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Sonntag, 8. Februar, 11.45 Uhr

“Montagsthemen” geschrieben und gegrübelt, ob die eine oder der andere das “Wir” missverstehen könnte. Es ist weder pluralis majestatis noch modestiae, sondern Abmilderung des zu anklägerischen “Ihr doch fast alle!” Sicherheitshalber schiebe ich eine kurze Erklärung in Klammern ein, was mir aber kleinkrämerisch und die Leser unterschätzend vorkommt.

Dann kommt meine KKK-Dame rein und erzählt, was sie soeben im Radio gehört hat. Denn gestern abend saßen wir im Wintergarten und sahen durch die Panorama-Scheibe wieder einmal von oben, wie im Tal ein Blaulicht auf der Landesstraße in Richtung Hinterland flackert. Es verschwand im Wald, und hinter dem Wald sahen wir eine Reihe von roten Doppellichtern, an denen das Blaulicht, wieder aufgetaucht, vorbeiflackert.

Kommt auf der unfallträchtigen Strecke nicht selten vor. Meistens geht es glimpflich ab (nicht für manches Reh oder Wildschwein). Aber mancher Blog-Leser wird sich an die ähnliche Szenerie erinnern, nach der sich herausstellte, dass im Waldstück ein Motorradfahrer tödlich verunglückt war. Ein Ersthelfer hat es später erschütternd in der “Mailbox” geschildert. Wer mag, kann es sich herausgoogeln.

Heute früh also erfahre ich dann, dass ein Autofahrer von der Straße abgekommen ist, sich mehrfach überschlagen hat, aus dem Auto geschleudert wurde oder gestiegen sein muss und von zwei Autos überrollt wurde. Tot.

Wie belanglos sind da doch meine kleinstmütigen Bedenken wegen der Kolumne!

Jetzt habe ich im Internet nachgeschaut. Suchwörter “Krumbach”, “Fellingshausen” und “Unfall”. Gleich die erste Meldung angeklickt aus dem Online-Angebot einer Zeitung. Ich nenne sie nicht, denn die Kollegen können nichts dafür, das ist ein Fluch des Internets, nämlich das: Nach dem Anklicken taucht die Schlagzeile auf, mit großem Bild des Wracks, aber als ich anfangen will zu lesen, läuft plötzlich Manuel Neuer mitten aus dem Wrack-Bild auf mich zu (so was gilt wohl als genialer virtueller Effekt) und leiert seinen Werbetext für eine Versicherung ab. Das Ding ist nicht wegzuklicken, auch nicht die Werbezeilen auf Bild und/oder Text wie “XY macht mich bereit für Planung in Echtzeit” oder “Billiger Lanzarote-Urlaub”. Nur mit viel Mühe kann ich durch den Text lavieren. Ich beklage es nicht. Es ist nur so. So wie es ist.

Baumhausbeichte - Novelle