Archiv für Juli 2015

Sport-Stammtisch (vom 1. August)

Nun kandidiert Platini also doch. Obwohl er beim versuchten Blatter-Sturz (noch steht er!) eine jämmerliche Rolle gespielt hat. Aber was heißt schon »obwohl«? Vielleicht eher »weil«? Früher passte zwischen Blatter und Platini kein Blatt. Heute nur ein Feigenblatt.
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Nomen est omen. Platini hat italienische Wurzeln. Das Italienische kennt den Diminutiv »ini«. Zum Beispiel die Verkleinerungsform von Pane (Brot) zu Panini (Brötchen). Dazu passen Blatter und Platini wie Chef und Chefchen. Ihr bevorstehender Wechsel ähnelt dem von routinierten Staffelläufern: abgesprochen, geplant, trainiert – klappt aber nicht immer.
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Reminiszenz zur aktuellen Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022: Über den Fackelträger 1992 in Albertville sagte Rodler Georg Hackl, es sei »geschmacklos, dass er die Fackel getragen hat. Haben die keinen Wintersportler?« Der Fackelträger hieß … Platini.
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Dass Platini bei der Wahl des WM-Ausrichters 2022 für Katar gestimmt hat, ist schon eher bekannt als die olle Fackel-Kamelle, auch dass Katar anschließend die Senderechte für die französische Liga kaufte, bei PSG Paris einstieg und Platini jr. zum PSG-»Europachef« machte. Aber wir Hessen sollten da nicht schimpfen. Katars Fantastillionen tun auch Gutes. Ein paar Peanuts davon sogar der Eintracht-Kasse.
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Apropos: PSG-Anführer Ibrahimovic empfing Kevin Trapp nach dem Wechsel von der Frankfurter Wellness-Oase ins raue Pariser Überlebens-Camp mit dem Gruß: »Welcome to Paris!« Sehr nett von Ibra. Aber er hätte es ja nicht unbedingt übertreiben und andauernd »Welcome to Paris!« rufen müssen – bei jedem der vielen Tore, die er im Training gegen Trapp schoss.
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Nur ein Tor, leider ein Eigentor, schossen die Öffentlich-Rechtlichen, als sie in ihrem Frust über den Verlust der Olympia-Rechte trotzig androhten, demnächst weniger von den Paralympics zu berichten. Im Prinzip vernünftig, denn Paralympics finden drei Wochen nach Olympischen Spielen am selben Ort statt. ARD und ZDF konnten bisher dort ihren teuren Apparat weiter nutzen. Dennoch haben sie einen gewaltigen Eigentor-Bock geschossen, denn sie hätten von Universiade über Azubi-WM bis Senioren-Olympiade alle möglichen und unmöglichen Sportveranstaltungen als Droh- und Druckmittel einsetzen können – aber keine Paralympics. Die sind tabu. Ähnlich wie die Makkabiade. Beide auch für mich. Ich springe doch nicht freiwillig vom Zehnmeterturm ins Fettnäpfchen.
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Ein anderes Fettnäpfchen ist als Tretmine im Sand der Weitsprunganlage verbuddelt. Sechs der sieben DM-Konkurrenten von Markus Rehm aus dem Vorjahr landeten darin als unfaire Unmenschen, weil sie nachträglich Protest gegen die Wertung des Prothesen-Springers einlegten. In der Sache richtig, sportlich sogar zur Klärung nötig – aber tabu. Es gäbe allerdings einen tabufreien Test, der die Diskussion schlagartig beenden könnte. Springt Rehm mit seinem gesunden Bein vergleichsweise ähnlich weit wie andere mit ihrem Nicht-Sprungbein? Ich vermute, dass ein 8,29-m-Springer mit dem »falschen« Bein ungefähr 7,50 bis 7,70 m weit springt, Rehm aber sehr viel weniger. Sollte ich mich täuschen, wäre der große Sportler Rehm als Athlet noch bewundernswerter.
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Bewundernswert ist auch, mit welch unermüdlicher Energie Charles Friedek gegen die skandalöse Ungerechtigkeit kämpft, als 17-m-Dreispringer nicht für Olympia 2008 nominiert worden zu sein. Zur Erinnerung: Friedek sprang die geforderte doppelte Olympianorm in einem Wettkampf statt in zweien. Er sucht seither ein Formulierungs-Schlupfloch und glaubt, es gefunden zu haben. Der Bundesgerichtshof will am 13. Oktober sein Urteil verkünden. Friedek wünsche ich, dass der BGH das formale Schlupfloch anerkennt und nicht die sportliche Logik. Hoffentlich fragt kein BGH-Richter einen 10 000-m-Läufer, ob man die Norm auch in einem Wettkampf zwei Mal erfüllen kann …
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Wahrscheinlich schafft das nicht einmal Kit Armstrong. Der Pianist gab mit acht  sein erstes Konzert, begann gleichzeitig ein Mathematikstudium und war schon mit zehn Gast bei David Letterman. So einem traut man auch das Ding der Unmöglichkeit zu, mit 20 die 10 000-m-Norm in einem Wettkampf zwei Mal zu erfüllen.
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Jetzt trat Armstrong, mit 23 nicht mehr ganz wunderkindlich und fast schon wieder von dieser Welt, beim Rheingau Musik Festival im Kloster Eberbach auf. Natürlich immer noch umjubelt. Ich aber dachte wieder an seine Mutter, die einmal gesagt haben soll, der kleine Kit habe seinen Kopf beim Schlafen nicht auf ein weiches Kissen gelegt, sondern auf ein mit geschmolzenen Eiswürfeln gefülltes, weil sein Hirn ein kleines Atomkraftwerk sei, das ständig gekühlt werden müsse.
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Seitdem weiß ich, warum mein Hirn schon so manchen GAU erlebt hat, auch ohne Atomreaktor im Frontallappen: Ich hatte nie Eiswürfel im Kopfkissen. Wenn die Vorhersage stimmt und die nächste Hitzewelle schon anrollt, werde ich es aber versuchen. Schlauer werde ich zwar nicht mehr, aber vielleicht schläft sich’s besser. (gw)
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(www.anstoss-gw.de gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 31. Juli 2015 .
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Wer bin ich? (“W-Fragen”/3. vom 30. Juli)

Bevor die dritte und letzte Runde startet, hier noch einmal die bisherigen Tipps: Die »W«-Fragen des Journalismus (wer, was, wann, wo, wie, warum?) waren in Runde eins ein ebenso kryptischer Tipp wie der, dass sich alle drei Gesuchten nach ihrer aktiven Laufbahn auch außerhalb des Sports erfolgreich betätig(t)en und dass sie auch  bereits Rollen in Themen oder Serien von »gw«-Kolumnen spielten.
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In Runde zwei wurde eingeengt: A, B und C sind keine Mannschaftssportler. / Keiner von ihnen wog in aktiven Zeiten mehr als 95 oder weniger als 70 Kilogramm. / Keiner von ihnen ist über zwei oder unter 1,70 Meter groß. / A hat den gleichen Beruf wie B. / C hat einen anderen Beruf und ein anderes Geschlecht. / Als Sportler starteten sie in unterschiedlichen Disziplinen, aber A trat auch in den Disziplinen von B und C an. / Ihre größten sportlichen Erfolge feierten sie um die Mitte der letzten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. C zuerst, später B, zuletzt A.
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Manch einer verzweifelte an dem Hinweis, dass alle drei Gesuchten schon in »gw«-Kolumnen aufgetaucht sind. Sind sie aber! Allerdings in vorelektronischen Zeiten, so dass Google diesmal nicht helfen konnte. Die letzte Runde taucht daher zurück in die Zeit.
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A tauchte in einer Serie auf, die wie folgt eingeleitet wurde: Wie wird Höchstleistung gemacht? Wie bereitet sich ein Athlet der Kategorie »absolute Weltklasse« auf den Tag X vor, den Tag, an dem in Los Angeles die olympische Goldmedaille in seiner Disziplin vergeben wird? A öffnet seine Trainingsbücher, lässt sich in seine Karten blicken und unsere Leser teilhaben an seinem ehrgeizigen Projekt.
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B erinnert an die erste »gw«-Exklusivmeldung. Als ich erfuhr, dass sich das »Traumpaar« X und Y trennte und Y zu B überlief, dem bestem Freund und schärfsten Konkurrenten von X, kam ich mit dem Trainer überein, dies exklusiv in unserer Regionalzeitung zu veröffentlichen, um knallige Exklusiv-Schlagzeilen im Boulevard zu vermeiden. Dennoch rannten uns danach die Kollegen (»Express«, »Bild« und andere) die Bude ein und gierten nach weiterem Hintergrund-Stoff. Das belastete auch mich, ich erkannte, dass diese Art des Journalismus nicht mein Ding ist und nahm mir vor, mich in Zukunft aus diesem Bereich des Journalismus rauszuhalten.
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C lamentierte 1976 im ZDF-Sportstudio, die Olympianorm nicht geschafft zu haben, weil sie ohne Anabolika nicht zu erreichen gewesen sei. C habe aber Doping schon immer strikt abgelehnt und moralisch schärfstens verurteilt. Ein paar Jahre zuvor hatte C allerdings einen Weltrekord aufgestellt, der deutlich höher lag als die Olympianorm von 1976. Dieses Beispiel tauchte auch später noch in »gw«-Kolumnen auf, wenn es um Ungereimtheiten in der Doping-Debatte ging.
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In Runde eins gab es jeweils drei, in Runde zwei zwei Punkte zu gewinnen. In der Schlussrunde (jeweils ein Punkt) können noch wertvolle Punkte für die Gesamtwertung aufgeholt werden, was vor allem für einige WBI-Asse gilt. Noch einmal sei darauf hingewiesen, dass jeder, der an Runde eins und zwei teilgenommen hat, auch diesmal mitmachen darf. Beispiel: Null richtige Lösungen in Runde 1 plus zwei in Runde zwei (= 4 Punkte) plus eine (= 1) in Runde drei = insgesamt 5 Punkte. – Einsendeschluss: 10. August.  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 29. Juli 2015 .
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Ungetwittert

An die Macht gekommen, haben sie ihre Klientel mit Posten und Pöstchen im und rund um das  Staatsgetriebe versorgt. Wer? Pasok? Neo Dimokratia? Syriza? Klar. Aber es gibt auch andere Marschwege durch und in die Institutionen.

Veröffentlicht von gw am 27. Juli 2015 .
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Ohne weitere Worte (vom 28. Juli)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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»Wenn man Ihre Werbepartner Adidas, Coca-Cola, Allianz und Sony sieht, sind Sie schon ein Topstar. Wofür möchten Sie als Werbepartner stehen?« – »Ich wähle Partner, hinter denen ich auch stehe. Es muss zu mir passen. Allianz zum Beispiel steht für Rückhalt, wie ich als Torwart auch. Coke Zero steht für das Zu-null, das ich immer schaffen will; Sony für die Schärfe des Bildes, die ich auch benötige.« (Manuel Neuer im Interview des Kicker-Bundesliga-Sonderheftes )
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Hat er das wirklich gesagt? Eigentlich unglaublich. (…) Fragen über Fragen. Die wichtigste aber fehlt. Das knallharte Nachhaken, wie sich die Beziehung zum vierten Werbepartner erklärt, bleibt nämlich aus. Möglicherweise aber war die Erklärung einfach nicht mehr möglich, nachdem Neuer sich vor Lachen über die Frage und seine eigene Antwort versehentlich drei Streifen in die weiße Unterbuchse gemacht hatte. (Sportredakteur Lutz Wöckener in Welt online zum Neuer-Interview)
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»2003 in Paris bin ich beim 10 000-m-Lauf ausgestiegen. Vor der Kamera habe ich gesagt, ich hätte am Morgen Durchfall gehabt. Aber das war Quatsch, ich hatte gar keinen Durchfall. Ich wusste einfach nur nicht, was ich sagen sollte.« (Langläuferin Sabrina Mockenhaupt im SZ-Interview)
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Die Bayern müssen aufpassen, dass Deutsch die Hauptsprache in der Mannschaft bleibt und nicht nur Spanisch gesprochen wird. (Ottmar Hitzfeld in einem Gastbeitrag für den Kicker)
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»Nach dem Rennen (…) verstand ich die Welt nicht mehr. Erst waren die Journalisten so nett zu dir. Und auf einmal stellen sie so fiese Fragen.« (Mockenhaupt/SZ)
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»Unser Wirtschaftssystem beruht auf Konkurrenz, Ausbeutung, auf dem Prinzip ›Alle gegen alle‹, und es wählt sich zu seinem Lieblingssport ausgerechnet ein Spiel, das auf Loyalität, auf Zusammenhalt basiert. (…) Und die Schweinsteiger-Verpflichtung haut wie mit der Axt ins Herz dieses Widerspruchs. Schweini (…) spielt genau an der Schnittstelle von Kapitalismus und Romantik.« (der englische Dramatiker und Fußballfan Simon Stephens im Zeit-Interview)
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»Als Jugendliche wollte ich Soap-Star werden, weil ich so gern rede.« (Mockenhaupt/SZ)
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»Mir haben zwei aus meinem Trainerlehrgang gesagt, nachdem ich als Bester abgeschlossen hatte: Deine Ansprüche müssen jetzt die höchsten sein. Aber meine Ansprüche lagen niemals darunter.« (Stuttgarts neuer Trainer Alexander Zorniger im FAZ-Interview)
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Beim Bierflaschenzertrümmern (gibt es) nur Verlierer, vielleicht abgesehen von der Firma, die Fahrradschläuche produziert. (…) Es dürfte Einigkeit (…)  bestehen, dass das Radfahren eine eher zu fördernde sommerliche Tätigkeit ist als das Biertrinken. (…) Würde man aber das Bierflaschenzertrümmern viel härter als jetzt bestrafen, dann hätte man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. (Radrennfahrer Timo Frasch in der Frankfurter Allg. Sonntagszeitung)
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»Aus Ihrer Heimat, dem Siegerland, sind Sie nie wirklich weggegangen. Warum? – »(…) Hier hast du keine Ablenkung, hier ist abends keine Party, hier kannst du im Bett liegen bleiben. Du verpasst nichts.« (Mockenhaupt/SZ)
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Was ist mit einer Gesellschaft los, in der Behinderte nicht mehr sagen dürfen, dass es ihnen schlecht geht? Was die Kritiker eigentlich meinten, war dies: Lierhaus hat gefälligst glücklich zu sein. Und wenn sie es schon nicht ist, dann solle sie wenigstens so tun als ob. (Christina Berndt in der SZ über die Kritik an Monica Lierhaus’ Aussage, dass ihr ohne die rettende Hirnoperation vieles erspart geblieben wäre)
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Man kann sagen, dass es mit dieser (Griechenland-)Krise nicht anders ist als mit Ehekrisen: Wer von ihnen profitieren will, tut gut daran, nicht den anderen zu beschimpfen, sondern sich zu fragen, welche Wahrheiten er aus dessen Verhalten über sich selbst erfahren kann. (aus »Das Beste aus aller Welt« von Axel Hacke im SZ-Magazin)
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Die Bundeserwachsenenspiele sollen (…) erstmals im Juli 2016 stattfinden. Ziel ist, all jenen, die als Kind die Lebenskampfertüchtigung irgendwie verpasst haben, eine zweite Chance zu geben. (aus der »Schluss für heute«-Glosse der FAS von Michael Eder))
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»Ich bekomme oft zu hören: Mocki, halt doch einfach mal die Schnauze.« (Mockenhaupt/SZ)
(gw)
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(www.anstoss-gw.de  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 27. Juli 2015 .
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Freitag, 24. Juli, 11.50 Uhr

“Sport-Stammtisch”, zu Beginn  ein echter “Stammtisch”, ist geschrieben, auf die Zeitungs-Sportseite und online gestellt. Nächster Einsatz: “Ohne weitere Worte” am Montag für Dienstag. Dazwischen kein Sonntagmorgenblog und keine “Montagsthemen”. Bin unterwegs. Kurztrip dorthin, wo kürzlich ein Heer von Fotografen eine Königsfamilie am Strand geknipst hat. Wo ist das? Für die Antwort gibt es keinen Punkt. Je zwei aber für die Fragen der zweiten WBI-Runde, für die morgen Einsendeschluss ist. Nicht vergessen!

Veröffentlicht von gw am 24. Juli 2015 .
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Baumhausbeichte - Novelle