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Sport-Stammtisch (vom 27. Juni)

Leider fehlt mir ein Gen. Da kommt eine überaus rüstige ältere Dame zu Besuch, und Deutschland flippt aus. Sogar bei uns sturen Hessen wird sie derart begeistert empfangen, als sei sie ein Eintracht-Neuzugang der Firmino-Preisklasse.
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Aber 41 Millionen für Hoffenheimer Allerweltsware, das können sich nur die Engländer leisten. Weil sie wie einst Leo Kirch mit Fußball-Übertragungsrechten an der Quadratur des Kreises arbeiten, der Refinanzierung nicht refinanzierbarer Investitionen. Und wie Kirch daran scheitern werden. Wartet, wartet nur ein Weilchen, dann kommt nicht Haarmann, sondern der Markt mit seinem Hackebeilchen. Aber auch der kann ein Massenmörder sein.
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Noch aber können die Engländer mit Fantastillionen um sich schmeißen (bei Bedarf bitte das »m« weglassen), weil flankierende Maßnahmen von Scheich, Oligarch & Co für einen zusätzlichen Cashflow sorgen. Doch dieser Geldzufluss, momentan noch ein Amazonas-breiter Strom, wird in nicht allzu ferner Zukunft austrocknen. Nicht langsam über Rhein, Lahn und Nidda zum Rinnsal, sondern schlagartig zum Wadi, zum ausgetrockneten Flussbett.
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Na ja, dieser bildhafte Vergleich hinkt stärker als das – wie von mir gemalte – Pferd auf dem Bild für die Queen. Denn Wadis können durch überraschende Regenfälle urplötzlich wieder zum Strom anschwellen. – Wie von mir gemalt? Banause! Mir fehlt wohl auch das Kunst-Gen.
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Zur Behebung des anderen Gen-Defekts habe ich »Royal Ginseng« gekauft. Aber welch eine Enttäuschung: Entgegen seines Namens heilt »Royal Ginseng« zwar alle Krankheiten dieser Welt, aber gegen meinen royalen Gen-Defekt ist sogar dieses Wundermittel machtlos.
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Böse MenschInnen behaupten, mein echter Gen.-D. sei die Abkürzung für Gender-Defekt. Nur weil ich ab und zu am Binnen-I scheitere. Weit gefehlt. Ich bemühe mich. So beflissen wie die »taz« will ich werden. Daher studiere ich besonders aufmerksam einen kleinen Absatz im »taz«-Artikel über den DFB und die Frankfurter Rennbahn: »… Aufgabe der gewählten Vertreter … ihre BürgerInnen … die Einwohner … wahlberechtigte FrankfurterInnen … 77 Prozent der Frankfurter.« Ich geb’s auf. Name der AutorIn: Müller. Vorname: Ronny. Typisch Mann.
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Auch der große Geist (GeistIn?), der laut Ginseng-Sage alle Sorgen und Krankheiten der Menschen heilen wollte, hatte seine Gender-Lektion nicht gelernt. Er schenkte uns zwar Ginseng, das ein langes, glückliches und gesundes Leben ermöglichen soll, doch schickte er es in Form eines Knaben, der auf der Erde die Form einer Wurzel annahm. Und was sehe ich, als ich im Internet nach dem Bild einer Ginseng-Wurzel fahnde? Sogar den kleinen Unterschied hat der große Geist nicht vergessen!
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Schluss mit Unsinn. Katar. Nicht nur Englands Fußball, Paris St. Germain, die FIFA, Blatter Junior oder Pep Guardiola hängen oder hingen am Katar-Tropf. Jetzt mischt Katar sogar den Handball auf. In diesen Tagen soll Nikola Karabatic einen Zwei-Millionen-Euro-Vertrag in Paris unterschreiben und dort »der Zlatan Ibrahimovic des Handballs werden« (»Spiegel«). Kleines Hindernis: Erst muss er einen Betrugsprozess überstehen, denn er soll ein Spiel (mit)verschoben und auf  den überraschenden 31:28-Sieg des abstiegsbedrohten Klubs aus Rennes gegen seinen damaligen Verein Montpellier gewettet haben, der schon als Meister feststand.
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Man stelle sich bloß vor, Katar schmeißt (siehe oben) nicht England, Frankreich und Wensonstnoch im Sport mit Geld zu, sondern unsere griechischen Miteuropäer – schon wäre das Problem gelöst. Die Katarer würden das Geld zwar ebenfalls nicht zurück bekommen, aber sie haben ja genug davon.
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Ha! Jetzt habe ich doch noch mein royales Gen entdeckt! Ich bin  Bruder im Geiste Prinz Philips, denn auch er hat hessische Wurzeln, und nicht jeder lacht über seinen Humor. Der ist oft gewöhnungsbedürftig derb, aber manchmal Monty-Python-reif (zum in Landestracht gekleideten Präsidenten von Nigeria: »Sie sehen aus, als wollten Sie gleich ins Bett«). Unschlagbar aber Prinz Philips Urteil über die Favoriten der Queen: »Wenn etwas kein Gras frisst und nicht furzt, ist die Königin nicht daran interessiert.« Er sprach von Pferden, nicht von sich.
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Mochten Sie diese Kolumne nicht? Wäre schade. Aber dann schlösse ich mich unserem Bundespräsidenten nach dem Überreichen des Bildgeschenks an: »Wenn Sie es nicht mögen, nehmen Sie das Marzipan.«  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle