Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Walther Roeber: Müller-WBI

Warum ich schon beim ersten Lesen dieses WBI eine Assoziation zu Wilhelm Busch hatte, bleibt ein ungelöstes Rätsel, auch wenn in »Max und Moritz« drei Handwerker auftauchen: Schneider, Bäcker und MÜLLER. Von drei Handwerkern schreiben Sie ja auch, wenn auch »Melker, Maurer und Weber« nicht die gesuchten Berufe waren; bei Maler/Weißbinder wären Sie wieder in die Tiefen der Etymologie geraten, denn da ist der Gebrauch der Bezeichnungen wohl stark regional geprägt. Aber auch so waren die Hinweise mit »M” schon fast wieder zu viel des Guten, so wie Sie bei der letzten Runde noch Karl May vor Einsendeschluss hinterhergeworfen und damit die Lösung sehr einfach gemacht hatten.
Sie werden wieder viele richtige (?) Einsendungen erhalten, darum fange ich mit der Lösung an und füge anschließend noch eine Reihe von Überlegungen an, die mich beim Zusammenstellen dieser Lösung begleitet haben.
A: Peter Müller, »dä Aap«, geboren 1927 in Köln(-Sülz), gestorben daselbst 1992 (-Bayenthal).
B: Gerhard »Gerd« Müller, geboren 1945 in Nördlingen, »der Bomber der Nation«, das Stadion in seiner Heimatstadt wurde 2008 umbenannt.
C: Ludwig »Lud« Müller, geboren 1932 in Wesel, »Held von Augsburg« und »Russen-Schreck«, weil er in einem Länderkampf an zwei aufeinanderfolgenden Tagen russische Langstreckenläufer über 5000 bzw. 10000 Meter besiegte und damit einen Leichtathletik-Länderkampf entschied. Übrigens gelernter Maurer…
Äh ja, da waren ja noch Kontrollfragen… Taschenrechner 1927 plus 1945 plus 1932 ist summa summarum 5804, keine rekordverdächtige Abweichung von 5800… Wenn man an Sportschützen denkt. Aber Bogenschützen sollten ja auch nicht ins Schwarze treffen.
Gemeinsamkeiten? Na, vielleicht dass es keine (?) bewegten Bilddokumente zu den vielleicht wichtigen Ereignissen gibt. Weder der K.O. von Peter gegen Pippow (wie sprach sich der Ringrichter aus – mit langem ›o’ oder ›off‹?), noch die sexistische Äußerung von Gerd zum Frauenfußball (Frau gehört an den Herd), noch die angeblich bei schlechtem Wetter errungenen Siege von Ludwig scheinen festgehalten worden zu sein. Die Zeiten sind dabei wohl nebensächlich.
Was »dä Aap« angeblich auf der Mundharmonika geblasen haben soll, darf politisch korrekterweise eigentlich nicht geschrieben werden. Es gehört nicht einmal zum Repertoire von Heino (Heinz Georg Kramm), der sich jetzt auch an anderem Liedgut vergeht, aber von Hause aus Bäcker und Konditor war und mal Fußball gespielt haben soll.
Dass Gerd vom demnächst Freigänger und seinem Verein »gerettet« wurde, ist schon fast Allgemeinwissen. Erstaunt hat mich beim Nachlesen, dass Bayern München in den Jahren seiner Aktivität »nur« vier Meistertitel gewonnen hat; gefühlt waren das mehr. Womit ich bei den Titeln von Ludwig lande und Ihnen die Aufgabe überlasse, die Angaben zu verifizieren: nach den Quellen war Lud 5-mal deutscher Meister (3000 m, 5000 m, Waldlauf, 3000 m Hindernis und Waldlauf-Mannschaft), an anderer Stelle fand ich die Angabe von 7 Meistertiteln. Da Peter 5 Titel im Mittelgewicht gewann (aber eigentlich nie »große« Titel), ist Ihre Angabe von 14 Meisterschaften eventuell nicht ganz genau…
Wohin war ich noch abgeschwiffen? Ach ja, Altig, Thurau, Merckx, Ullrich sind keine Berufe – hatten aber wohl große Herzen, Thomas M. hatten Sie im Sommer schon verarbeitet, Dieter Müller (Kaster) war und ist auch noch ein Rekordler – 6 Tore in einem Spiel; Schneider, Schreiner, Schuster, Zimmerleute (-männer) hätte ich auch noch im Angebot gehabt. Schornsteinfeger (er hieß so, also nicht politisch unkorrekt) Neger hat im Mainzer Karneval gesungen und Reinhard Mey glorifizierte den Beruf des Klempners. Damit genug der Albernheiten, aber es zeigt, wie Sie dem Bildungsauftrag der gedruckten Presse nachhelfen und »Klicks« im Internet (das an diesen Feiertagen und »zwischen den Jahren« schrecklich lahm ist) produzieren. (Walther Roeber/Bad Nauheim)

Baumhausbeichte - Novelle