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Montagsthemen (vom 16. März)

Aus dem Wust der unbeantwortbaren Fragen des Fußballs drängt sich eine nur scheinbar beantwortbare auf: Wie ist es bloß möglich, dass eine hoch überlegene Mannschaft zum wiederholten Mal nicht gewinnt und sogar froh sein muss, nicht zu verlieren, weil sie verzweifelt hilflos vorne anrennt, aber bei jedem der spärlichen Konter des limitierten Gegners in heillose Verwirrung gerät?
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Die Frage ist, siehe oben, nur scheinbar beantwortbar, denn die sich aufdrängende simple Antwort kann einfach nicht die richtige sein: Weil sie immer wieder tumb in diese Falle tappt, statt den vergleichsweise arg limitierten Gegner aus seiner Einigelung zu locken, ihn agieren zu lassen, um ihm dann mit ureigensten Fähigkeiten den Ball abzujagen und mit überfallartigen Kontern auszuspielen. Aber das kann einfach nicht die Antwort sein, da viel zu einfach und das Hirn bzw. die beiden Hirne der Mannschaft viel zu schlau. Nur – was ist die Antwort?
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Einfach zu beantworten ist dagegen die Frage, um welchen Klub es sich handelt. So einfach, dass sich die Antwort erübrigt. Was auch bedeutet: Zumindest die Fragestellung ist richtig. Und aus der ergibt sich auch die Paradoxie, dass demnächst das leichteste Spiel ansteht: gegen Bayern München. Aber zunächst erst einmal das schwierigste: gegen Juve. Die alte Dame kann es hinten noch viel besser als HSV oder Köln und ist vorne immer für ein Törchen gut. Kleiner Vorteil: Es tritt nicht die Dortmunder Bundesliga-Soma an, sondern der Champions-League-BVB.
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Vorne immer für ein Törchen gut: »unser« Alex. Trotz seiner ausgeprägten norddeutschen Nüchternheit kann Meier Lob und Zuwendung genüsslich auskosten. Er hat beides verdient, wohl wissend, wie wetterwendisch es zugeht, zumal in Frankfurt (aber nicht in dieser Kolumne, die ihre Meier-Lobeshymnen schon gegen frühere Anti-Meier-Pfiffe ansang).
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Keine – Vorsicht, Mode-Floskel – zwei Meinungen kann es bei Marc Stendera geben: Ein Juwel mit dem Potenzial, einmal genauso hell zu glänzen wie die glanzvollsten Namen der Eintracht-Historie. Er hat etwas, was andere nicht haben und auch durch größte Anstrengungen nie erreichen können. Es gilt die Fußball-Faust-Regel Goethes: »Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen.«
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Die Bakalorze jagen daher, was für sie erjagbar ist. Zum Beispiel scheues, flinkes Reus-Wild. Doch da reagiert Fußball-Deutschland wie die Tierschutz-Ultras von PETA. Wie also den Jagdtrieb in publikumsfreundlichere Bahnen lenken? Prima Idee: Mit vollem Anlauf den Schiedsrichter von hinten über den Haufen rennen. Das nimmt Deutschland nicht übel, sondern lacht sich schlapp.
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Wenn Fußball-Ultras übelnehmen, kann es ganz übel enden, siehe die Jagd auf RB Leipzig. Tradition gegen »Retorte«: Als Nebenspiel im Fußball mit einem gewissen Reiz, aber zu akzeptieren nur bei Einhaltung der Spielregel: Man muss sie nicht mögen, aber man darf sie nicht gewalttätig hassen. Bloße  Verachtung ist erlaubt, aber nur, wem bewusst ist, dass bei erhobenem Verachtungs-Stinkefinger ein paar Finger des Neids auf ihn selbst zurückweisen. Nur wer sicher ist, dass er keine Neidfinger hat, werfe den ersten Stein. Aber wie will er dann den Stein auch nur aufheben?
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Bremsenquietschender Themawechsel: Formel 1. Da ist ein deutsches Auto haushoch überlegen, ein deutscher Fahrer kämpft um den WM-Titel, was beides im vergangenen Jahr außerhalb der Motor-Szene kaum jemanden interessiert hat. Nun zuckelt ein Hessen-Bub im besten nichtdeutschen Auto hinterher, und Deutschland ist begeistert: Forza Ferrari! Keine ganz unangenehme deutsche Eigentümlichkeit.
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Lewis Hamilton bei der Siegerehrung zu Arnold Schwarzenegger: »Ich dachte, du bist größer.« Ein Irrtum, den jeder kennt, der schon einmal einen Prominenten  in natura gesehen hat. Da schrumpfen sie alle. Außer vielleicht Dirk Nowitzki. Schwarzenegger schrumpft besonders schrumpfig zusammen, denn er war schon immer kleiner, als sein Image vorgegaukelt hat, und er kommt jetzt auch noch in das Schrumpel-Alter, in dem die Zentimeter schnell wie die Jahre vergehen. Ich weiß, wovon ich schreibe.
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So, und heute fällt die Entscheidung: Hamburg oder Berlin? Wer darf gegen Boston verlieren? Eine andere Entscheidung ist am Samstag gefallen: Cathy Fischer scheidet bei »Let’s dance« schon in Runde eins aus. Schade, denn sie wollte »den Menschen da draußen zeigen, dass ich eine Frau bin, die nicht nur oberflächlich ist« (Quelle: »Welt«).
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Ihr Menschen da draußen, ich wollte euch heute auch beweisen, dass ich nicht oberflächlich bin. Jedenfalls nicht nur.  (gw)
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(www.anstoss-gw.de  gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle