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Montagsthemen (vom 4. Mai)

Natürlich hat Mayweather gewonnen. Wer sonst, bei diesem Datum? Allerdings soll der Kampf, erzählen zahlungswillige Frühaufsteher, dem Maiwetter des Sonntags entsprochen haben: trüb und durchwachsen.
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Allerdings hinkt der Vergleich mit dem Maiwetter: Bei uns gab’s gestern die Niederschläge, die im Box-Ring fehlten. Oder, wie Klartext-Rocky sagt: »Ein langweiliger Scheißkampf.«
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Wochenlang nervten die Sky-Reporter, die mindestens zehn Mal pro Fußballspiel ihr Anpreiser-Sprüchlein vom »Jahrhundertkampf« aufsagen mussten. Was jedes Mal auch das unfreiwillige Bekenntnis war, nicht als Journalist, sondern als PR-Dienstleister sein Geld zu verdienen. Ein Grimme-Preisträger wie Marcel Reif müsste sich vor Grimm die Zunge abbeißen, aber wahrscheinlich redet er sich ein, das sei einfach nur professionell.
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Jahrhundertkampf? Ja. Sogar ein Jahrtausendkampf. Der erste des Jahrhunderts, des Jahrtausends. Noch viele werden folgen. Viel mehr als die Klopperei zweier älterer Herren berührt mich das Knie eines jungen Talentes. Sonny Kittel erneut schwer verletzt – ein Drama, tragischer noch als das um Holger Badstuber, der bereits einige Erfolge vorzuweisen und wohl schon (lebens-)genug auf der hohen Kante hat. Der Trend, sich immer jünger und immer ausschließlicher auf den Fußball zu konzentrieren, mindert nicht nur Persönlichkeits-Entwicklung und Karriere-Dauer, sondern auch die spätere Lebens-Perspektive – es sei denn, man ist einer von tausend, der physisch und psychisch heil durchkommt.
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Eintracht Frankfurt im Niemandsland. Alle sind enttäuscht, obwohl ich meine: Niemandsland ist auch ein Erfolg. Mich beunruhigt viel mehr die Zukunftsplanung. Wie man hört bzw. im »Kicker« liest, steht sogar Jürgen Klinsmann auf der Kandidatenliste als Bruchhagen-Nachfolger. Passt in das sich abzeichnende neue Bild der alten Diva. Auch Christoph Metzelder soll auf der Liste stehen. Aber glattgebügelte Musterknaben braucht die Eintracht nun auch wieder nicht, knurrt da der miesepetrige Muppet-Opa.
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Die außerhalb des Sports wichtigste Hauptsache der Welt scheint die Geburt eines Kindes in England zu sein. Mir fehlt leider mangels Interesse jegliches Fachwissen. Wird das Kind mal König? Wer ist der Vater? Wer die Mutter? Die heißt Pippa. Nee, Kate glaube ich. Und ihre Schwester Pippa. Oder so. Der Papa? Irgendein Sohn von Prinz Charles, I presume.

Außerdem wundert sich der Muppet-Opa über das Aufregungs-Potenzial, das in der simplen Subjekt-Prädikat-Formel steckt: Spione spionieren nun mal. Aber das ist eventuell ein anderes Thema.
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Wo bleibt das Positive? Mittwoch, Barca gegen Bayern. Das erste »wichtigste« Spiel der Saison. Auf dass das zweite ein »wichtigstes« bleibt. Und das allerwichtigste noch folgen kann. Alle Unkerei, auch die von mir am Samstag im »Sport-Stammtisch«, wird Makulatur, wenn sich die Bayern durchsetzen. Das Zeug dazu haben sie immer noch und sowieso. Das Triple ist zwar nicht mehr drin, aber der DFB-Pokal bliebe am leichtesten zu verschmerzen.
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Barca tritt zwar mit dem Abschreckungspotenzial einer 105:19(!!!)-Tordifferenz in der Liga an und mit einem Messi, der dort alleine so viele Tore geschossen hat (51) wie hier die torfreudige Frankfurter Eintracht (und zehn mehr als Dortmund!), aber wir schicken aus Hessen unseren Goethe als Bayern-Motivator voraus nach »Nou Camp«:

Doch ungeschrecket
Dringen wir vorwärts. (…)
Und siehe, so melden
Im Busen der Helden (…)
Die Stimmen der Meister:
Versäumt nicht zu üben
Die Kräfte des Guten! (…)
Die sollen mit Fülle
Die Tätigen lohnen!
WIR HEISSEN EUCH HOFFEN.

Baumhausbeichte - Novelle