Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Ohne weitere Worte (vom 2. Juni)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
*****
In dem Weltfußballverband hätten sich Al Capone, Diamanten-Jimmy und andere Mafiosi aus dem Chicago der Zwanzigerjahre bestens zurechtgefunden. (Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung)
*
Aber der Eindruck ist nicht abwegig, dass der Fifa-Präsident trotz allem immer noch an die Chance glaubt, eines Tages den Friedensnobelpreis verliehen zu bekommen. (Evi Simeoni in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
*
Rafael Esquivel, Nicolas Leoz, Jeffrey Webb, Jack Warner, Eduardo Li, Eugenio Figueredo und Jose Maria Marin: Nicht nur die Namen klingen nach Schmiergeld, wenn man sich die dazugehörigen Gesichter anschaut, weiß man, mit genau solchen Typen würde man einen Film über eine vollkommen korrupte, hochkriminelle Organisation besetzen. (»Zippert zappt« in der Welt)
*
Die etablierten Fußballaristokratien Europas (…) versuchen seit Jahren, Blatter als Inbegriff der Korruption anzuschwärzen. (…) Deshalb wird er zur Zielscheibe krimineller Unterstellungen. Was sich termingerecht mit höchster Anprangerungswirkung vor einem Fifa-Kongress jetzt wieder abspielt, ist eine Hysterie der Vorverurteilung, eine kollektive Empörungsorgie, die sich an sich selbst berauscht. (Roger Köppel, Verleger und Chefredakteur des Schweizer Magazins »Weltwoche«, in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung)
*
Dass (…) eine Truppe unterschätzter, anderswo fortgeschickter (…) Profis bald tatsächlich gegen den FC Bayern, Borussia Dortmund und Co. spielen darf, ist mit wenigen Erfolgen vergleichbar. Das 7:1 der deutschen Nationalmannschaft im Halbfinale der WM gegen Brasilien war auch so einer. (Uwe Marx in der FAZ zum Aufstieg von Darmstadt 98)
*
Viktor Skripnik und Thomas Schaaf sind Blutsverwandte, sie stammen beide aus jener Bremer Linie, die vom großen Otto Rehhagel abstammt, der wiederum direkt von Goethe, Schiller und seiner Frau Beate abstammt. (Christof Kneer in der SZ)
*
Ralf Rangnick hat den Anforderungskorridor so eng gefasst, dass nur ein Einziger hindurchpasst: er selbst. (Claudio Catuogno in der SZ über den Leipziger Sportdirektor und Trainer)
*

Wolfgang Schäuble erlaubt sich keine Disziplinlosigkeiten, kein Jammern, kein Jaulen, keinen Prunk und keine Rethorik der Ergriffenheit. (…) Das Einzige, was er sich gestattet, ist die unverrückbare Meinung, er habe immer recht. (Stefan Willeke in der Zeit)
*
Ein wenig speziell war er immer, dieser Buffon aus Carrara, aus Italiens historischer Anarchistenhochburg. Ein Typ, der sich nach Beginn seiner Profikarriere für ein Jurastudium einschreibt, dabei ein gefälschtes Abiturzeugnis vorlegt und eine Geldstrafe erntet. (…) »Gigi ist nicht besonders helle und ein wenig arglos, aber im Kern ein guter Kerl (…)«, sagt einer, der über Buffon seit Jahren berichtet. (Spiegel über Italiens Nationaltorwart Gigi Buffon)
*
»Man muss ihm leider ein moralisches Defizit attestieren. Kohl ist nicht der Gescheiteste von allen gewesen.« (Heiner Geißler im SZ-Magazin)
*
»Wer Kohl unterschätzt, wird überschätzt.« (Philosoph Odo Marquard† 1990 im »gw«-Interview)
*

Wer die Münchner an ihren Möglichkeiten misst, kann nur zu dem Schluss kommen, dass es eine bescheidene Saison ist. (…) Deshalb mutet es sonderbar an, wenn nicht nur in den stets begeisterten Medien von einer überragenden Saison gesprochen wird. Sie jubeln mit (Anm.: Guardiola, Sammer, Rummenigge), als müssten alle demütig auf die Knie sinken. Deckt sich diese offizielle Version mit der internen, dürfte es um die bayerische Herrlichkeit bald geschehen sein, denn die Möglichkeiten wurden nicht im Ansatz ausgeschöpft. (Neue Zürcher Zeitung)
*
Der Hauptgrund für meinen stabilen Organismus: Ich denke mir immer, dass es der Karriere nicht förderlich ist, wenn man verletzt ist. Also lasse ich das lieber weg. Und Verletzungspausen, wurde mir von vielen Betroffenen bestätigt, machen keinen Spaß. Außerdem habe ich mir vorgenommen, in meinem Leben nur Dinge zu machen, die Spaß bringen. (Thomas Müller in einem Gastbeitrag für den Kicker)
*
Sie sagten mal, dass Sie sich lieber live im Fernsehen einer Rektaluntersuchung von einem Arzt mit kalten Händen unterziehen würden, als eine Seite bei Facebook zu haben. Stimmt das immer noch?– »Dreimal dürfen Sie raten!« (George Clooney im Interview der Frankfurter Rundschau).
(gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle