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Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Trete Herrn Wartenbergs Auffassung bei

Ich habe gezögert, auf Ihren letzten Beitrag am Montag meine Auffassung zu schreiben. Nun ja, jetzt ist ja alles gesagt, nur nicht von allen. Dennoch zwei kleine Anmerkungen zu Ihnen und Herrn Wartenberg, dessen Auffassung ich hiermit beitrete.
Die Grundrechte unserer Verfassung (leider ist es immer noch nur ein Grundgesetz) sind beginnend in den 70er Jahren vom Bundesverfassungsgericht nach und nach zu sogenannten Teilhaberechten fortentwickelt worden. Grundrechte waren ursprünglich reine Abwehrrechte. Am Beispiel des Versammlungsrechtes und des Rechtes auf freie Meinungsäußerung wird gerade bei aktuellen Demonstrationen deutlich, wie wichtig es ist, dass der Staat diese Grundrechte nicht nur schützt, sondern auch ihre Verwirklichung ermöglicht. Sonst würde nämlich gerade bei dem von Ihnen  gewähltem Beispiel PEGIDA deren Versammlungsrecht in das Leere laufen, weil eben nicht der Staat, sondern Private diese Rechte massiv einschränken, nicht nur bei Demonstrationen übrigens. Für die Realisierung eines solchen hohen Gutes, zu dessen Entfaltung der Staat Hilfestellung zu geben hat (Teilhaberechte nach Bundesverfassungsgericht), kann man schlechterdings keine Rechnung stellen. Ich denke aber, dass Sie das ganz genau wissen, so dass es sich hier nicht um einen Denkfehler handeln kann. Deshalb ist Ihr Anstoß von gestern auch nicht schwach, sondern etwas anderes. In derartigen Situationen reißt die Sympathie für Sie für wenige Sekunden, um aber sehr schnell sich wieder einzustellen, denn: er hat schon so viel Richtiges und Kluges geschrieben, soviel Amüsantes und Weiterführendes, dass er sich auch hierbei etwas gedacht haben muss. Was, weiß ich nicht. Zu den Betrügern auf dem Fußballfeld merke ich nur an: mehr als je in der desaströsen Menschheitsgeschichte neigt der moderne, von jedem Ideal und jeder Bindung befreite Mensch dazu, durch Betrug, Ränke schmiedend und durch harsche Willkür seinen Platz, weil er nur dieses Ziel kennt, zu behaupten. Alle tun das, weil sie auf einen kleinen oder großen Vorteil vor anderen aus sind. Warum sollte man das diesen jungen Menschen als »Sünde« oder auch nur Fehler anrechnen, während es wohl in Kreisen des Managements noch als Schlitzohrigkeit, Usus oder Cleverness gelobt wird? Im Wirtschaftsleben gibt es keinen Schiedsrichter, sonst könnte man auf manchen Platzverweis in jenen Schichten hoffen. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle