Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Walther Roeber: Erstaunlich, wie sich die Sicht verändert hat (35 – 25 – 15 – 5)

Es ist schon erstaunlich, wie sich in den vergangenen Jahrzehnten die
Sicht verändert hat. Hat sich dabei auch die Optik des Zuschauers
verändert? Ich wage es fast zu bezweifeln. Aus verschiedenen Gründen
besuche ich zwar keine Veranstaltungen vor Ort, aber am Fernsehschirm
finde ich das immer stärker ausufernde “Werbe-Angebot” schon höchst
irritierend.

Wie das den Zuschauern im Stadion oder an der Strecke/Piste geht, kann
ich daher nicht beurteilen, aber ich könnte mir vorstellen, dass die oft
auch noch flackernden Lichtbanden in einem Fußball-Stadion durchaus auch
Einfluss auf die Besucher haben können… Die
Feld-Wald-und-Wiesen-Läufer/-Schützen auf den Kunstschneepisten sind
gegen die bunten Hintergründe manchmal kaum noch auszumachen, es fehlt
eigentlich nur noch die in den Schnee eingearbeitete Reklame für
“Heckler&Koch” oder sonstige Ausrüster; der Sprunghügel würde sich dafür
auch anbieten. Die Bodenflächen in Hallen sind inzwischen auch mit
Werbung bepflastert, wie rutschig wird das eigentlich auch ohne Schweiß?
Ob es auch noch Interessenten für die 5000m² Rasenfläche (oder gar
Kunstrasen!) geben könnte? Dann verpacken sich die Spieler noch in
Tarnmuster (so ähnlich wie QR-Codes oder Erlkönige), wir kehren zu den
Zeiten des Test-Standbilds im TV zurück. Wobei die Idee, Namen und
sonstige Details über zeitbeschränkte Lebensgefährtinnen am Schuhwerk
anzubringen (und mit Edding auszustreichen), zwar auf den ersten Blick
skurril erscheint, aber marketingtechnisch genial ist. Wer kann später
mal von sich behaupten, den kompletten Schweinsteiger-Lebenslauf (Name
austauschbar) anhand der Treter nachzuvollziehen? Wobei man einflechten
könnte, dass es sexistisch ist, die Freundin ständig mit Füßen zu treten…

Und nun was ganz anderes: Die Handballer, wenn auch kaum zu sehen,
leisten Erstaunliches (positiv), die Tennisspieler auch (negativ). Die
Ausschläge der Berichterstatter sind ebenfalls erstaunlich… oder auch
erschütternd. Da muss ich dem Kommentar in der Zeitung recht geben, was
sowohl die Reporter an Ort und Stelle von sich geben als auch die
schreibende Zunft verzapft, geht oft kaum noch auf die sprichwörtliche
(warum eigentlich?) Kuhhaut. (Walther Roeber/Bad Nauheim)

Baumhausbeichte - Novelle