warte. Zehn Sekunden. Eine Minute. Eine Stunde. Aber die Antwort kommt bestimmt. Am St. Nimmerleinstag.

 

Über Milgram und Zimbardo habe ich zuletzt 2012 geschrieben, über Phineas Gage sogar erst vor eineinhalb Jahren. Aber wahrscheinlich haben es die meisten Leser längst vergessen und würden den Komplex „Willensfreiheit“ lieber lesen als die „Schweiß“-Schoten. Wer weiß. Was meinen Sie?

Akut wichtigere Frage: Was kommt in die „Montagsthemen“? Über Schweinsteiger schreiben ja alle. Vielleicht von mir nur ein kurzer Anstuppser, dazu Lahms staatstragender Kommentar, dessen Engagement bei Bogner, abschweifend zu Barbie Henneberger? Die FR als Veh-Groupie? Meine ehrenvolle Erwähnung im kommunistischen „Gießener Echo“ in Sachen FIFA? Die Idee, bei Randale ein Spiel abzuschenken? Mein Denkanstoß, dass Drehtechnik und Angleiten zwei verschiedene Disziplinen sind, wie auch Straddle und Flop? Sam und der Datenschutz? Die Universiade und die Azubis? Meine jeweils ersten „Schalker“ Erwähnungen von Di Matteo und Breitenreiter gegenüberstellen?

Erste Idee dazu: Alles davon in die „Montagsthemen“ stecken, jeweils ganz kurz, als ein buntes Kaleidoskop, ohne bemühte Übergänge. Also kein Konzept-Album, sondern eine LP mit unterschiedlichsten Singles? Mal schauen. Erst KKK.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von gw am 12. Juli 2015 .
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