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Montagsthemen (vom 23. März)

Am Freitag der Integrations-Spieltag für Frauen (»Mach einen Strich durch Vorurteile!«), am Samstag der »Equal Pay Day« zugunsten unterbezahlter Bundesliga-Fußballer – fast jeder Tag ein gut gemeinter Aktionstag, da kommt unsereiner kaum noch mit und bringt so manches durcheinander.
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In welchem Jahr leben wir denn? 2015 ist das … »Geophysikalische Jahr«? Nee, nee, das war ja schon 1958. Für den Knaben damals geheimnisumwittert, faszinierend und unvergessen. Seitdem rauscht an ihm jedes Tages- und Jahresmotto vorbei, pro und contra was und wen auch immer, aber das »Geophysikalische Jahr«, es bleibt bestehen und wird niemals untergehen. Auch wenn der alte Knabe immer noch nicht weiß, worum’s da eigentlich ging.
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Zuletzt also, so ist es richtig, der Integrationsspieltag der Fußballer. Immerhin nicht so peinlich gut gemeint wie in den Neunzigern, als alle Bundesligaklubs aus ähnlichem Anlass fünf Minuten lang ohne Rechtsaußen spielten (ja, wirklich! Kein Fake!).
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Ach so, ja: Fake. Peinliches Bekenntnis eines groben Unterlassungsfehlers: Am Samstag habe ich in zwei Kolumnen (»Nach-Lese« im Feuilleton und »Sport-Stammtisch«) über Humor, Ironie, Humorfreiheit und Humor-Freisein geschrieben. Aber obwohl es zuvor schon seit Tagen in mir teils gelacht und teils ungläubig gestaunt hat, weil der – im Ironie-Prinzip recht platte, weil leicht durchschaubare – Fake-Fake von ZDF-Böhmermann bundesweit ernst genommen wurde (nur Varoufakis hat sofort verstanden!), vergaß ich, diesen meta-realsatirischen Beweis der Ironieunfähigkeit in den Kolumnen zu bejuxen, ein blöder Stockfehler (übrigens auch dieses ellenlang verschachtelte Satzmonster, wie ich beim Nachlesen feststelle, aber zugunsten der Echtheit der Kolumne bleibt es unbearbeitet, getreu meines ständigen Aktionstag-Mottos: No risk, no fun, aber nie fake).
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Ich bin halt kein feiger Butz und scheue sogar, des rasanten Themenwechsels wegen, nicht einmal die Peinlichkeit unterirdischer Namenswitze. Feigenbutz also, Vincent Feigenbutz. 19-jähriger deutscher K.o.-Schläger. Wird offenbar zum nächsten Tele-Box-Star aufgebaut. »Entertainment ist bei Vince garantiert«, sagt Promoter Kalle (der Sohn vom alten Wilfried) Sauerland. Kalle freut sich, weil der Butzbub seinen Gegner »systematisch zerstört« und mit doppelt gebrochener Nase ins Krankenhaus prügelt. Feigenbutz sei allerdings »nichts für Feinschmecker«, der Feinmechaniker-Azubi als Boxer also eher ein schlagkräftiger Grobmotoriker. »Er fängt sich auch was ein, aber was reinkommt, geht tausendfach wieder raus«.
Der Junge ist 19. Was er wohl mit 29 noch in der Birne hat?
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Meldung vom Samstag, eine für mich absolut unglaubliche: Der deutsche Kugelstoßer Thomas Schmitt, ein Physikstudent, verbessert seine persönliche Bestleistung von 19,07 schlagartig auf 21,35 m. Für die meisten Menschen nur erstaunlich, für mich außerhalb des Fassungsvermögens. Warum und wieso, dazu habe ich im Blog »Sport, Gott & die Welt« soeben  einiges geschrieben. Aber das wäre zu speziell, also zu langweilig für diese Kolumne. Wen’s interessiert, der mag bitte reinklicken. Ich möchte jedenfalls begeistert sein und glauben, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist, vor allem mit einer korrekten Männerkugel von mindestens 7,26 kg. No fake bitte!
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Manchmal fake ich mich aber auch selbst, unbeabsichtigt, vielleicht von Herrn Freud manipuliert. Bild von Blatter und Putin in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Bildunterschrift: »Potenztaten« … wie bitte? … »Putintaten« … häh? Erst bei dritten Lesen klappt’s: »Potentaten.«
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Auch beim griechischen Finanzminister hätte man genauer hinlesen sollen, dann wäre auch allen Nichtironikern ein Lichtlein aufgegangen: Varou…fak…is. Warum-fake-is? Darum. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle