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Manfred Merz: Sprungwunder

Es gibt da eine Geschichte, die ich Dir erzählen möchte. Sie handelt von Duncan McKenzie und vielleicht kennst Du ihn schon längst. Das kürzliche Lesen Deiner Kolumne, in der Sprungwunder wie „Das Tier“ erwähnt wurden, hat mich veranlasst, die Story mit Dir zu teilen.

Kürzlich war ich zum ersten Mal in meinem Leben in England, aus beruflichen Gründen. Mein englischer Kollege Tony Hickson ist Fan des Everton FC, und da mein Besuch auf das Wochenende fiel, in dem Manchester United im Goodison Park vorstellig wurde, schmiedeten wir schon im letzten Jahr Pläne, dort gemeinsam hinzugehen. Da keine “normalen” Tickets mehr zu bekommen waren, verlieh Tony seine Dauerkarte und kaufte für uns beide ein sogenanntes “Hospitality-Ticket”, schweineteuer zwar, aber im Nachhinein seinen Preis wert. Nicht nur, dass Everton in einem tollen Spiel ManU mit 3:0 besiegte, auch das Rundherum hatte es in sich. Vor dem Spiel waren wir zu einem Essen ins Hilton Hotel eingeladen und als “Stargast” präsentierte der Klub jenen Duncan McKenzie, der auch noch zufällig neben mir saß.

Es handelt sich um einen englischen Fußballer vornehmlich der 70er Jahre und einen argen Wandervogel. Sie auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Duncan_McKenzie

Er spielte unter anderem für Anderlecht, zahlreiche britische Klubs und zwei Vereine in den USA (zur gleichen Zeit als Franz Beckenbauer bei New York Cosmos kickte). Es war ein sehr unterhaltsamer Mittag, denn Duncan McKenzie wusste viel Kurzweiliges zu erzählen und obwohl er nur kurz beim Everton FC spielte, erfreut er sich noch heute großer Beliebtheit. Die beste Geschichte, die er erzählte, war folgende: Zu Beginn seiner Profizeit verdiente er 12 Pfund pro Woche. Da er über eine enorme Sprungkraft verfügte, sei er in der Lage gewesen, über einen Kleinwagen zu springen. Dies entwickelte sich als lukrativer Nebenerwerb, denn für Wetten zu diesem Thema nahm er 25 Pfund ein. O-Ton: „Mit einem Sprung verdoppelte ich mal so eben mein Gehalt“. Irgendwann verboten ihm seine Trainer dies aber.

Zum Abschluss seines Auftritts verkaufte Duncan McKenzie noch signierte Bilder von sich für 5 Pfund, und als Andenken kaufte Tony jeweils eins für sich und für mich. In der Ecke unten rechts steht:

The Elland Road Job

The amazing McKenzie takes to the air.

(Manfred Merz/Bad Nauheim)

P.S.: Mein persönliches Highlight an diesem Tag war übrigens, dass er mich als Gast aus Deutschland fragte: „Wie hieß nochmal derjenige, der Franz Beckenbauer immer beschützt hat?“

Ich überlegte kurz und sagte dann: „Schwarzenbeck“.

Und er, mit weit aufgerissenen Augen: „Ja, Schwarzenbeck, was für ein Spieler, zum Fürchten.“

Baumhausbeichte - Novelle