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Montagsthemen (vom 12. Januar)

Als dem jungen Wolfsburger Fußballprofi Malanda zu Beginn der Saison zwei grotesk anzusehende Torverhinderungen unterliefen, mutmaßte ich mitleidig, das werde ihm einen vorderen Platz in den Youtube-Ranglisten der seltsamsten Fußball-Trotteligkeiten bescheren. Und wie das mit den Neuen Medien so laufe: Das mache ihn unsterblich, die Bilder, so meine Befürchtung, werden ihn ein Fußball-Leben, nein, sein Leben lang begleiten. Nachsatz damals: »Der arme Kerl.« Nachsatz heute: »Sein Leben lang« – wie belanglos diese Bilder geworden sind. Der arme Kerl
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Mit einem energischen Ruck zum Fußball-Alltag. Der unterscheidet sich von unserem Alltag dahingehend … also buchstäblich dahin gehend, wo es jetzt in exotisch-luxuriösem Ambiente angenehm warm und sonnig ist. Während wir uns manchmal als Sklaven unserer täglichen Arbeit wähnen, gibt es in Katar eine angenehme Begleiterscheinung, nämlich die, dass es dort gar keine Arbeitssklaven gibt. Zur Verifizierung fragen Sie den »Kaiser« oder, wenn’s Ihnen dabei übel wird, zu Risiken und Nebenwirkungen den Arzt Ihres Apothekers.
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Aber nur kein’ Neid auf die Fußballprofis. Sie sind jetzt ein paar Tage lang die wahren Sklaven. Menschenunwürdig, wie sie im Trainingslager schuften müssen! Da denke ich immer schaudernd an jenen Profi, der als gruseligen Beweis für die unmenschliche Härte des als Mega-Magath berühmt-berüchtigten Trainers Eduard Geyer dessen »Pyramidenläufe« anführte: »Man rennt dabei ohne Pause erst 20 Meter hin und her, dann 40 Meter, 60, 80, 100. Der jeweilige Rückweg darf nur 30 Sekunden dauern. Das bedeutet, dass man die 100 Meter fast genauso schnell zurücklaufen muss wie den Hinweg.« – Im Intervall bis 30 Sekunden auf 100 Meter? Fast so unmenschlich wie das Rekonvaleszenzprogramm einer Kardio-Gruppe!
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Kleine Abschweifung: Wer wird denn nun Welt-Fußballer des Jahres? Schwierige Wahl, denn Neuer hat so viele Tore geschossen wie Ronaldo verhindert. Im Ernst: Beide sind als grandiose Könner ihres Fachs genauso unvergleichlich, wie ihr Können nicht zu vergleichen ist. Scheinbar paradox, aber insbesondere  im Mannschaftssport das ewige Äpfel-und-Birnen-Problem derartiger Wahlen.
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Zurück nach Katar: Dort spielen demnächst unsere Handballer um die WM (was sie, im wahren Sport gescheitert, nur aus warensportlichen Gründen dürfen, aber das nur am Rande). Gespannt bin ich, zusammen mit Torhüter Silvio Heinevetter, auf Hendrik Pekeler. Heinevetter (für alle, die noch buntere den Sport-Seiten vorziehen: Das ist der Junge von der Thomalla): »Hendrik ist sehr wichtig für mich.« Nachfrage in »Sport-Bild«: »Warum?«  »Er ist groß, schnell und beweglich. Und er kann gut Skat spielen. Viele gute Skatspieler gibt es ja kaum noch. Mir gehen am Kartentisch die Mitspieler aus.«
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Wie wahr! Spät Geborenen sei erklärt: Das Skatblatt auf der Hand war früher im Mannschaftsbus das, was heute das Smartphone in der Hand ist. Und eine Null im Skat ist keine Flasche, sondern gut gespielt der Beweis wahrer Könnerschaft. Passt außerdem idealtypisch in moderne Zeiten: Mit nichts in der Hand groß auftrumpfen können.
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Da Biathlon – siehe Oberhof – in Nach-Neuner-Zeiten rasant an Attraktivität verliert, bietet sich dem urdeutschen Skatsport die Chance zu einem fulminanten Comeback im  Modernen Biathlon (wörtlich: Zwei-Kampf) im Duo mit jenem derzeit boomenden Fernsehsport, in dem dicke, alte Prolls mit Alkoholproblem Pfeile an die Kneipenwand werfen.
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Das dürfen mir die Darts-Freunde nicht krumm nehmen. Ist nur ein Spaß! Und Spaß, auch bös-ironischen, der  weh tun kann, den wollen wir in diesen Tagen und für alle Zeiten ja nun alle verstehen, verinnerlichen und nicht nur als papierenes Bekenntnis hochhalten. Mal sehen, welcher alte deutsche Schriftsteller Recht behält, Otto Julius Bierbaum (»Humor ist, wenn man trotzdem lacht«) oder doch Sigismund von Radecki: »Deutscher Humor ist, wenn man trotzdem nicht lacht.« (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle