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Samstag, 30. Mai, 14.45 Uhr

Bahnreise. Zwischen Nürnberg und München 300 km/h. Ich bin leicht beeindruckt. Ein Welterfahrener trumpft lässig auf: “In Japan waren es 600 km/h.” So einen gibt es immer.

U-Bahnhof in München. Ein altes, ein sehr altes Paar, krokodilige Haut, braungebrannt, stark tätowiert, fast nackt. Beide haben nur einen knappen gelben Bikini an. Als wäre es ihre selbstverständliche Reisekleidung.

Rückfahrt um viertel nach vier. Vorher alles noch einmal im Internet überprüft. Schon eine halbe Stunde vorher im Bahnhof. Noch einmal vergewissert. Viertel nach vier, Gleis 19, keine Verspätung. Noch einmal Pipi machen. Ich komme zurück, helle Aufregung: Der Zug ist weg. Schon um kurz nach halb vier abgefahren. Kurzfristig vorgezogen wegen Bauarbeiten. Ohne jede Ankündigung. Bahn 2015.

Zu Hause festgestellt, dass Festnetz und W-Lan nicht funktionieren. Da ich schon ein paar Stunden später zur Radtour am Main aufbreche, muss sich die KKK-Liebste alleine mit der Telekom auseinandersetzen. Ich werde telefonisch von dem Drama informiert, von der Warteschlange, vom Ding der Unmöglichkeit, eine sinnvolle Auskunft zu erhalten, von den widersprüchlichen Aussagen (erstes Telefonat: wohl allgemeine Störung; zweites: nein; drittes: doch; viertes: nein). Fazit: Ein Telekom-Mensch kann erst am Samstag kommen. Order an uns: Zwischen 11 und 16 Uhr zu Hause sein! Sind wir. Handy an! Haben wir. Vorsichtshalber seit dem frühen Morgen. Jetzt sitze ich hier, es ist kurz nach drei,  und blogge aus lauter Langeweile (ist das die allgemeine Blogger-Motivation?) Unwesentliches, jedenfalls nichts für den Stein(es)bruch. Dass ich es überhaupt kann, verdanke ich dem Nachbarn bzw. seinem W-Lan, in das ich mich einklinken darf. Funktioniert leider nicht im Arbeitszimmer, nur von einer Stelle unterm Dach aus. Da hocke ich nun.

Und hocke. Kolumnen-Material ins Unreine schreiben? Wohlfeile Blatter-Empörung artikulieren? Oder die Feigheit der Europäer? Oder Storls 21,92? Oder dass von jenem Ami, der gewonnen hat, ein Über-24-Meter-Trainingsstoß im Internet kursiert (allerdings übergetreten)? Nee, hab keinen Nerv dazu. Will endlich runter vom Dach. Ich vermute aber: Es kommt niemand. Bei telefonischem Protest ist niemand zuständig. Es wird vertröstet, es gibt einen neuen Termin, das Drama geht weiter. Wetten!?

Rad-Strecke: Von Kahl (bei Hanau) nach Laudenbach (65 km). Goldener Engel. Übernachtet. Von Laudenbach über Miltenberg nach Wertheim, Taubertal und zurück (75 km). Übernachtet. Zurück wie am ersten Tag. Das alles im Trio mit den beiden alten Klassenkameraden, die nicht ganz so alte Blogleser schon von ähnlichen Touren kennen. Klar, dass wir abends bei Speis und Trank alle ungelösten Probleme der Welt gelöst haben. Ist ja auch alles furchtbar einfach. Man müsste nur auf uns hören.

Alte Klassenkameraden: Vor 49 Jahren zusammen Abitur gemacht. Nächstes Jahr Jubiläum. War doch erst gestern, oder?

Nein, wir haben nicht alle Probleme gelöst. Zwei bleiben unlösbar. Bahn und Telekom.

 

 

 

Baumhausbeichte - Novelle