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Ohne weitere Worte (vom 12. Mai)

Mit einem einzigen Hüftwackler verdrehte Messi den Körper des Bayern-Verteidigers um dessen eigene Längsachse, Boateng sank dahin. Aber nicht einfach so. Es wirkte vielmehr so, als habe Messi die 212 Knochen des Boateng auf dem Boden verstreut wie Saatgut. (…) Ob eine Entführung Messis eine Lösung wäre, wurde Bayerns Linksverteidiger Juan Bernat gefragt, er verneinte. »Er würde entkommen.« (Javier Caceres in der Süddeutschen Zeitung)
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Dann kam das Spiel, das ein großartiges zwischen zwei sehr guten (Teams) war, wobei die eine Mannschaft den Vorteil hatte, dass der beste Spieler der Welt auch noch einen guten Tag hatte. So einfach war das, und implodiert war die Idee, dass die Trainer wichtiger als die Spieler sind. (Fußball-Magazin 11Freunde)
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Ist der Fußballer doch größer als der Fußballlehrer, triumphiert doch Schicksal, Zufall, Heldentat und nicht der Wahn vom perfekten Trainer-Algorhythmus? (Chefreporter Peter Unfried in der taz)
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In Barcelona (…) war seine (…) Transferbilanz sehr kostspielig. Durch teure Flops wie Ibrahimovic (für 69 Millionen gekauft, für 24 Millionen verkauft) lagen die rechnerischen Verluste bei Spielern, die in den vier Pep-Jahren geholt und wieder abgegeben wurden, bei rund 160 Millionen Euro, was zum Schuldenberg von Barca erheblich beitrug. (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Die Ratlosigkeit des Trainers dokumentierte die schwer nachvollziehbare Auswechslung von Thomas Müller, dem einzigen kerngesunden Münchner Spieler, von dem ernsthafte Torgefahr ausging. Müllers geharnischte Reaktion zeugte von fundamentaler Verärgerung für die Entscheidung seines Vorgesetzten. (Jan Christian Müller in der Frankfurter Rundschau)
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Macht nichts, liebe Mia-san-mias, jetzt könnt ihr euch voll auf die Meisterschaft konzentrieren. (Michael Eder in der »Schluss für heute«-Kolumne der FAS)
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Im Land der Dichter und Denker gehört das Reden über den Fußball zu den wichtigsten Kulturtechniken des Alltags, die für die wenigen Menschen mit Fußballschwäche nicht selten zu sozialer Benachteiligung führt. (…) Es ist eine subtile Form des Ausgeschlossenseins, zwischen Kopierer, Kaffeemaschine und Kantine nicht über die Mittelfeldschwäche von Werder Bremen, das schlechte Spiel von Mario Götze oder den möglichen Abstieg des HSV smalltalken zu können. (Felix Zwinzscher im Welt-Feuilleton)
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Alle sehen ja, was dieser Kerl vom lieben Gott für ein einzigartiges Talent geschenkt bekommen hat, und alle sehen, dass er daraus zu wenig macht. So was mochten Fußballfans, die selbst gerne ein bisschen begabt wären, noch nie. (SZ online über Mario Götze)
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Die immensen Hoffnungen (…) haben sich nicht erfüllt. Als die Liga wieder losging, kamen zu manchen Spielen trotzdem nur 90 Zuschauer. Interesse am Frauenfußball kann man eben nicht aus Gleichstellungserwägungen verordnen. (Claudio Catuogno in der Süddeutschen Zeitung)
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Toleranz gegenüber einer fremden Kultur wird zum Problem, wenn sich diese Kultur ihrerseits durch Intoleranz auszeichnet. (…) Die heitere Utopie von der multikulturellen, multitoleranten Gesellschaft wird gerne von Leuten verfochten, denen es gleichfalls eine Herzensangelegenheit ist, die Sache der weiblichen Emanzipation voranzutreiben. Wie aber wollen sie jenen Araber liebend eingemeinden, der seinerseits die Rechte der Frau aus religiöser Überzeugung mit Füßen tritt? (…) Dass hier ein Widerspruch vorliegt, wird gerne verdrängt, beginnt aber ungemütlich zu dämmern. (Jens Jessen in der Zeit)
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»Als ich aus dem Knast kam, ging es in die Verlagswelt, und was treffe ich dort? Nur Verbrecher. So viele Unwahrheiten, so viele Lügen, so viele Messer, wie ich im ersten Jahr im Rücken hatte, hatte ich in der ganzen Milieuzeit nicht. Im Milieu gibt es eine Art Zuverlässigkeit. (…) Auf einen Redakteur aber würde ich mich nie verlassen.« (Autor und Ex-Knacki Peter Zingler im SZ-»Geld«-Interview)
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»Im Grunde sind beide unkomplizierte Jungs (…) Von Autorennen und Weltreisen abgesehen führen sie ein Leben, das wenig kostspielig ist.« (Patrizio Bertelli, Chef der Modefirma Prada, im SZ-Magazin über seine beiden Söhne) (gw)
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(www.anstoss-gw.de /  gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle