Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sport-Stammtisch (vom 11. April)

Dass Thiago, der gar nicht mehr auf dem Platz hätte sein dürfen, das Elfmeterschießen entscheidet, gilt als weiteres Beweisstück in Sachen Bayern-Dusel. Dass es das Elfmeterschießen gar nicht erst hätte geben dürfen, gehört zu den Entlastungs-Indizien, die man gerne unter den (Stamm-)Tisch fallen lässt. Aber nicht unter meinen.
*
Thiago: Natürlich »Rot«. Das Gegen-Argument, der spanische Ball-Streichler habe nicht böswillig zugetreten, greift nicht. Auch ein Verteidiger, der von hinten grätscht, will lieber den Ball als die Beine des Davoneilenden treffen. Gelingt ihm das nicht: »Notbremse«, »Rot«. Böse Absicht hin, Gutwilligkeit her.
*
Lewandowski: Natürlich ein reguläres Tor. Wenn es Schule macht, derartige Minimini-Schubser zu bestrafen, muss bei jedem Ball abgepfiffen werden, der in den Strafraum segelt. Das Spiel hätte also schon vor der Verlängerung entschieden sein können. Für die Bayern.
*
Warum ich dies noch einmal aufzudrösele? Weil beide Pfiffe dennoch keine Fehlentscheidungen bedeuten, die von »meiner« Video-Hilfe revidiert werden könnten. Der Schiedsrichter hat ganz genau hingeschaut, ihm war die Sicht nicht verdeckt. »Gelb« für Thiago, Foul von Lewandowski, das sind die ihm zustehenden Ermessensentscheidungen, auch wenn das ganze Land anderer Meinung ist.
*
Das ganze Land? Diesmal minus Bayern-Fans. Damals, Stichwort »Wembley-Tor«, minus Lübke: »Der Ball war drin. Ich habe genau gesehen, wie er im Netz zappelte.« Lübke? Lübke? Liebe Kinder, liebe Ne… – nee! –, das war jener Bundespräsident, der bei einem Staatsbesuch in Afrika die Gäste mit dem legendären Satz begrüßt haben soll: »Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger.« Fällt mir nur ein, weil momentan die »Neger«-Diskussion wieder hochkocht. Aktuell mit der paradoxen Entwicklung, dass es nicht um »liebe Neger« geht, sondern um einen bösen Neger, den man auch so nennen darf. Vorname Thomas. Der Dachdeckermeister wirbt mit einem Logo, das einem … genau!… ähnlich sieht.
*
Der Opa vom bösen Neger, Ernst Neger, war einst  mindestens so bekannt wie Lübke. In »Heile, heile Gänsje«, seinem berühmt-berüchtigten Fassenachtslied, findet sich eine Zeile über das Leben, die ich gerne für alle zitiere, die mit Schaum vor dem Mund über Nichtigkeiten eifern: Brich nicht unter seiner Last, / Sonst wärest du ein Tor, / Und trag was du zu tragen hast, / Geduldisch mit Humor.
*
Wo war ich? Ach so: »meine« Video-Hilfe. Damit will ich lediglich»beweisen«, dass sie nicht als Beweis taugt, sondern nur als sehr taugliche Hilfe für den Schiedsrichter. Aber mit dem Thema bin ich durch. Bringt ja nichts. Ich trag’s geduldich mit Humor.
*
Haben die Bayern ihre elegante, brillante Dominanz verloren? Liegt es nur an der Vielzahl Verletzter, dass sie Fußball nicht mehr zelebrieren, sondern Fußball arbeiten? Oder täuscht der momentane Eindruck? Lernt die Eintracht heute wieder die wahren Bayern kennen? Gegen die nichts und niemand hilft – außer vielleicht ein Oka Nikolov im Tor?
*
Für nicht ganz Eintracht-Sattelfeste: Vor acht Jahren musste Nikolov in München den grippekranken Stammkeeper Markus Pröll vertreten, und er trieb Ottmar Hitzfelds Bayern schier in die Verzweiflung, die 38 Mal aufs Frankfurter Tor schossen, bei einem Großchancenverhältnis von 15:0 – und einem Endergebnis von null zu null. Also, Eintracht-Strategie: Hinten hält Kevin wie der alte Oka, und vorne hilft der liebe Gott, ersatzweise der liebe Alex.
*
Auch Zlatan »Scheißland« Ibrahimovic könnte helfen. Zeit hat er ja, nach seiner Vier-Spiele-Sperre in Frankreich. Das Land hat zwar nicht nur sprachlich das »Laissez faire, laissez aller« erfunden, aber wenn es um Nationalstolz geht, nimmt es übel und lässt nichts (durch-)gehen. Schon gar nicht einem bösen Buben, alter Schwede! Dabei wollte Ibrahimovic eigentlich Frankreichs Nachbarland preisen, hat aber die richtige Abkürzung um einen Deut bzw ein »eiß« verpasst: Schland!
*
Auch bei Magermodels will Frankreich kein »Laissez faire« mehr dulden. Sechs Monate Gefängnis drohen den Verantwortlichen von Model-Agenturen, wenn sie lebende Hungerhaken beschäftigen. Gemessen wird nach einem neuen Body-Mass-Index namens »Thigh Gap« die Lücke zwischen den Oberschenkeln. Nur zur Erklärung, nicht als Schlüpfrigkeit: Es geht um den »Thigh Gap« bei geschlossenen Oberschenkeln.
*
Als wir alten Jungs das Wort noch nicht gehört hatten, kannten wir aber schon die Maßeinheit für den »Thigh Gap«: »Da passt ja ein Laib Brot durch!« Für uns ein Alptraum, für manche Mädchen heute ein Wunschtraum. Um genderkorrekt zu bleiben: auch für manche Jungs. Fällt nur bei Skispringern weniger auf, wegen der gepolsterten Anzüge.
*
In diesem Zusammenhang: Erinnern Sie sich, welcher Witz von Mehmet Scholl den damaligen Bundestrainer Vogts angeblich dazu bewog, den frechen Kerl nicht zu nominieren? »Hängt die Grünen, solange es noch Bäume gibt«? Falsch. Richtig ist: »Kommt eine Schwangere zum Bäcker und sagt: Ich bekomme einen Laib Brot. Sagt der Bäcker: Sachen gibt’s . . . « (gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle