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Sport-Stammtisch (vom 9. Mai)

Die Relativierung des Pep Guardiola hat begonnen. Da mache ich nicht mehr mit. Relativiert hatte ich schon vorher, als er noch als absoluter Sonnenkönig des Fußballs gefeiert wurde. Mein ständiger Einwand gegen die Vergöttlichung: Nicht Guardiola hat Messi groß gemacht, sondern der Jahrhundertfußballer den Trainer. Was beide ohne einander wert seien, werde erst die Zukunft zeigen.
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Sie haben ihn als Erfinder und Ober-Genie des modernen Fußballs auf einen Sockel gestellt, an dem sie nun kratzen und bröseln wie Mauer-Spechte. Absurde Randnotiz: Als er in München empfangen wurde, bewunderten sie sogar, dass er fast schon perfekt deutsch spreche … super, super, super, super.
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Apropos Specht: In unserem Garten steht ein schöner, großer, alter Walnussbaum. In diesem Frühjahr bekommt er täglich Besuch von einem Buntspecht. Ratatatatt, Ratatatat, klingt’s aus der Krone. Zuerst freut es mich. Dann lese ich im Naturführer nach und weiß nun: Der Specht kommt erst, wenn der Baum morsch wird. Ratatatatt, Ratatatatt …
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Vom Specht zur Maus: Ich wäre gerne Seelen-Mäuschen tief im Herzen von Uli Hoeneß, Doc Müller-Wohlfahrt und Jupp Heynckes (Glückwunsch zum heutigen 70.!), um zu sehen, ob sie einen heimlichen inneren … Dingens feiern. Wie heißt das Wort? Vergessen. Ich frag mal Katrin Müller-Hohenstein.
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Wer nach Gründen für das Desaster sucht, wird manche finden. Einer wurde noch nicht angesprochen: die Spanier! Der wunderbare Fußballer Thiago taucht ab. Bernat, die große Überraschung der Saison, irrlichtert als Dosenöffner herum, mit dem Messi die Bayern-Abwehr knackt. Und Alonso? Ach, Alonso …
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Da fällt mir die mysteriöse »dpa«-Schlagzeile ein: »Beschleunigung am Unfallort: Alonsos emotionale Heimkehr.« Wie bitte? Unfallort ist klar: Camp Nou. Aber Heimkehr? Er kommt doch von Real, nicht von Barca. Und »Beschleunigung«, das ist ja völlig absurd bei diesem verkehrsberuhigten Oldtimer! Erst bei diesem Bild fällt der Groschen: Es geht um Fernando, nicht um Xabi, um Formel 1, nicht um Fußball.
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Der Liveticker des Fußball-Magazins »11Freunde« endete am Dienstag mit einem Messi-Bild unter der Schlagzeile: »Mia san Mia, doch Er ist Er.« Fast so genial wie der Lupfer von IHM.
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Gibt es denn keine Hoffnung mehr? Doch!  Zwar läuft der Negativ-Countdown vom Triple weg (3 – 2 – 1), aber noch ist der Crash down nicht erreicht. An einem guten Tag kann der FC Bayern auch ohne Robben und Ribery selbst Über-Messi und Co. vom Platz fegen, Pep hin, Guardiola her.
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Mhmm. Da will ich Mut machen, und was schreibt Thomas Waechter (Dorn-Assenheim)? »Was meinen Sie, wer ist optimistischer: Der Hundertjährige, der sich einen 10-Jahreskalender kauft, oder der Fußball-Fan, der tatsächlich daran glaubt, dass die Bayern doch noch ins Endspiel kommen?«
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Vielleicht werde ich ja 110. Aber mal was ganz anderes. Griechenland. Im Leitartikel meiner »Griechenland-Zeitung« lese ich: »Muss Griechenland Europa verlassen? Die EU droht, Griechenland zu verbannen, wenn die Regierung den Vorgaben der EU nicht gehorche. Viele Griechen meinen aber, dass die EU kein Recht habe, Athen etwas vorzuschreiben, weil sie jahrelang die Korruption – durch fette Gelder, mit denen hierzulande betrogen und bestochen wurde – in Griechenland geduldet und genährt habe.«
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Na und?, werden Sie fragen. Alles längst bekannt, und was hat das überhaupt mit Sport zu tun? Tja. Ich habe zwar wörtlich zitiert, aber bei einem Wort zwei Buchstaben vertauscht und zwei unterschlagen: Es geht in dem Text nicht um die EU, sondern um die UEFA, den europäischen Fußballverband, der den griechischen Verband auszuschließen droht. Die »GZ« daher: »Die Parallelen zur Debatte über die griechischen Staatsschulden sind unübersehbar.«
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Ebenfalls unübersehbar sind für mich die Parallelen von Knochenbrühe und Knochenmehl. Neuster New Yorker Trend in der schon länger weltweit angesagten Paleo-Diät (Sie wissen doch: Essen wie in der Steinzeit): Statt Kaffee Knochenbrühe to go. Echt wahr auch das: Vor langer Zeit wollte mir ein umtriebiger Erfinder ein Knochenmehlpulver (»man kann auch Menschenknochen nehmen«) schmackhaft machen, das enorme Dopingwirkung habe. Ein kleiner Nachteil sei allerdings die stark verstopfende Nebenwirkung, aber das nehme ein leistungswilliger Spitzensportler wohl auf sich.
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Vor Olympia 1976 wurde dem Bundesausschuss Leistungssport (BAL) eine andere legale Doping-Methode angeboten, mit der man Schwimmern eine bessere Wasserlage verschaffen konnte. Und zwar . . . indem man ihnen Luft in den Darm pumpte. Nie geklärt wurde, warum man die Methode nicht (wirklich nicht?) anwandte. Vielleicht ist aber auch nur das logistische Detonations-Problem der Luftentweichung beim Startsprung nicht zufriedenstellend gelöst worden. Denn die Patentlösung Knochenmehl verriet ich dem BAL nicht.  (gw)
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(www.anstoss-gw.de  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle