Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Ohne weitere Worte (vom 23. Juni)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
*****
Hat Blatter keine Ehrfurcht vor kackenden Tauben? (Überschrift der »Querpass«-Kolumne von Oskar Beck in der Welt; Thema: Wie Blatter an seinem eigenen Denkmal arbeitet)
*
»Wir schießen mit Spatzen auf Kanonen.« (Darmstadts Trainer Dirk Schuster im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
*
Vor einem Jahr aber hat er deutlich zu verstehen gegeben, dass er am Main keine gescheite Perspektive sehe. In schönster Vehscher Zuspitzung mündete das damals in dem Bekenntnis, er wolle einfach noch mal Meister werden. Warum er dann zum VfB Stuttgart wechselte? Das ist eine andere Geschichte. (Johannes Aumüller in der Süddeutschen Zeitung)
*
Fakt ist: Es gäbe Entscheidungen, die mehr Aufbruchstimmung vermitteln. (Marc Heinrich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über »Veh ante portas«)
*
»Es geht immer bei Null los. Keiner kann sich auf dem ausruhen, was mal war. Wenn ich meine Leistung nicht mehr bringen kann, dann bringt es nichts, wenn ich sie mal gebracht habe.« (Armin Veh im Interview der Frankfurter Rundschau)
*
Veh ist zwar Schwabe, aber wirtschaftlich seit vielen Jahren schon bestens abgesichert. (aus dem Rhein-Main-Sport der FAZ)
*
Zeman, der Moralist und unermüdliche Drachentöter, ist aber auch ein Verführer. Ein Trainer, der die Codes der Resultat-Betonierer entschlüsselt und Abwehrketten des Calcio aufbricht, ein Revolutionär, der immer wieder die wilden Pferde des Angriffsfußballs losschickt. Aber in den melancholischen Falten seines Raucher-Gesichts verbirgt sich das Gen des Scheiterns eines Don Quijote des Fußball-Zeitalters. (Peter Hartmann in der Neuen Zürcher Zeitung über den Trainer des FC Lugano)
*
»Um Profi zu werden, habe ich jeden Tag vor und nach der Schule trainiert. Bis Parma-Trainer Arrigo Sacchi mir gesagt hat, ich hätte keine Zukunft. (…) Da war ich 19. Ich habe meine große Liebe verlassen und Wirtschaft studiert. Es schließt sich eine Tür und es öffnet sich ein Tor.« (Pietro Beccari, Chef des Modekonzerns Fendi, im SZ-Interview)
*
»Wir hatten damals alle ständig Schmerzen. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Verstauchte Knöchel, Blutergüsse, blutende Füße … Verletzungen, mit denen Fußballprofis zwei Wochen lang aussetzen. (…) Gut, es war nicht so hart wie bei der Tour de France, aber die Fahrer dort haben einen Adrenalinausstoß, der sie zu Bestien macht. Die können wahrscheinlich mit einem gebrochenen, herausstehenden Schlüsselbein fahren und würden es nicht merken. So schlimm war es bei uns nicht. Aber fast.« (Schauspieler Mads Mikkelsen im Zeit-Magazin über seine Vergangenheit als Tänzer)
*
»Innerhalb von zwei Jahrzehnten ist die halbe Welt Vegetarier geworden. (…) Was ist mit (…) den Käseliebhabern, die auf Schlachtbetriebe schimpfen? Haben die mal ’ne Kuh gefragt, ob die ihr Leben lang im Knast stehen will, und jeden Tag kommt einer und zieht ihr an den Titten rum?« (»Rammstein«-Sänger Till Lindemann im SZ-Interview)
*
Xavier Naidoo erzählte neulich: Im Internet habe er über ein paar Leute gelesen, die das damalige Staatsoberhaupt, Horst Köhler, anzeigten, weil er geholfen habe, in Deutschland »ohne verfassungsrechtliche Legitimation« den Euro einzuführen. Naidoo marschierte zur nächsten Polizeiwache, um sich anzuschließen. Vor ihm habe eine Studentin ihr gestohlenes Fahrrad gemeldet, und als er danach mit Alkoholfahne (…) den Polizisten von Horst Köhlers Hochverrat berichten wollte, verstanden die immer »Hochfahrrad«. »Die dachten«, erzählt Naidoo, »ich sei völlig hirnverbrannt«. (Frankfurter Rundschau)
*
Sind Sie treu? – »Jetzt muss ich aufpassen, was ich sage. (…) Wenn man viel reist, dann ist es natürlich heikel. Da gibt es viele Gelegenheiten.« – Die Gelegenheiten, die sich einem weltbekannten Sänger bieten, kann sich ein normaler Mann schwer vorstellen. – »Was soll ich sagen? Es ist ein Knabentraum.« (Lindemann/SZ)
(gw)
*
(www.anstoss-gw.de  gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle