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Samstag, 6. Juni, 10.30 Uhr

In der Nacht Gewitter mit – endlich!-  viel Regen. Dachte ich. Morgens beim Blick in die Tonne, die das Wasser vom Dach auffängt, ziemlich enttäuscht: nicht mal halb voll.

Das E-Bike-Fahren scheint gut für die Kondition zu sein. Ich fahre regelmäßig zur Kontrolle mit dem Normalrad, da gibt es jedenfalls keine Einbußen. Meine Theorie dazu: Mit dem Normalrad strenge ich mich unregelmäßig an, in etwa wie beim Intervalltraining der 50er, 60er Jahre. Das wurde abgelöst vom stetigen, kilometerfressenden Ausdauertraining mit gleichförmiger Belastung. Da ich den Akku nur bei Gegenwind oder nennenswerter Steigung einschalte, entspricht mein E-Bike-Fahren diesem Ausdauertraining. Als dieses sich gegenüber dem Intervalltraining durchsetzte, explodierten die Langlauf-Weltrekorde (das heutige Langlauftraining ist natürlich differenzierter als meine Kurzbeschreibung).

Lange nicht mehr mit und vom Rad gestürzt. Darauf achte ich auch, denn je älter, desto morscher die daher splitternden Knochen. Fünf Brüche (Rippe, Schlüsselbein) mit einem Pneumo Thorax als Zugabe reichen ja auch. Alle zwischen 50. und 60. Jahr. Davor zwar selten Rad gefahren, aber auch gerne mal gestürzt, auch schwer, aber nie etwas passiert: Knochen noch stark, dazu muskelgepolstert.

Aber jetzt: Mit dem Normalrad unterwegs. Steigung zum Sportplatz gut geschafft, voll Stoff zur Belohnung in die Abfahrt gestürzt, auf Tacho geguckt, 50 km/h, plötzlich krach, knirsch, peng, mein Hintern fällt scheinbar ins Bodenlose, das Rad schlingert, ich kriege es nur mühsam in den Griff, atme heftig und dann auf: Sturz vermieden. Sattel ist weg. Liegt hundert Meter weiter hinten. Weggesprengt wie ein Schleudersitz. Das Sattelrohr steckt noch. Hätte ich mich drauffallen lassen, hätte ich dem Rettungswagen ein interessantes Bild geboten: Alter Mann liegt schwer verletzt auf der Straße, im Hintern steckt ein 30 cm langes Stahlrohr.

Aber wieso bricht ein Sattel überhaupt ab?

Baumhausbeichte - Novelle