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Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Protest durch Schweigen

Eigentlich wollte auch ich schweigen, mich nicht mehr verhalten müssen zu Meinungen und Ereignissen. Allein, es geht nicht, oder doch nur in der Form äußerster Sparsamkeit.

Zu Ihrem Twitter. War es das, was Sie meinten:

http://www.zeit.de/2015/22/empoerung-streik-wut-erwachsen-werden

Das entspricht etwa dem, was Sie zum Ausdruck bringen (so habe ich es verstanden, was ja nicht so viel besagt).

Zu bedenken gebe ich Ihnen noch den Cicero, die katilinarische Verschwörung. Passt auf  Sie, das ist als höchstes Lob gemeint, muss man ja hinzusetzen.

Über den älteren Cato schreibt Cicero – frei übersetzt: „Hätte sich dieser höchst verdiente Mann nicht am Ende seiner Laufbahn auf sein Landgut zurückziehen dürfen? In Ruhe seine Verdienste bedenken und schweigen? Er schwieg nicht. Immer wieder protestierte er gegen die Zustände seiner Zeit.“ Von diesem stammt das ceterum censeo (was ja sprichwörtlich geworden ist) „Im Übrigen bin ich dafür, das Karthago zerstört wird“. Nun, eine Zerstörung kommt nicht infrage, aber Einmischung schon. Ach und noch etwas: allein die Wahlberichterstattung Ihrer Zeitung und die ihr zugrunde liegenden Ungeheuerlichkeiten (fehlende Demut der Akteure, Jubelorgien bei einer Zustimmung von 15 % für die OB, völlige Fehleinschätzung der Bedeutung dieses desaströsen Ergebnisses) wäre eines Kommentares aus Ihrer Feder würdig. Hier darf man ironisch sein bis zur Verletzung. Der Gießener und die Gießenerin haben sich trotz der Hochglanzgartenschau – die ja ein Gemeinschaftsgefühl schaffen sollte  – und trotz der – allerdings völlig fehlgeschlagenen vollmundig angekündigten – Bürgerbeteiligung (oder deswegen und wegen der merkwürdigen Informationspolitik in Flüchtlingsfragen) von dieser Politik abgewandt. Das ist Protest durch Schweigen. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle