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Ohne weitere Worte (vom 5. Mai)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Guardiola hat (…) im ZDF eine bemerkenswert offene Parole ausgegeben: »Ich möchte nur, dass meine Spieler möglichst schnell wieder zurückkehren«, sagte er, »wenn sie acht Wochen verletzt sind, am liebsten schon nach sieben Wochen. Bei vier Wochen Pause vielleicht nach drei. Das ist alles, was ich will.« So offensiv hat noch selten ein Coach den Fußball auf die Materialfrage reduziert. Fast wie in der Kfz-Werkstatt: Wenn der Mechaniker eine Nachtschicht einlegt, müsste das Auto doch morgen repariert sein … (Claudio Catuogno in der Süddeutschen Zeitung)
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Genau wegen dieses falschen Denkens ist für Arjen Robben die Saison jetzt beendet. (Jan Christian Müller in der Frankfurter Rundschau)
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Die Krankenakte der Bayern ist ein Dokument des Grauens. Die 25 Spieler verpassten zusammen 168 Spieltage. (…) Allein die vier Offensivstars kommen zusammen auf 48 versäumte Bundesliga-Spiele. (…) Von den vier Topspielern Barcelonas versäumte nur einer ein Spiel. (Juan Moreno und Cordt Schnibben im Spiegel)
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Der elegante Welttrainer, der sich durch den Weihnachtsbaumtrichter in seine mediterranen Anzüge schießen lässt, und der ungebügelte Pöhler im Jogginganzug. (Pokal-Livestream des Fußball-Magazins 11Freunde über Pep Guardiola und Jürgen Klopp)
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Was Guardiola an der Seitenlinie aufführte, lässt tief blicken in die Seele eines Menschen, der sich überfordert. Er sendete 120 Minuten lang mit Armen und Beinen geheime Botschaften an sein Team, die offenbar niemand verstand; in der Pause vor der Verlängerung versuchte er, Robert Lewandowski mit einer angedeuteten Kopfnuss zu instruieren, der wurde später mit einer Gehirnerschütterung ausgewechselt; den vierten Schiedsrichter schrie er gelegentlich an, um ihn sofort danach zu umarmen. Nicht Sportkommentatoren sollten den Fernsehzuschauern am nächsten Mittwoch das Geschehen auf dem Spielfeld erklären, sondern Psychologen. (Moreno/Schnibben/Spiegel)
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Was da passiert, wenn sich erstmals zwei Weltklasseteams mit der Idee vom absoluten Ballbesitz begegnen, ist eine aufregende Frage: Wird es ein nie gesehenes prächtiges Hin und Her, ein Stakkato aus eleganten Pässen? Oder stürzen sich beide Teams ins Chaos, weil keines von ihnen das gewohnte langatmige Passspiel aufziehen kann? (…) Oder kommt es zu einem einseitigen Duell, weil den Bayern in den vergangenen Wochen die Spieler ausgegangen sind? (Ronald Reng in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Der Ball zirkulierte (Anm.: beim 6:0 gegen Getafe) zwischen den Spielern wie zu Guardiolas besten Zeiten. Besonders Messi (…) war in der Lage (…), eine halbe Mannschaft der Lächerlichkeit auszuliefern. Der kleine Ansatz eines Doppelkinns ist weg, und er kotzt auch nicht mehr auf den Platz. (Moreno/Schnibben/Spiegel)
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Er rannte los – die Zähne gefletscht zur Grimasse eines angreifenden Huskys, die eine Hand zur Faust geballt, die andere als Heckruder abgewinkelt, so schnell wie in seinen aktiven Zeiten nicht, exakt denselben Weg, den Doktor Müller-Wohlfahrt in über 40 Jahren als Mannschaftsarzt des FC Bayern so oft und am allerliebsten gerannt war, um seinen rasanten Antritt und sein ebenso rasantes Haar zu präsentieren: Von der Coaching Zone in den Strafraum, aus der Einsamkeit der Bank mitten hinein in die dampfende Herde seiner Spieler. (11Freunde/Klopp)
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Mit den Händen in den Hosentaschen versenkend, steht er einfach nur da. Und schaut. Leer, traurig und ein bisschen dumm sieht er aus, was er natürlich nicht ist, er ist ja bekanntlich ein Genie von Weltformat. Er ähnelt dann entfernt Bruce Darnell in seinen melancholischsten Momenten, wenn er die namenlosen Models über den Laufsteg wackeln sieht, die ihm insgeheim so unsagbar leid tun in ihrer eitlen Abstrampelei. (11Freunde/Guardiola)
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Meine emotionale Nähe zum 1. FC Köln entsprach bisher ziemlich genau der fußballerischen Distanz des 1. FC Köln zur Meisterschale. (…) Das ist nun anders. Als Kölner Fans auf der Heimfahrt (…) im ICE-Bistro Bernd Lucke entdecken, skandieren sie »Nazis raus«, und drohen, den AfD-Chef aus dem Zug zu werfen. Respekt! Nun ist Lucke zwar kein Nazi – und verwirrte ältere Männer sollten ihren Erbseneintopf selbst im DB-Bistro wegschlabbern dürfen, ohne dass ihnen jemand auf die Bockwurstscheiben singt. Doch das überschießende Anti-Nazitum, das sich da Bahn bricht, hätte ich Fußballfans nicht zugetraut. Und dass sie Lucke erkennen, auch nicht. (Peter Dausend in seiner Zeit-Kolumne) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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