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Dr. Sylvia Börgens zum Sonntagmorgen-Blog

Danke für Ihren durchaus verständlichen, reflektierten und auch selbstkritischen Sonntagmorgen-Blogeintrag. Jeder geistreiche Mensch – und das sollten Journalisten ja sein! – verrät gelegentlich seine differenzierte Sichtweise an einen boshaften Gag.
Mir geht die ganze sich selbst perpetuierende Aufgeregtheits-Maschine der veröffentlichten Meinung zunehmend auf den Keks. Deshalb halte ich mich z.B. auf Facebook extrem zurück. Zur Anmeldung hatte mich seinerzeit unser Sohn gebracht; jetzt, als Erwachsener, ist er selbst kaum noch aktiv!

Reinhard Mey hat das vor vielen Jahren im Lied “Bevor ich mit den Wölfen heule” zutreffend auf den Punkt gebracht:

“Und mir fehlt, um öde Phrasen, Abgedroschen, aufgeblasen, Nachzubeten jede Spur von Lust. Und es paßt, was ich mir denke, Auch wenn ich mich sehr beschränke, Nicht auf einen Knopf an meiner Brust.”
Das Internet bietet, um auch was Positives zu erwähnen, wirklich die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren. Ich habe z.B. dieser Tage, nach den furchtbaren Ereignissen in Paris, viel bei “Le Monde” gelesen. Das unbekannteste Opfer dieser Verbrecher – man sollte sie nicht Terroristen nennen, das adelt sie gewissermaßen mit einer wie auch verqueren “Weltanschauung” – war eine 26jährige, unbewaffnete Verkehrspolizistin, Clarisse, die gerade einen banalen Blechschaden aufnahm, als Amedy Coulibaly des Weges kam und sie “einfach so” in den Hals schoss, so dass sie binnen weniger Minuten verblutete. Wenn ich für mich einen Hashtag hätte, wäre es “Je suis la mère de Clarisse” (Ich bin Clarisse’ Mutter).
(Dr. Sylvia Börgens/Wölfersheim)

Baumhausbeichte - Novelle