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Ohne weitere Worte (vom 6. Januar)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Mit Ihren sportlichen Triumphen wären Sie möglicherweise heute ein noch größerer Liebling der Medien und Massen. – »Alles ist gut so, wie es ist und war. Es gibt nichts Schöneres, als nicht mehr in der Öffentlichkeit zu stehen, und man schwankend aus dem Lokal kommen kann, ohne dass man das am nächsten Tag in der Zeitung liest.« (Erhard Keller, Zahnarzt, zweifacher Eisschnelllauf-Olympiasieger und späterer Sportstudio-Moderator, im Welt-am-Sonntag-Interview)
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In der Halbwelt verwischen Grenzen zwischen links und rechts. (…) In der römischen Gesellschaft ist die Zugehörigkeit zu einem der beiden Hauptstadt-Fußballvereine längst ein wesentlicheres Unterscheidungsmerkmal als die Abgrenzung zum Faschismus. (die Journalistin Birgit Schönau in der Zeit)
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Der ewige Totti (…), mittlerweile in seiner 23. Saison bei der »Roma«, ist ein Idol in der Ewigen Stadt. (…) Oben auf dem Kapitolshügel sitzt seit einiger Zeit ein Bürgermeister, der für Fahrradwege und Schwulenehe wirbt. Den Regierungssitz im Palazzo Chigi nimmt seit Februar ein 30 Jahre alter Provinzpolitiker namens Matteo Renzi ein, der seitdem nicht müde wird anzuprangern, was alles faul ist im Staate Italien. Und im Vatikan? Regiert Franziskus, der zwischen Kuba und Amerika vermittelt und der den Kardinälen ihre Sünden vorhält. Alles ist im Fluss. Halt und Verlässlichkeit verspricht da nur ein Besuch im Olympiastadion. Denn dort spielt Totti. (Spiegel).
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Sie gehörten 1954 zu den großen Helden beim »Wunder von Bern«. Haben Sie eigentlich die Verfilmung des ersten deutschen WM-Triumphes im Kino oder Fernsehen gesehen? – »Ich habe nichts gesehen. Und ich möchte auch nichts zu tun haben mit dem ›Wunder von Bern‹. (…) Ich bin 1954 Weltmeister geworden, habe mir danach den Mund abgeputzt, das genügt doch.« (Hans Schäfer im Sport-Bild-Interview)
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»Meine Kinder (…) sollen wissen, dass ich nicht auf alles eine Antwort habe und auch manchmal Unsinn rede. Ich möchte, dass sie sich trauen, etwas in Frage zu stellen, was ich gesagt habe.« (Schauspieler Christian Bale im SZ-Magazin-Interview)
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In diversen Umfragen (…) haben sich zwischen 50 und 70 Prozent der Deutschen für die Abschaffung des Kapitalismus ausgesprochen. Ähnliche Werte erreicht der Wunsch, abzunehmen. (…) Es ist auffällig, dass beides (…) trotz dieser hohen Zustimmungsraten nicht gelingt. Es findet sich, auch und gerade im Kapitalismus, halt immer wieder etwas Leckeres im Kühlschrank. (Harald Martenstein in seiner Zeit-Magazin-Kolumne)
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Simone Thomalla (…). Über die angebliche Botox-Behandlung der 49-jährigen Schauspielerin sagt Carolin Kebekus Dinge, die nicht frech oder doppelbödig, sondern nur verletzend sind. Dumpf. Der Saal lacht trotzdem. Die olle Thomalla, scheinen die Frauen im Publikum zu denken, die keinen halb so alten Handballprofi zu Hause haben, der ihnen nachts die Füße wärmt: Die wird’s schon abkönnen. (Süddeutsche Zeitung über die »Komikerin der Stunde«)
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Eine europäische Flüchtlingspolitik existiert nicht. (…) Welche Unmenschlichkeit zeigt eine Europäische Union, die alle Einreiseformalitäten der Mafia überlässt? (aus einem Welt-Leitartikel von Dirk Schümer)
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Wer hoch hinaus will, sollte den Vorgesetzten imitieren. (…) Werden Sie Bayern-Fan, auch wenn’s schwerfällt. Schwärmen Sie für die Oper. Laufen Sie Marathon. Hauptsache, Sie finden eine Gemeinsamkeit mit dem Chef. (…) Direkt ins berufliche Aus dagegen führen Konflikte: Chefs mögen keine Sachargumente, die ihnen widersprechen. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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»Fragen sagen immer viel über die Journalisten aus, die sie stellen.« (Fotografin Herlinde Koelbl im SZ-Interview)
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Die Regel ist gleichsam die Bedingung für das Regellose, für all das Unerwartete, Zufällige und Spektakuläre in einem Spiel. Damit alles immer anders wird, muss die Regel gleich bleiben. (…) Selbst ein Foul setzt die Regel nur scheinbar außer Kraft, denn sobald es der Schiedsrichter ahndet (Rote Karte!), bestätigt er die Regel. So begrenzt das Reguläre das Irreguläre. (Zeit über die »Anarchie des abwegigen Balls«. – Ausnahmsweise mit weiteren Worten: Es wäre zu schön zu wissen, was Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus dazu sagen)
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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