Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Montagsthemen (vom 2. März)

Die Dreifachbestrafung für die »Notbremse« bleibt. Obwohl … nein … weil die aufmüpfige UEFA den Änderungsantrag gestellt hat? Gleichzeitig schmettert die FIFA alle Wünsche auf Videounterstützung für den Schiedsrichter ab. Warum macht das der Weltverband? Aus dem gleichen Grund, aus dem sich der Rüde das Geschlechtsteil leckt: Weil er’s kann, darf und nicht daran gehindert wird. Ein »Pfui!« kümmert beide nicht.
*
Was sagt eigentlich Wolfgang Bosbach zur FIFA-Schande, zu der auch Katar gehört? Der sagt doch zu allem was, in jedem 30-Sekunden-Newsclip, in jeder Talkshow, diesen Tempeln der Logorrhoe? – Logorrhoe? Hübsche Definition bei Wikipedia: »Zwanghafter Drang, sich übermäßig verbal zu vermitteln.« Bei dem CDU-Politiker dachte ich gerade erst, demnächst wird er auch noch Jurymitglied in einer Castingshow. Kaum gedacht, schon ist’s geschehen: Bosbach saß am Samstag in der Miss-Germany-Jury, neben illustren Kollegen wie Reiner Calmund, Axel Schulz, Natascha Ochsenknecht und Motsi Mabuse.   – Fragen Sie mich bitte nicht, wer dieser oder diese Motsi ist.
*
Spielte Motsi beim BVB, wüsste ich alles über ihn (»sie« säße hinten bei den Spielerfrauen). Apropos: Warum gibt es keine Hinterfrauen, warum bleibt »Hintermann« einer der wenigen ungegenderten Begriffe? Weil das Wort auf dem Platz (»Vorsicht, Hintermann!«) und bei FIFA & Co. ausschließlich negativ besetzt ist? Wo bleibt da die Gleichberechtigung? Fragen Sie …  lieber gleich Wolfgang Bosbach.
*
Wenn Sie aber mich fragen: Die alte Borussia ist wieder da. 31:3 Torschüsse!  Bei Halbzeit unkte ich mir zu: Wer derart turmhoch überlegen ist und dennoch kein Tor schießt, verliert solch ein Spiel. Aber dann, aus dem herrlichen Liveticker des »11Freunde«-Magazins: »Schlimme zweite Halbzeit für Schalke. Oder wie Clemens Tönnies sie nennt: Schweinehälfte.« – Tönnies, der ehemalige deutsche Zerlegemeister. Sie wissen schon: Er hat mal sechs Schweineschultern in 65 Sekunden ausgebeint. In Dortmund aber hat Tönnies, hat Schalke seinen Zerlegemeister gefunden: 78 Minuten weichgeklopft und in acht Minuten zerlegt.
*
Entschuldigung, liebe Schalke-Fans, das war unfair nachgetreten. Mund abputzen, nach vorne schauen bzw nach hinten: Lüdenscheid liegt noch immer weit da unten in tiefster Liga-Provinz. Weiterer Zuspruch folgt am Ende dieser Kolumne.
*
Die arg bemühte Torjubel-Inszenierung von Aubameyang und Reus wird zum Sinnbild des Derbys hochgepusht. Ich ahnte es schon, als ich das kindische Rumkramen im Turnbeutel sah, und kann mich nur Marcel Reif anschließen: »Dafür bin ich zu alt.«
*
Der Liveticker des Fußball-Magazins »11Freunde« zu Batman/Robin: »Wird in die Geschichte des Peinlichberührtseins eingehen.« Dann, beim 2:0 von Henrich »Mikki« Mchitarjan, »verzichtet Mickey zum Glück darauf, sich als Maus zu verkleiden«. Und das aus dem Liveticker-Stegreif – Respekt, (11)Freunde!
*
Dennoch hatte die Szene auch etwas angenehm Anrührendes: Wie hölzern, spröde und ungeschickt der als Fußballer unvergleichliche Marco Reus dabei wirkte und später sein Interview-Verslein aufsagte, den hilflos flackernden Blick an Reporter, Mikrofon und Kamera vorbei ins Off schickend, als ob dort die Erlösung zu finden sei. Warum wirkte es auf mich angenehm anrührend? Weil’s mir ähnlich erginge?
*
Ich weiß die Antwort. Aber nicht auf die Frage, wie viele WM-Titel man im Skispringen und in der Nordischen Kombination gewinnen kann. Als Bub in Gold-Jörgli-Zeiten kannte ich die Antwort, ich hatte sie in der Volksschule gelernt: 1 + 1 = 2. Nordische Mengenlehre gab es noch nicht.
*
Zu guter Letzt Zuversichtliches für alle, die unter der Winter-Depression leiden. Ich habe an dieser Stelle und in dieser Jahreszeit schon einmal erwähnt, dass jeder Zehnte den »Winter-Blues« hat. Was angeblich nicht am Lichtmangel liegt, sondern an fehlenden Gerüchen, denn Winterdepressive sollen einen besonders empfindlichen Geruchssinn haben. Herausgefunden hat es ein US-Psychologe durch eine Patientin, deren winterliche Ehedepression immer endete, wenn tauender Boden den Duft faulender Blätter freigab. Liebste Zielgruppe, liebe Schalke-Fans: Es wird Frühling! (gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle