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Über viele Brücken konnt‘ man geh’n (WBI-Auflösung/drei Ringer)

»Nach einem gar nicht mal so – Achtung, Wortwitz! – ›zähen Ringen‹ meine ich, bei dieser Runde wieder alle drei Gesuchten erkannt zu haben«, schreibt Klaus Philippi (Staufenberg-Treis), und er hat sie auch erkannt, die drei Ringer aus unterschiedlichsten Epochen: Milon, Pasquale Passarelli und Werner Seelenbinder.
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Auch Karola Schleiter aus Florstadt hat »komischerweise, obwohl nicht unbedingt meine Lieblingssportart, nicht lange um die Antworten ›ringen‹ müssen«. Wobei »lange« relativ ist: »Wenn ich mitmache, gebe ich mir immer drei Stunden für eine Lösung« (Heinz-Jürgen Ruhl/Linden), bei Rüdiger Schlick (Reichelsheim – er war der Schnellste) ging es noch fixer, bei anderen »hat es quasi erst auf dem letzten Drücker ›Klick‹ gemacht (und dennoch keine drei Punkte »geklickt«), und viele, viele, die nicht den richtigen Einstieg fanden, nicht das richtige Zipfelchen zu fassen bekamen, gaben erst nach tagelanger Suche resigniert auf.
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Einige werden jetzt – »ach sooo!« – aufstöhnen, denn nicht nur bei Aufgabe B war »buchstäblich eine Brücke gebaut« (Paul-Gerhard Schmidt/Mücke-Nieder-Ohmen). Bei Aufgabe A gab es gleich mehrere »Brücken«, zum Beispiel die des progressiven Trainings. Theo Nauheimer (Buseck): »Offensichtlich muss ich einmal im Geschichtsunterricht nicht geschlafen haben. Mir war eine griechische Sage im Hinterkopf, wo ein Junge, der oft gehänselt wurde, beschloss, sich durch Training zu kräftigen. Dabei trug er ein Kalb auf den Schultern. Das Kalb wurde größer, der junge Mann kräftiger, schließlich trug er den Stier auf den Schultern. Milon, so der Name, im heutigen Crotone, Italien, die Heimatstadt meines Nachbarn, geboren, galt als Ringkämpfer für unbesiegbar.«
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Paul-Gerhard Schmidt geht über die Brücke: »Das Bauwerk, das vor 70 Jahren eine große Rolle gespielt hat, ist vermutlich die Brücke von Remagen, die Bedeutung erlangte beim Kampf der Allierten gegen Nazi-Deutschland im März 1945. Der gleichnamige Film reiht sich ein in eine Liste von Filmen mit dem Wort ›Brücke‹ im Titel (z. Bsp: Die Brücke am Kwai, Die Brücke von Arnheim oder einfach nur Die Brücke) – Die Brücke ist eine Verteidigungstechnik beim Ringen. Pasquale Passarelli baute im olympischen Finale von 1984 eine Brücke und hielt diese fast 90 Sekunden durch, so dass sein japanischer Gegner ihn nicht auf die Schultern zwingen konnte. Diese legendäre Aktion brachte dem Sohn italienischer Eltern den Olympiasieg.«
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Reinhard Schmandt (Pohlheim) würdigt den dritten Gesuchten: »Werner Seelenbinder gab der Werner-Seelenbinder-Halle in Ostberlin seinen Namen. Sie war seit 1950 eine der wichtigsten Berliner Sportstätten. Sie befand sich an der Paul-Heyse-Straße 26 in Prenzlauer Berg. Die Halle wurde 1992 abgerissen. Heute befindet sich auf ihrem Gelände das Velodrom und die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark. Werner Seelenbinder war ein erfolgreicher Ringer, gleichzeitig war er Kommunist und ein erklärter Gegner von Adolf Hitler, was er auch offen zeigte. 1933 wurde er erstmals Deutscher Meister. Bei der Siegerehrung kam es zum Eklat, Seelenbinder verweigerte den Hitlergruß. Dennoch durfte Deutschlands bester Halbschwergewichtsringer an den Olympischen Spielen 1936 teilnehmen. Seelenbinder wurde nur Vierter. Seelenbinder wurde Mitglied einer Widerstandsgruppe, die 1942 aufflog. Er wurde verhaftet und in mehreren Gefängnissen und Straflagern misshandelt und gefoltert. Schließlich verurteilte ihn der Volksgerichtshof Potsdam zum Tode. Am 24. Oktober 1944 wurde Werner Seelenbinder im Zuchthaus Brandenburg mit dem Fallbeil hingerichtet.«
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Diese 33 – eine stolze Zahl – WBI-Teilnehmer punkteten dreifach: Jost-Eckhard Armbrecht (Großen-Buseck), Helmut Bender (Linden), Dr. Sylvia Börgens (Wölfersheim), Thomas Buch (Friedberg), Beate Dachauer (Butzbach), Wolfgang Egerer (Rosbach), Werner Haaser (Gießen), Detlef Hartig (Nidderau), Ulrich Hermann (Friedberg), Peter Hett (Bad Nauheim), Doris Heyer (Staufenberg-Treis), Uwe-Karsten Hoffmann (Bad Nauheim), Andreas Hofmann (Bad Nauheim), Uwe Lemke (Wöllstadt), Dr. Paul Limberg (Linden), Theo Nauheimer, Dieter Neil (Großen-Buseck), Uwe Paulus (Biebertal), Klaus-Philippi, Walther Roeber (Bad Nauheim), Jens Roggenbuck (Staufenberg-Mainzlar), Heinz-Jürgen Ruhl, Karola Schleiter, Rüdiger Schlick, Reinhard Schmandt, Paul-Gerhard Schmidt, Jochen Schneider (Butzbach), Prof. Peter Schubert (Friedberg), Manfred Stein (Feldatal), Dirk Wentzel (Gießen), Klaus-Dieter Willers (Hungen), Ingrid Wittich (Mücke), Rainer Woltmann (Gießen). – Glückwunsch und: Respekt!
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Unter den 33 Gewinnern sind auch die neun Komplett-Punkter der ersten Runde, so dass die Spitze der Gesamtwertung unverändert bleibt. Die nächste Runde folgt im späten April, diesmal mit Zwei-Punkte-Chance.  (gw)
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(www.anstoss-gw.de/  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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