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Walther Roeber: Schuldverarbeitung und Konfliktpotenzial (Antwort auf Dr. Hauschild)

Aus einer Frage eine Auffassung zu konstruieren, dazu
gehört schon eine gewisse Frechheit. Zunächst bleibt eine Frage eine
Frage… Ob sie ein Stilmittel ist, das wäre dann ein anderes Thema.

Ob die breite Bevölkerung mit dem euphemistischen ‘Genozid’ überhaupt
etwas anfangen kann, ist eine offene Frage, genauso wie die Begriffe
‘Holocaust’ oder ‘Shoa’.

Warum Bundespräsident Gauck zum Besuch in Bergen-Belsen eine Kippa
aufsetzt und damit Sinti, Roma, Homosexuelle und andere “vergisst”, die
diese Vernichtungslager nicht überlebt haben, würde ich ihn vielleicht auch
fragen wollen. Ich gestehe, dass ich mich am Völkermord an den Armeniern
nicht schuldig fühle und auch nicht bereit bin, dafür irgendeine
Verantwortung zu übernehmen. Offenbar ist die Schuldverarbeitung (?) den Deutschen  besonders gut eingeimpft worden.
Man möge in der Flüchtlingsfrage auch das Konfliktpotenzial beachten,
das mit der Aufnahme von immer mehr – erstaunlicherweise meist jüngeren
- Flüchtlingen sich entwickelt. Die Alten packen die Flucht wohl nicht
mehr bzw. sie können sie nicht finanzieren. Dass in den Heimatländern
damit die Basis für eine positive Entwicklung verloren geht, scheint
gern übersehen zu werden. Statt dessen bilden sich hier Ghettos, in
denen offenbar die Bereitschaft zunimmt, die Auseinandersetzungen im
Gastland (?) fortzusetzen, wofür es sicherlich eine ganze Reihe von
Gründen gibt. Muss ich deswegen bereit sein, immer mehr Flüchtlinge mit
offenen Armen empfangen zu wollen? (Walther Roeber/Bad Nauheim)

Baumhausbeichte - Novelle