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Drei Legenden (“Wer bin ich?” vom 12. März)

Wir suchen drei Persönlichkeiten, deren sportliche Gemeinsamkeit nicht erwähnt wird, da sie den Weg zu ihnen allzu sehr erleichtern würde. Es sind Legenden des Sports, die sich ihren unvergänglichen Ruhm auf sehr unterschiedliche Weise erworben haben.
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A: Ich bin fünffacher Olympiasieger, aber unter den schon recht vielen fünffachen Olympiasiegern ganz sicher eine einmalige Erscheinung. Nicht nur, weil ich eigentlich noch viel mehr Olympiatitel gewonnen habe – aber die würden heutzutage nicht anerkannt, da seid Ihr leider ziemlich kleinlich. Nein, ich bin auch Dichter, Sänger, Autor und der Freund eines berühmten Philosophen, dessen Tochter ich geheiratet habe. Das wurde mir alles nicht in die Wiege gelegt. Als kleiner Junge war ich, wie die bösen Buben heute sagen würden, ein typisches »Opfer«, sie verdroschen mich regelmäßig, bis mir das zu dumm wurde und ich zu trainieren begann. Auf eine Art, die auch heute noch absolut »in« ist. Ihr nennt es »progressives Muskelkrafttraining«, ich würde es eher als »Vom Kalb zum Stier« bezeichnen, in einem doppelten Sinn.
Später gelangen mir auch außersportliche Höchstleistungen, zum Beispiel ruckzuck neun Liter Wein zu trinken. Damit wäre ich eine Sensation bei »Wetten, dass!?« Schade, dass es diese Sendung nicht mehr gibt, denn ich könnte sogar eine noch viel spektakulärere Wette anbieten: Wetten, dass ich eine Saite zum Platzen bringe, indem ich den Atem anhalte und die Stirnadern anschwellen lasse? Wer bin ich?
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B: Ich mache es kürzer als mein Vorredner, ich bin ja auch nicht fünf-, sondern nur einfacher Olympiasieger: In diesen Tagen wird wieder an ein Bauwerk erinnert, das vor 70 Jahren eine große Rolle gespielt hat. Das selbe und ein paar gleiche Bauwerke gaben auch Spielfilmen den Namen, mal mit, mal ohne Ortsbezeichnung. Auch mein »Bauwerk« wurde legendär – zwar hat mein Film nur in etwa so viele Sekunden wie die Spielfilme Minuten, aber für alle, die ihn gesehen haben, dauerte er gefühlte Ewigkeiten. Vor allem für mich. Wer bin ich?
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C: Auch mein Name wird oft mit einem Bauwerk verbunden, und zwar mit Bindestrichen. Ich bin allerdings kein Olympiasieger, sondern »nur« deutscher Meister. Aber immerhin sechsfacher. Zwar habe ich mich auch für Olympische Spiele qualifizierte, wurde dort aber nur Vierter. Die Anführungszeichen lasse ich dabei weg, denn es war wirklich leider nur ein vierter Platz – auf dem Treppchen wollte ich nämlich wieder das machen, wofür ich schon früher nach einer deutschen Meisterschaft gesperrt und verhaftet worden bin. Da wurde mir vorgeworfen, nicht »anständig« gehandelt zu haben. Für mich aber war und ist diese Art Anstand unanständig. Wer bin ich?
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Wie schon in der Jahres-Auftaktrunde sind auch diesmal wieder drei Punkte zu gewinnen. Erschwerte Bedingung: Einsendeschluss ist schon am 15. März.
Viel Erfolg! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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