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Freitag, 13. März, 17.45 Uhr

Erst beim Schreiben des Datums oben fällt mir selbiges auf. Freitag der Dreizehnte. Hat mich, da nur eigenem Aberglauben hörig, noch nie interessiert, bis auf eines: Kann es sein, dass es mehr Freitage die Dreizehnten gibt als andere Da…ten? Ist das wirklich der Plural? Glaube schon. Also noch einmal: Ist es rechnerisch überprüfbar, ob es manche Wochentage + Rang im Monat häufiger gibt als andere?

Ist ja auch egal. Mir schwirrt noch der Kopf, da vieles in ihm rumgeschwirrt ist, als ich den Sport-Stammtisch schrieb. Oder vieles in ihm rumschwirrte, als ich den Sport-Stammtisch geschrieben habe? Probleme mit der Zeitenfolge sind, glaube ich, ein typisch hessisches Problem.

Rumgeschwirrt: Erst lief es nicht so richtig, weil ich zu viel reinpacken wollte und überhaupt nicht in den Flow kam … noch mal unterbrochen: Der Flow beim Schreiben ist was Schönes: Hinsetzen, konzentrieren, und plötzlich geht’s los, man schreibt und schreibt, vergisst die Zeit, setzt den letzten Punkt und merkt plötzlich, dass zwei, drei Stunden vergangen sind, die einem wie Minuten vorkamen … Unterbruch Ende … ich kam also nicht in den Flow, sondern holperte vor mich hin, da klingelte das Telefon. SWR, Fernsehen. Natürlich ging es um Klümper. Warum interessiert sich niemand von denen für meine Meinung über den Urknall, die lockere Hand des Papstes, die Bonobos oder meinen progressiven Alttag? … Unterbrechung, Unterbrechung: Progressiver Alttag. Gestern, beim Schreiben der Kolumne für das nächste Senioren-Journal (erscheint morgen in zwei Wochen), hab ich einen tollen Flow erwischt. Es lief wie geschmiert, hat mir beim Nachlesen auch  noch gefallen und, was viel wichtiger ist: Meiner Chefin, die wo auch Seniorenjournal-Cefin ist, hat’s besonders gut gefallen, und die ist, neben dem Bub, meine schärfste Kritikerin. … Unterbruch Ende. Zum Telefonat. Kam natürlich zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt … “denkbar”, so was schreibe ich? Solch ein blödes Füllwort? Was soll das überhaupt bedeuten? …. schlechten Zeitpunkt, wg. des Nicht-Flows und des Holperns und des Rumschwirrens. Der Mann am anderen Ende der Leitung, sehr nett, aber erkennbar nicht mit dem Thema verheiratet, fragte, ob ich ein Gespräch fürs Fernsehen führen würde, schob aber gleich nach, dass er gehört habe, dass ich so etwas nicht gerne mache. Stimmt, sagte ich, und hätte auflegen sollen. Doch dann verwickelte er mich bzw. ich mich wider besseres Wissen und wider meinen Willen in ein ellenlanges Gespräch über Klümper und Doping (Art: Hintergrund, nur zur Information, Zitieren verboten) , wobei ich mich leider auch nicht daran hinderte, meine Außenseitersicht der Dinge von vorne bis fast hinten vorzutragen. Hat bestimmt über eine Stunde gedauert, und dann war ich so was von weit weg von einem Flow, dass ich die Kolumne nur noch zusammenholpern konnte – und hoffentlich nicht erkennbar zusammenstümpern.

In den Flow bin ich trotzdem gekommen. Beim Radfahren. Nicht mit dem E-Bike, sondern mit meinem ältesten Rad, naturstrampelnd. Bersch runner (ins Dorf), Bersch ruff (zum Sportplatz), Bersch runner (ins annere Dorf), Bersch ruff (zur Sporthalle), Bersch runner (ins eigene Dorf) und am Schluss ganz arsch berschruff zum eigenen Bersch. Geht doch noch! Und weil’s so schön lief, habe ich jetzt noch ein bisschen Blog geschrieben. Ebenfalls berschrunner, berschruff, berschrunner ….

Baumhausbeichte - Novelle