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Ein “Dreipfünder” (“Wer bin ich?” vom 29. Januar)

Die Fußball-Bundesliga startet erst morgen, wir beenden die Winterpause schon heute. Kein lockeres Aufwärmen, kein leichtes Brot, sondern wir beginnen mit einem echten »Pfund«, einem Dreipfünder sogar, einem literarischen mit drei Texten, deren Autor jeweils gesucht wird.
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Da mittlerweile fast jeder irgendwann irgendwo veröffentlichte Buch-Text im Internet zu finden ist, habe ich verräterische Wörter und Sätze eliminiert bzw. umformuliert, so dass auch Suchmaschinen-Experten ihre liebe Mühe und Not haben werden. Hoffentlich!
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A: Hier geht es um Baseball, wobei der Ball zu Beginn etwa 70 Seiten lang in der Luft schwebt (das ist ein Tipp!): »Man denke nur an die bewegte Geschichte jeder Mannschaft und den Glauben und die Leidenschaft der Fans und wie diese Kräfte überall in der Stadt verflochten sind, man denke nur an das Spiel selbst, auf Leben und Tod, das dritte von drei Play-off-Spielen.« – Nach Spielende sieht man Kinder, »die landende Flugzeuge imitieren, mit ausgestreckten Armen«. Wie man sieht und liest: Alles schon mal dagewesen, selbst die Torjubel-Inszenierungen der heutigen Fußballprofis.
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B: »Ein Sportler spürt in der Regel keine innere Zerrissenheit oder existenzielle Angst. Mag sein, dass er an eine Flasche Bier denkt, oder an ein Mädchen oder auch einfach an sich selbst. Aber er ist mit Sicherheit nicht an seinem Gesprächspartner interessiert. Ihn zeichnet ein außergewöhnlicher Egoismus aus, denn er schaut nicht über die Ränder seiner Gefühle hinaus. Jahre des Trainings lehren, die Notwendigkeit, Zweifel und Ungewissheit und Selbsterforschung fahrenzulassen und sich für eine angenehme, selbstverherrlichende Eindimensionalität zu entscheiden, die im Sport unmittelbar belohnt wird.« – Wer nun glaubt, »selbstverherrlichende Eindimensionalität« sei eine derart singuläre, verräterische Formulierung, dass der Autor kinderleicht zu googeln sei, täuscht sich, denn beim Probe-Suchworteln stieß ich nur auf dieses Zitat von Tiger-Woods-Manager Mark Steinberg über seinen Golfer: »Jahre des Trainings haben ihn gelehrt, Zweifel, Ungewissheit und Selbsterforschung fahrenzulassen und sich für eine angenehme, selbstverherrlichende Eindimensionalität zu entscheiden.« Was erstens zeigt, dass Steinberg das Buch gelesen hat, und zweitens, dass freche Plagiate kein deutsches akademisches Copyright haben.
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C: Hätte ich nicht die Vornamen aussortiert, würde jetzt eine allzu leichte Aufgabe folgen. Die am wenigsten schwierige ist es immer noch – theoretisch: »Ich habe noch kein Auge zugetan. Dabei ist es vier Uhr früh. Aber was für ein Tag liegt hinter uns! Ein Tag, der uns das Unwahrscheinlichste, das nie Erwartete gebracht hat. Schmerzlich durchfährt mich der Gedanke, dass es nun bald aus ist mit dem kameradschaftlichen Zusammensein. Aus mit den unvergesslichen Tagen, die uns menschlich einander so nahe gebracht haben. Niemand hat richtig schlafen können in dieser Nacht. Haben wir denn überhaupt schon begriffen, was in diesen Tagen und Wochen geschehen ist?«
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Gefragt wird nicht nach Buchtiteln oder Protagonisten, sondern die Drei-Punkte-Frage lautet: Wer hat diese drei Texte geschrieben? Einsendeschluss: 3. Februar.  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle