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Donnerstag, 16. April, 10.40 Uhr

Als ich soeben nachlese, was ich gestern geschrieben habe, fasse ich einen Entschluss: Heute stelle ich den letzten Blog-Eintrag online, den ich im Live-Modus schreibe, also spontan, unredigiert, auch nachträglich unkorrigiert, mit allem Fehlerhaften, das – zumindest bei mir – das Spontanschreiben so mit sich bringt. Ist mir dann doch zu peinlich, wenn allzu Gestammeltes, Gebrabbeltes und Unüberlegtes netzzeitlos erhalten bleibt. Wenn ich die Texte vorab im Redaktionssystem schreibe und erst dann in das Blogsystem schicke, entfällt auch der Umstand, mich ab- und wieder anmelden zu müssen, wenn ich mich während des Blogschreibens in die Nachrichtenagenturen einklicke oder etwas googeln will.

In den Einträgen von gestern fällt mir zum Beispiel auf, dass ich irgendwann morgens festgestellt habe, konfliktscheu geworden zu sein, warum auch immer, dass ich dieses “Warum” abends aber benannt habe, ohne mir dessen bewusst zu sein. Denn die Konfliktscheu hängt zusammen mit der vor ca. zwei Jahren umgesetzten optischen “Anstoß”-Neuorientierung (die ich im Abend-Blog erwähnt habe). Dass mein Kürzel “gw” identisch ist mit dem Namen “Gerhard Steines”, war zuvor bestimmt 99 Prozent der Leser unbekannt. Jetzt ist aber über jeder Kolumne mein Name und mein Bild zu besichtigen, was die Trennung von Kolumnen-”Ich”  und wahrem Ich erschwert, wenn nicht sogar unmöglich macht. Seitdem zügele ich meine Phantasie, kappe die schärfsten Polemiken, verzichte auf die tollsten Kapriolen, denn sie werden sofort mit Gerhard Steines verbunden und nicht mit dem Kunst-Ich “gw”.

Auch das viele “Geröll” stört mich, das sich im Blog, im Stein(es)bruch für die Kolumnen ansammelt. Gestern war einiges Geröll dabei. Und Sand im Satzgetriebe. Zwar hat sich niemand beschwert, niemand hat kritisiert – außer ich mich. Und gegen meine Mich-Kritik sind die schärfsten Kritiken in der “Mailbox” wahre Lobeshymnen. Apropos: Danke für solche, die wunschgemäß unter uns bleiben.

Baumhausbeichte - Novelle