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Ohne weitere Worte (vom 3. Februar)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.

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Es erscheint einem ja fast wie ein Marketingtrick, dass jetzt jener Klub, der in den vorigen Jahren einiges zum wirtschaftlichen Wachstum und zum internationalen Ansehensgewinn der Liga beigetragen hat, am anderen Ende der Tabelle für gesteigerten Unterhaltungswert sorgt. (Süddeutsche Zeitung)

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Und was machen die Borussen? – »Wir erwägen, mit einer Wildcard nur am letzten Spieltag teilzunehmen und so überraschend Meister zu werden. Geht im Handball auch.« (aus der taz-Interviewserie »Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?«)

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Warum sind Fußballer anfällig für Suchterkrankungen? – »Weil viele von klein auf den Kick leben. (…) Fußballer suchen den ständigen Ausstoß von Adrenalin. Ist die Karriere dann zu Ende, oder hängt sie durch, dann suchen sie Ventile außerhalb des Spielfeldes.« (Frank Schneider, Direktor der Uni-Psychiatrie in Aachen, im Zeit-Interview)

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Bester Film: »American Sniper«. (…) Soweit ich weiß, geht es bei dem Film um Leute aus dem Westen, die zum Schießen nach Arabien fahren und dafür Ärger kriegen. Klingt doch sehr nach dem Trainingslager des FC Bayern. (aus »Ralf Husmann schreibt Oscar-Vorhersagen 2015« im KulturSpiegel)

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Da steht womöglich auch noch, ungeachtet der schon laufenden Debatten um mögliche Korruption und die Menschenrechtsverletzungen im Lande, einiges zu erwarten im Hinblick auf die Fußball-WM 2022 in Katar. Zum Beispiel ein mächtig aufgerüstetes katarisches Fußball-Nationalteam, womöglich Brasilien II. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

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680 Journalisten aus aller Welt (…) wurden zur Handball-Weltmeisterschaft in Katar eingeladen. (…) Sie mussten nichts zahlen für Flug und Unterkunft. (…) Es heißt, die Einladung (…) habe ihre Haltung nicht verändert, sie seien jetzt vielleicht sogar noch kritischer eingestellt. Muss man den Katarern also dankbar sein, weil sie den kritischen Journalismus befördert haben? (taz)

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»Eine psychische Erkrankung gilt mittlerweile im Leistungssport als etwas ziemlich Normales.« (…) – Sie würden betroffenen Fußballern raten, die Leiden öffentlich zu kommunizieren? – »Nein. (…) Generell gilt: Meine Gesundheit geht – genauso wenig wie meine sexuelle Neigung oder viele andere Dinge – niemanden etwas an.« (Schneider/Zeit)

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Wer sich umsieht, begreift schnell, warum Syriza (…) keine normale Partei ist. Da sind griechische Grüne, die noch so aussehen wie deutsche Grüne in den Achtzigern, mit fettigen Haaren, Startbahn-West-Verhinderer und lila gewandete Frauen vom Typ frühe Claudia Roth. Dazu linke Akademiker wie aus einer Zeichnung von Sempé, Trotzkisten, Marxisten, Anti-Antistalinisten oder Anarchisten mit randlosen Brillen und weißen Bakuninmähnen. (…) Außerdem Lesben und Schwule mit Regenbogenflaggen, Veganismusaktivisten, Tierschützer, Menschenrechtsfunktionäre und Gewerkschaftler. Fänden sich einige Hobbits aus Mittelerde hier ein, nähme ihnen auch jeder ab, dass sie Syriza wählen. (FAS)

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Die meisten, die hier warten, sind allerdings Normalos. (FAS)

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»Darf man über Hitler lachen? (…) Solche periodischen Anfälle von Hysterie kann man nur damit erklären, dass Hitler den Deutschen peinlich ist. Sie wissen, dass sie einem Mickerling auf den Leim gegangen sind. Und deswegen muss aus dem Würstchen eine dicke Salami gemacht werden, eine Bestie, ein Monster, dessen Blick Millionen in die Ohnmacht trieb. Deshalb mögen sie es nicht, dass Adolf Hitler ironisiert wird. Lieber machen sie (…) aus einem Furz einen Fackelzug, als dass sie zugeben, dass der ganze Fackelzug ein Furz war, der bis heute die Luft verpestet. (…) »Da hilft nur eines: (…) Aus der dicken Salami muss wieder ein Würstchen werden. Denn Ironie ist die schönste Waffe der Geschichte.« (aus: »Wir sind Adolf – Warum es den Deutschen gut tun würde, öfter mal Hitlerbärtchen und Seitenscheitel zu tragen« von Henryk M. Broder in der Welt)

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»Das Leere«, so hat Martin Heidegger es einmal ausgedrückt, »ist das Fassende des Gefäßes«. Vielleicht ist es aber einfach so, dass er einen ziemlich bösartigen Sprung in der Schüssel hatte. (aus dem SZ-»Streiflicht«) (gw) * (www.anstoss-gw.de  gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle