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Sonntag, 21. Juni, 7.15 Uhr

Hoffentlich verpetzt mich kein Nachbar, wie kurz der Hundegang war. Das gäb’ nachher Ärger. Aber es ist so kalt, so nass! Auf der Autofahrt zum Hundegang erstmals seit langer Zeit wieder die “Inspirationen” auf meinem HR1 gehört, die in früheren Jahren auf dem Weg in die Redaktion auch manchmal Inspirationen für die Kolumne hergaben. Und was hör ich heute? Die unvermeidliche Bischöfin sagt ihre Sprüchlein jetzt auch noch bei den “Inspirationen” auf! Wir sollen in der Mitte des Lebens nicht an uns vorbei laufen. Darum kreist sie. Solche tiefsinnigen Kalendersprüche hängen auch in Fitness-Studios an der Wand. Mitte des Lebens? Ach ja, das Thema, weil wir auch in der Mitte des Jahres angekommen sind. Wann ist das, wenn die Tage schon wieder kürzer werden? Wann ist das? Heute? Wahn ist das! Vanitas, Vanitas.

Die Bischöfin sollte mir lieber mal erklären, welcher tiefere Sinn im Leiden der Kreatur in der Tonne steckt. Oder, wie ich jetzt gerade gesehen habe, warum Gott heute nacht wieder tausende von mückenkleinen Minikröten aus dem Paradies (dem Teich) geschickt hat, um im rauen Leben zertreten und gefressen zu werden. Ich schätze, in diesen Tagen kommen an die hunderttausend Ex-Kaulquappen heraus, von denen vielleicht fünf oder sechs als Jungkröten nächstes Jahr in den Teich zurückkehren. Andererseits: Wenn alle hunderttausend zurück kämen, Jahr für Jahr, das wäre auch keine angenehme Vorstellung. Vanitas, Vanitas.

Beim Hundegang einen der großen Aschenhaufen gesehen, die jetzt in den Dörfern bzw. auf deren Bergen Überbleibsel der Sonnenwendfeuer von gestern abend  sind. Alter germanischer Brauch. Bringt mich auf den Einstieg in die “Montagsthemen”: Sonnenwendfeuer, Germanen, Thingstätte, aller guten Dinge sind drei, und schon bin ich bei der Drei-missed-test-Regel. Oder so. Bis dann. Aber nun wirklich: KK.

Baumhausbeichte - Novelle