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Montagsthemen (vom 9. März)

Doping im Fußball – was bringt das?, rauscht und rätselt es im Blätterwald. Und wir? Rätseln … nicht mit. Weil Doping genauso komplex ist wie der Fußball, Anabolika dort zwar unerheblich bis kontraproduktiv wären, andere Leistungsaufheller (für Kampfgeist, Konzentration und Ausdauer) aber über Sieg und Millionen entscheiden (können). Klar wie Kloßbrühe.
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Ständige Leser unserer Kolumne wissen, dass wir das Thema über Jahre, ja Jahrzehnte hinweg ausdiskutiert und, zugegeben, sogar ausgelutscht haben. Außerdem: Die Diskussion in Deutschland wirkt arg provinziell (Freiburg! Stuttgart!) im Vergleich zur Nicht-Diskussion in Spanien (Real! Barca!), wo die Beweislage (Fuentes-Papiere!) so erdrückend war, dass sie einfach unterdrückt wurde.
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Leichtathletik. Zur Hallen-EM rauscht nichts im Blätterwald, es säuselt nur  sacht. In einer Vorschau  las ich, dass einige deutsche Topathleten wie Robert Harting fehlen, weil sie nicht fit sind. Bei Harting könnte aber eventuell eine Rolle spielen, dass er Diskuswerfer ist. – Für nicht ganz Sattelfeste: Bei der Hallen-EM fehlte Harting, weil seine Disziplin fehlte. Nicht seine Trainings- und sonstige Disziplin, sondern die des Diskuswerfens  in der  Leichtathletik.
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In der Disziplin Reck der Sportart Kunstturnen (so, damit wäre eine kleine Besserwisserei doppelt abgehakt) fehlt in dieser Saison eine Attraktion, nachdem sich Andreas Bretschneider einen Achillessehnenriss zugezogen hat. Der Chemnitzer ist Erfinder eines neuen Flugelements, das derart schwierig ist, dass dafür ein neuer Wertungsgrad eingeführt wurde. Gab es bis vor knapp zehn Jahren den »C-Teil« als Nonplusultra und die »10« als unüberbietbare Traumnote, ist Bretschneider bei der nun nach oben offenen Wertung schon bei »H« angekommen. Leider vorerst ersatzweise nur auf youtube zu bewundern.
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Das Internet hat, um an die Kolumne vom Samstag anzuknüpfen, also auch seine guten Seiten. Um an die »10,0« anzuknüpfen: Die Schläger-Idioten konnten ihre Traumnote an diesem Wochenende in Stuttgart auf 12:0 verbessern. Zwölf verletzte Polizisten, null angekratzte Schläger! Darüber kann ich mich immer wieder kriminal ärgern (altes Wort vom alten Hüsch). Singapur ist zwar kein Vorbild, aber etwas mehr Singapur könnte nicht schaden. Wenigstens Singapur light: Schlagstöckchen für Schlägerdeppchen und eine Quote pro Polizei deutlich besser als das Bayern-Torverhältnis.
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Nur nebenbei: Allen Netz-Freiheitskämpfern, früher kurzzeitig als »Piraten« bekannt, die für totale Libertinage im Internet kämpfen und, zum Beispiel, Baller- und Totmacherspiele für ein harmloses Vergnügen halten, sollten sich freiwillig bei der US-Army melden. Dort gehört das harmlose Vergnügen zum Trainingsprogramm, um die angeborene Tötungs-Hemmschwelle der Soldaten zu erniedrigen. Wobei »erniedrigen« ein bewusst gewähltes Wort ist.
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»Da kann ich ja nur lachen!«, knurrt da der Anarcho-Nerd. Ist auch der Standardspruch von »Knurrer« Huub Stevens und wie ein anderer Fußballer-Standardspruch (»Da lach ich mich kaputt!«) eine aggressive Steigerung von »Da gibt es überhaupt nichts zu lachen!«
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Da lacht’s im »Blätterwald«. Ein in Zeiten des Internets seltsam altertümlich wirkendes Wort. Zumal das Baumsterben in diesem Blätterwald bedrohlicher ist als das im realen Wald. Klar wie Kloßbrühe? Auch so ein altvorderer Ausdruck, von mir oben gedankenlos hingeschrieben. Kloßbrühe ist doch das Gegenteil von klar, oder? – Überprüfung im (siehe »gute Seiten«) Internet: »Ursprünglich war ›Klosterbrühe‹ gemeint, die dünn, klar und durchsichtig sein musste, um Völlerei zu vermeiden.« Aha!
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Zu guter Letzt ein Beitrag zum Internationalen Frauentag. Marie Dorin Habert wurde fünf Monate nach der Geburt ihrer Tochter Biathlon-Weltmeisterin und ist damit das aktuelle Beispiel für schon viele Sportlerinnen, die als junge Mama ein erstaunliches Comeback feiern und sogar besser werden, als sie jemals waren. Soll was mit den Hormonen zu tun haben. Daher steht auch in manchem langfristigen Trainingsplan: Heute Schwangerschaft, morgen Baby, und übermorgen gewinnt die Mama Gold.
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Da lach ich mich kaputt? Na ja, nicht so richtig lustig, wenn ein Kind irgendwann einmal erfährt, dass es nur als Mittel zum Zweck geboren wurde. Aber das soll ja nicht nur im Sport vorkommen. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle