Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Wolfgang Acker: Der große Zoff – oder die verletzte Eitelkeit

Vorab:
Andere mit Bier übergießen, das macht man nicht. Wobei es angesichts der Bierpreise in Fußballstadien auch als Wertschätzung interpretiert werden könnte.
In einer Gruppe Stoßdämpfertests an fremden Autos mit Insassen darin durchzuführen, zeugt nicht allein von Feigheit und wird sicher strafrechtlich zu verfolgen sein; sollte es zumindest.
Ohne weiteres Hintergrundwissen hätte man beim Lesen der Schlagzeilen und Überschriften zum Nachspiel der Maskerade der beiden Dortmunder Spieler nach einem Torerfolg vermuten können, der dritte Weltkrieg sei bereits ausgebrochen. Die Angelegenheit zwischen den Herren Klopp und Reif wurde jedenfalls derart hochstilisiert (oder doch hochsterilisiert?). Gelungen ist dies – die Proklamation des Krieges – glücklicherweise nicht.
Herr Reif (oder Reif-Ranicki, wie ich ihn zuweilen zu nennen pflege, warum auch immer) sollte sich und den Sachverhalt nicht derart hoch ansiedeln. Ich denke, dann kommt es auch nicht zu Anfeindungen in dieser – ebenfalls unangemessenen – Art und Qualität.
Er ist – in meinen Augen ein guter – Fernsehjournalist und Sportkommentator, der entsprechende Privilegien genießen darf und das auch schätzen sollte.
Na ja, manche solcher Vorteile, wie zum Beispiel den Besuch der gemischten Zone (Mezzo Mix, äh, Mixed Zone) nach Bundesligaspielen mit auswendig gelernten, stereotypen Antworten der Profis auf immer die gleichen Fragen kann man sich auf Dauer auch ermüdend vorstellen.
Also, ein wenig mehr Bodenständigkeit bitte, dann kommt es vielleicht zukünftig auch nicht zu solch hässlichen Zwischenfällen.
Zum Auslöser des Ganzen.
Vielleicht ist den beiden Spielern der Auftritt mit gewissem Abstand und hinzugewonnener Reife irgendwann sogar selbst peinlich (lasst sie noch spielen).
Nebenbei stelle man sich den Auftritt von Sportlern im Supermannkostüm in anderen Sportarten  nach dem Erreichen vergleichbarer Zwischenerfolge vor. Beim Radfahren nach gewonnener Sprintwertung, dem Schießgewehrskilaufen im klassischen Stil nach Abschuss aller Scheiben beim Ballern aus der Hüfte (kommt bei der Inflation der Wettbewerbe sicher noch) oder beim (Dreisitzer-) Wurstpellenschlittenfahren beim Einstellen des Startrekords. Oder lieber doch nicht.
Herr Klopp
hat wieder einmal fest alles richtig gemacht. Ich finde, für authentische Kommentare und Antworten, die zwar persönlich, aber nicht verletzend sind, sollte man sich nicht entschuldigen (müssen). Herr Klopp tat ‘s, des lieben Friedens willen, ok.
In diesem Sinne, machen Sie bitte noch lange weiter so, Herr Steines.
(Wolfgang Acker/Linden)

Baumhausbeichte - Novelle