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Montagsthemen (vom 2. Februar)

Warum hassen uns so viele Griechen? Aus dem gleichen Grund, aus dem viele Deutsche den FC Bayern hassen. Warum wird Syriza in Griechenland bejubelt? Aus dem gleichen kurzlebigen Grund, aus dem VW/VfL Wolfsburg in Deutschland bejubelt wird.

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Ist die Gleichsetzung der linken Syriza mit dem machtkapitalistischen VW/Vfl ein besonders schiefes Bild? Theoretisch ja. In der Praxis: nein. Siehe Links-Rechts-Spagatkoalition in Griechenland. Und Heiner Geißler hat doch recht (Spätgeborene: bitte nachgoogeln).

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Hessen ist nicht nur für uns Hessen der Nabel der Welt. Wohin flieht ein verfolgter Grieche vor der totalitären Junta? Wo lernt er fürs Leben? Wo lernt er seine Frau kennen? Wo wird er von seinen Gastgebern großzügig gesponsort? In Gießen und Marburg! Und wer beißt die Hand, die ihn gefüttert hat?

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Wer sich als größter Griechenland-Fan unter mittelhessischer Sonne (na ja … Sonne?) fühlt, sollte lieber schnell zum Sport zurückkommen. Bundesliga. Vorne das Geldmacht-Duo, hinten die geballte Traditions-Machtlosigkeit, mit geballten Fäustchen nach oben drohend und nach unten ums Überleben kämpfend? Nee, nee, das ist nun wirklich ein schiefes Bild: Bayern München ist ein Traditionsklub und hat seinen Rang redlich (oder zumindest: legal) verdient, während die da unten nicht über des Geschickes böse Mächte, sondern über die eigenen Füße gestolpert sind.

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Nach den ehernen Regeln der Medienwelt weiß dieselbe nun ganz genau, was faul ist im Staate Bayern, den sie zuvor ergeben bewundernd auf Knien umrutscht hat. Falls das 1:4 kein Ausrutscher, sondern Beginn einer Schwächephase sein sollte, kommen – Wetten, dass!? – ebenso eherne Unterregeln zur Anwendung: Guardiola kein Trainergott, sondern ein zwanghafter Charakter, international ohne einen Messi zwangsläufig scheiternd (siehe Real-Pleite)? Auch moralisch zweifelhaft durch Doping- und Katar-Vergangenheit, die zuvor keine Rolle spielte (Stichwort aus der Samstags-Kolumne: selektive Wahrnehmung)? Kein Vergleich mit Triple-Heynckes? Sportlich mit einem alten, verschlissenen Duo (Alonso/Schweinsteiger) in neuer, schneller Zeit so anachronistisch wie deutsche Krimiserien im Vergleich zu den vergötterten amerikanischen? Frage an mich: Was meinst denn du? Antwort von mir: Was weiß denn ich?! Außer, dass die Wahrheit meistens in der Mitte liegt, im Fußball aber nirgendwo.

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Und schon gar nicht in Frankfurt. Spielt eine Halbzeit lang turmhoch überlegen,  verliert am Ende, na ja, zumindest häuschenhoch und imitiert in einem Spiel das, was der BVB in der kompletten Hinrunde vorgemacht hat. Wie geht das? Was weiß denn ich?!

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Dass Wolfsburg momentan im Stile des alten BVB spielt, muss man zähneknirschend zugeben. Dass man dort über 30 Millionen für einen gebrauchten Schürrle locker macht, lässt einen Kunstvermittler im U-Knast vor Neid erblassen – VW ist halt eine andere Hausnummer als Aldi.

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Und Katar eine andere als VW. Das Ländchen macht nur nach, was im Klubfußball schon lange die Regel ist und mich nicht mehr aufregt, der wahre Sport hin, die Ware Sport her. Die Handballer sind an ihren Regeln selbst schuld: Wer drei Jahre nicht für sein Land gespielt hat, darf für ein anderes antreten. Wenn die Fußballer noch etwas Regel-Kordel geben, wird Katar, der punktlose Gruppenletzte der Asienmeisterschaft, der Weltmeister von 2022 sein.

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Im Kaufrausch greifen sie sogar nach Schnäppchen aus der Ramschkiste. Zur Handball-WM kamen auch 680 Journalisten aus aller Welt. Auf Einladung der Gastgeber. Für lau. All inclusive. Nur ich halte den journalistischen Ehrenkodex hoch. Noch nie solch eine Einladung angenommen! Und noch nie eine gekriegt.

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Vielleicht sollte ich mich um die Fifa-Präsidentschaft bewerben. Macht ja fast jeder. Auch Luis Figo. Deutsch: Ludwig Feige. An dem bin ich schon früher verzweifelt: Was fanden die Frauen bloß an ihm, der aussieht wie ein Kartenabreißer am Karussell? War der Portugiese für sie der Fado in Person – zum Weinen schön? Auf dem Platz wirkte er bei aller Genialität oft wie seine Haare: pomadig.

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Aber er konnte auch anders: Mit blitzschnellem Antritt aufs Gaspedal fuhr er einst auf dem Inter-Trainingsgelände absichtlich eine schwarze Katze tot, die dem Mailänder Team Pech gebracht haben soll. Ludwig Feige, du feige … (XXX) Habe soeben ein paar Verbalinjurien gestrichen, die juristischen Ärger bringen würden. Nur das noch: Soo fies ist Blatter nicht! (gw) * (www.anstoss-gw.de gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle