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Ohne weitere Worte (vom 30. Juni)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Bastian Schweinsteiger, so tönt bereits manch Fußballguru, (…) habe den richtigen Zeitpunkt verpasst aufzuhören. (…) Als leuchtendes Beispiel wird dem Mann (…) sein Mitspieler Philipp Lahm vorgehalten. (…) Kühle Kalkulation lässt den aufrechten Fußballfan aber völlig kalt. (…) In einer Zeit, in der Spieler systematisch zur perfekt funktionierenden Lahmhaftigkeit erzogen werden, sehnen sie sich nach dem Unverfälschten. (…) Wir finden: Gut, dass Schweinsteiger noch dabei ist. (Peter Dausend in der »Gesellschaftskritik« des Zeit-Magazins »über den späten Schweinsteiger«)
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Johannes Geis (…) wurde gefragt, wie es denn jetzt um seine Zukunft als Fußballer bestellt ist. Geis druckste herum. Er sagte, dass er sich damit nicht beschäftige. Das war, genau genommen, noch nicht einmal gelogen, denn Geis hatte die Entscheidung ja schon getroffen. Nicht einmal einen Tag später wurde offenbar, dass er zum FC Schalke 04 wechselt. (Stefan Osterhaus in der taz über »die jungen Diplomaten im Trainingsanzug«)
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Dennoch wird es auch diesmal so sein wie nach allen großen Turnieren zuvor: Auch diese Weltmeisterschaft wird nicht dafür sorgen, dass künftig in der Frauen-Bundesliga mehr als eine Handvoll Fans zu den Spielen kommen werden. Oder dass Frauenfußball im Fernsehen mehr Sendezeit bekommen wird. Diese bittere Wahrheit verbindet unsere Fußballerinnen mit ihren Kolleginnen in der Leichtathletik oder im Schwimmen. (aus dem Editorial des Sport-Bild-Chefredakteurs Alfred Draxler)
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Tönnies preist sich gerne selbst, wenn es sonst schon keiner tut. (…) Die Schnitzel für den Toaster, seine Erfindung. (…) Mehr als 200 Teile holen sie aus einer Schweinehälfte. Aus dem Darmschleim wird der Blutgerinnungshemmer Heparin gewonnen. (Bernd Dörries und Elisabeth Dostert in einer Seite-3-Reportage der Süddeutschen Zeitung über Fleischkonzern und Familienfehde des Schalke-Chefs)
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Trainer Dirk Schuster fungiert zugleich als Sportdirektor – ist das nicht zu viel für einen alleine? – »Was wir nicht brauchen, ist einer, der am Rand über den Trainingsplatz stolziert, beim Spiel auch noch auf der Aschenbahn herumtobt und mit dem vierten Schiedsrichter diskutiert.« (Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch im Kicker-Interview)
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Rudi Gutendorf (…), ein einziges Jährchen jünger als die britische Monarchin, ist ebenfalls noch ziemlich rege. (…) Ihn reizt angeblich noch einmal eine Aufgabe in der Bundesliga – mit 88. Möglicherweise als Berater. (…) Ganz nach der Devise: Wer schon mal in Ruanda gearbeitet hat, kann jetzt auch in Stuttgart noch etwas bewirken. (Rainer Seele in der »Schluss für heute«-Kolumne der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über »Rudi und die Queen«)
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Die größten Alkoholexzesse von Fußballfans erlebt in der Regel ohnehin die Deutsche Bahn, die wohlweislich lieber Sonderzüge älteren Baujahres zu Bundesligaspielen schickt. Wer mal mit halbwegs klarem Kopf ein Abteil nach einer zum Saufgelage ausgearteten Sonderfahrt begutachtet hat, kann selbigen nur verständnislos schütteln. Da haben die Selbstreinigungskräfte der Fans im Wortsinn reichlich Verbesserungsbedarf. (Jan Christian Müller in der Frankfurter Rundschau über ein mögliches Alkoholverbot im Umkreis der Stadien)
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»Das ist kein Zeichen dafür, dass die Gesellschaft tolerant ist. Das ist ein Zeichen, dass die Gesellschaft bekloppt ist. Manchmal ist ein Mann in Frauenkleidern einfach nur ein Mann in Frauenkleidern.« (Kabarettist Ludger Kusenberg über Conchita Wurst, zitiert in der SZ)
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Carpe Diem – Nimm Dir das Leben. (Überschrift im Bocholter-Borkener Volksblatt, gefunden im »Hohlspiegel« des Spiegel) (gw)
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(www.anstoss-gw.de w@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle