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Walther Roeber (zur Montagsthemen-Diskussion)

Vielleicht verstehe ich diese Bemerkungen der Herren Wartenberg und
Hauschild völlig falsch oder ich habe ein anderes Verständnis für Ihre
Fragestellung. Haben die beiden Leser eventuell übersehen, dass Sie
FRAGEN gestellt haben, nicht etwa eine Meinung/Feststellung niederschrieben?

Sei es drum; ich halte es durchaus für legitim, wenn Kommunen und andere
öffentliche Einrichtungen eine Diskussion darum anfachen, wer für die
Kosten von Polizeieinsätzen (oder auch Einsätze anderer ‘staatlicher’
Einrichtungen) aufkommen soll. Vielleicht ist PEGIDA kein glückliches
Beispiel, aber ich frage mich, ob die anderen Kommentatoren in gleicher
Weise aufgejault hätten, wenn die “Verteidigung der Freiheit am
Hindukusch”, Blockupy oder die G7/G8-Treffen, die uns noch bevorstehen,
mit “Vergnügungsveranstaltungen” in Zusammenhang gebracht worden wären.
Ich fände es durchaus angebracht, wenn die DFL oder die jeweils
beteiligten Vereine sich zumindest an den Kosten beteiligen, die durch
solche Einsätze entstehen. Im Prinzip sind Fußballspiele private
Veranstaltungen, bei denen Millionen gescheffelt werden. Wenn “unsere
Gesellschaft” sich nach goetheschen Grundsätzen verhielte oder Kant
verinnerlicht hätte, dürften dabei solche Ausschreitungen gar nicht
vorkommen. Also könnte man auch argumentieren, dass sich die
Veranstalter um die Sicherheit und Einhaltung gewisser Regeln zu kümmern
und dafür aufzukommen haben. Ich erlaube mir die Frage, ob beim
Oktoberfest, irgendwelcher Dorfkirmes oder auch einer größeren
Veranstaltung anderer Art alle Aufwendungen für die Sicherheit der
Teilnehmer gleich von der Allgemeinheit (also allen Steuerzahlern?)
übernommen werden müssen. Soweit ich weiß, muss ab einer bestimmten
Größe einer Veranstaltung auch die Feuerwehr vor Ort sein, dafür zahlt
doch auch der Veranstalter bzw. er rechnet das in den Preis mit ein.
Bedauerlicherweise gibt es offenbar gewisse Kreise, die jede Art von
Großveranstaltung für das “Ausleben ihrer Urinstinkte” ausnutzen
möchten. Deswegen aber immer gleich nach dem “Staat und seinen Dienern”
zu rufen und die Kosten der Allgemeinheit anlasten zu wollen, halte ich
für einen falschen Ansatz. Gerade bei Sportveranstaltungen scheint es
sich um zahlenmäßig kleine Gruppierungen zu handeln, die zwar gefährlich
sind, aber letztlich nicht die “demokratische Grundordnung” auf den Kopf
stellen. Ich halte es daher für durchaus angebracht – wie in jüngster
Vergangenheit glücklicherweise ein paar Mal geschehen -, dass die
Vereine größere Anstrengungen unternehmen, Chaoten/Hooligans oder
sogenannte “Fans” zur Verantwortung zu ziehen. Wenn sich solche
Ausschreitungen im öffentlichen Raum abspielen, nehmen die Vereine
staatliche Organe in Anspruch. Dafür sollten sie zumindest anteilig
bezahlen! Wobei ich auch durchaus dafür wäre, die Verantwortlichen zur
Rechenschaft zu ziehen, die ihren “Ordnungsaufgaben” bei Demonstrationen
u.ä. nicht gerecht werden. Leider gibt es da häufig das Problem,
überhaupt “Verantwortliche und/oder Schuldige” zu finden. Halten es die
anderen Kommentatoren für angebracht, dass die “Allgemeinheit” für die
Schäden aufkommt, die beispielsweise bei der EZB-Eröffnung entstanden sind?

Bevor ich mich weiter aufrege: Man darf – wie es gw getan hat – durchaus
Fragen stellen, es bleibt abzuwägen, wo welche Grenzen zu ziehen sind.
Wenn Veranstaltungen auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind, dann sollte
es durchaus erlaubt sein, einen Teil dieses Gewinns auch für die
Sicherheit anzufordern. Und ganz am Rande: im deutschen Rechtswesen gibt
es auch noch eine Trennung zwischen Strafprozess und Zivilprozess…

Leider ist nicht immer und überall das Kneipen-Prinzip anwendbar: Wer
bestellt, bezahlt! (Walther Roeber/Bad Nauheim)

Baumhausbeichte - Novelle