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Sonntag, 8. März, 6.25 Uhr

Gestern abend die Venus, heute früh der Mond. Hell strahlen die Gestirne. Gestirne? Nee, sind ja keine. Aber schön. Ehrfurcht gebietend.

Wieder einmal versucht, Kafka näher zu kommen. Schon früh damit angefangen, etwa gleichzeitig mit Tom-Prox-Lektüre. Käfer & Co und so. Konnte aber schon damals wenig damit anfangen. Ich weiß, ich weiß, das gilt als geistig-literarisches Armutszeugnis. Gibt man nicht zu. Ich schon, morgens um halb sieben.

Diesmal also die Tagebücher. In der preiswerten 2001-Gesamtausgabe. Manche Tagebücher lese ich gerne. Alle von Kempowski, zuletzt Walser, davor Richter. Bei Kafka: mühsam. Zäh. Ab und zu zwischendurch ein Satz, der gut klingt, wie ein Kalenderspruch für Intellektuelle. Habe es jetzt aufgegeben.

Werde es aber wieder versuchen. Irgendwann geht Kafka vielleicht doch noch an mich.

Übergewechselt zu einem etwas anderen Autor, den ich aber gar nicht kannte: David Adams Richards. Angefangen, “Brennendes Eis” zu lesen, anscheinend oder scheinbar eine Art Thriller, liegt schon lange auf dem Nebenstapel der Bücher, nach denen ich nur bei großem Lektüremangel greife. Bin erst auf Seite 29, dort aber ein herrlicher, herrlicher Satz: “Scone lächelte, und zwar mit einer naiven Selbstverliebtheit, wie man sie allein bei Akademikern antrifft, und schüttelte den Kopf über die Verrücktheit der akademischen Welt, während er ganz genau wusste, dass er unkündbar war und jeder Gedanke, den er irgendwann einmal gehabt hatte, bereits von jemand  anders  als unbedenklich eingestuft worden war.”

Meine Gedanken zu Kafka sind alles andere als unbedenklich, und akademisch schon gar nicht.

Aber nicht nur bei Kafka habe ich schlimme Defizite. Auch bei einem anderen K-Wort mangelt’s schrecklich: Komputer (hoho!). Oder liegt es nur daran, dass mein Laptop spinnt? Die Lage: Alle paar Wochen macht er einen automatischen Update, obwohl er das gar nicht machen soll, jedenfalls habe ich den manuellen Update eingestellt. Nach diesem Update ist der Ton weg. Nach dem nächsten Update, Wochen später, ist der Ton wieder da, aber Firefox ist weg, abgestürzt, unreparierbar (für mich). Dann muss ich über einen anderen Weg ins Internet, wobei ein neues Phänomen auftaucht: Wenn ich über Firefox Mahjong spiele, bleibt das Level, auf dem ich anlange, erhalten, so dass ich am nächsten Tag darauf weitermachen kann. Über den anderen Weg (hab gerade den Browser-Namen vergessen) muss ich immer wieder bei Null anfangen. Wieso bloß? Seltsam. Noch seltsamer: Nach dem nächsten unerwünschten Update ist Firefox wieder da, aber der Ton weg. Strange new world.

Erste Bröckchen für die Montagsthemen: Warum so viele Sportlerinnen nach der Baby-Pause noch besser sind / 12:0-Sieg der Randalierer gegen die Polizei: Darüber kann ich mich immer nur kriminal ärgern (altes Wort von Hüsch). Zwölf verletzte Polizisten, null angekratzte Schläger! Singapur ist zwar kein Vorbild, aber etwas mehr Singapur könnte nicht schaden. Singapur light: Stöckchen für Deppchen / Nordseeradweg auf Arte: Notiz, dass die Serie am Wochenende aussetzt, aber heute (d. h. Montag) weitergeht / “Da kann ich ja nur lachen!” (Stevens). “Da lach ich mich kaputt!” (viele). Dann weiß man immer: Der lacht ganz sicher nicht! / Eventuell: Videospiele, Gewalt, US-Army.

Aber zuerst ein bisschen lesen. FAS, Samstags-SZ. Überhaupt, der Zeitungsstapel wächst mir über den Kopf: Aus letzter Woche ist noch ein ganzer Stoß vorausgewählt rausgerissener Artikel ungelesen, dazu kommen die komplette Zeit inklusive Magazin, das SZ-Magazin vom Freitag, die Literatur-Beilagen von Welt und FAZ, die große Beilage “Deutschland per Rad entdecken” aus dem ADFC-Magazin, und in den Spiegel habe ich überhaupt noch nicht geschaut, nur auf den Titel: “Konzentrier dich!” Schon ein paar Mal streifte mein Blick über die Titelseite: “Konzentrier dich!” Bis er heute morgen noch einmal streifte und den richtigen Titel erkannte: “Kontrenzier dich!”

Hübscher Gag. So etwas gefällt mir. Und damit Schluss mit dem Drei-K-Sonntagfrühstmorgenblog, der ein “das”  Drei-K-Sonntagfrühstmorgenblog ist, für mich aber der Blog mit den drei K Kafka, Komputer und Konzentration bleibt. Kontrenzier mich!

 

 

 

 

 

Baumhausbeichte - Novelle