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Montagsthemen (vom 5. Januar)

Drei junge Männer kommen auf die wahnwitzige Idee, des Nachts in Winterberger Wettkampfstätten einzudringen und die Rodelrinne runterzurasen. Dann unten der Traktor. Schlimm. In den Kommentaren überwiegt das Unverständnis, das Kopfschütteln. »Das haben sie nun davon!«, hört man aus Gesprächsfetzen heraus, nur selten spürt man empathisches Mitleid. Aber ist man nicht vielleicht selbst, in jungen Jahren, auf ähnliche, buchstäbliche Schnapsideen gekommen? Die armen Jungs.
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Passt zum Thema der Kolumne vom Samstag (Hoeneß, Reus und die Skispringer): »Sie haben hier wieder mal ein Thema beleuchtet, welches viele von uns durchaus beunruhigt. Der Umgang mit Menschen und Ereignissen sagt viel über den kritikwürdigen Zustand der Massen-Medien, aber auch über unsere Gesellschaft aus«, schreibt Heinrich Haas aus Rosbach. Der Leser bedankt sich »für Ihre immer interessanten, nachdenklichen und hintergründigen Beiträge. Sie sind für mich ein Grund (und kein unwesentlicher), die Tageszeitung auch in der Internet-Zeit weiter zu abonnieren. Nicht die aufgebauschten Schlagzeilen, das Schwarz/Weiß und die Übertreibungen sind das, was viele Leser suchen.«
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Dankeschön. Gegenstimme, speziell zu meinem Reus-Verstehen: Zwar »ein schöner Stammtisch«, aber »schön, weil er mal nicht nur Zustimmung verdient, sondern auch Widerspruch und Nachdenken anfordert. Während Sie eine gewisse Altersmilde zeigen, hält sich mein Mitleid in Grenzen«, mailt Walther Roeber aus Bad Nauheim.
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Die ganze Palette der Leserbriefe zu »gw«-Kolumnen – schon weit über 500 wurden ausgewählt – finden Sie in der Online-»Mailbox« mit vielen Anstößen, Anmerkungen und  konstruktiver Kritik. Danke dafür, aktuell neben den oben Genannten an Dirk Loburg, Dr. Hans-Ulrich Hauschild, Gerhard Merz (alle Gießen) und Horst Beisheim (Rödgen). Klicken Sie bitte rein!
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Noch mal zum Schwarz-Weiß-Denken: Die einen wollen alles Fremde raushalten, die anderen reinlassen, während die Schleuser-Mafia immer größere Profite macht, weil sie nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage immer mehr Menschen in immer größere Frachter verfrachten kann. 8000 Euro kostet die Fahrkarte – eigentlich ein wunderbares Startkapital in der Heimat, investiert aber nur in ein Los mit vielen Nieten und drohendem Totalverlust.
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Heikel. Lieber zum Sport und zu einer Vorkämpferin des Schwarz-Weiß-Denkens: Claudia Pechstein. »Man muss einen Killerinstinkt haben als erfolgreicher Sportler«, behauptet sie im »FAS«-Interview und kanzelt Schwächere ab: »Die strengen sich nur so lange an, bis sie im Flieger sitzen und irgendwo shoppen gehen können, da kennen sie alle Öffnungszeiten.« – Ich und altersmilde? In dem Fall gewiss nicht: Ich hoffe  sehr, dass solch hochmütiger Hochmut vor dem tiefen Fall kommt.
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Außerdem: Killerinstinkt ein Muss für den Erfolg? Nur ein Kann. Siehe Gegensatz-Paare wie Messi/Ronaldo oder Federer/Nadal. Und die Faszination des Skispringens liegt gerade nicht im Killerinstinkt gegen andere, sondern da kämpft jeder nur für und gegen sich selbst – und der Wetter-Gott gegen alle.
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Zurück zu Reus, Häme und Mitleid, Strafe und Gnade: Ihn nicht aus der Nationalelf zu werfen, kann auch durchaus Unrecht genannt werden – als weiteres Unrecht an Kuranyi, wenn man dessen einstigen Rausschmiss zum Maßstab nimmt. Ihn hatte Löw aus nichtigstem Anlass sofort gnadenlos eliminiert. Mit einem Fingerschnippen, denn Kuranyi war nur ein Wackelkandidat, Reus ist unverzichtbar. Aber Kritik am mittlerweile sakrosankten Löw, auch nachträgliche, ist ja seit dem 13. Juli 2014 gesetzlich verboten.
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Fußball. Lukas Podolski, hierzulande als schlichte rheinische Frohnatur be- und verkannt, wechselt seinen Amtssitz als bester deutscher Botschafter im Ausland von London nach Mailand. Podolski ist (herzens-)klüger, als sein Pausenclown-Image vorspiegelt,  er sammelt unverkrampft und unverstellt mehr Sympathien, als … wir vielleicht verdient haben?
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Oh, gleich ist Schluss, und ich habe noch nicht einmal mit einem meiner Lieblingsthemen begonnen, der in trainingsintensiven Individualsportarten undenkbar langen festtäglichen Trainingspause der deutschen Profifußballer. 17 Tage alleine beim BVB, der erst morgen ins überlebensnotwendige Wintertraining einsteigt. Aber darüber habe ich mich schon zu oft gewundert.
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Das Thema bleibt außen vor, während sich mir von außen ein sehr abseitiges aufdrängt: Was geschieht, wenn Dortmund (Start in Leverkusen!) in der Bundesliga weiter patzt, sich aber in der Champions League gegen Juve durchsetzt? Dann müsste, das weiß auch Klopp, mit der letzten nationalen Patrone der Trainer rausgeschossen werden (sorry für das martialische Bild). Wie wär’s dann mit der zweiteilig-zwiespältigen Lösung, beim spielenden Personal auch als Casillas-Methode bekannt und gebräuchlich: Ein rustikaler »Retter« löst Klopp ab, der bleibt aber Champions-League-Coach?
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Quatsch. Vergessen Sie diese Schnapsidee. Nicht vergessen sollte man und will ich aber diese Idee eines guten, ja des besten Vorsatzes für 2015, gestern gelesen bei der »FAS«-Kolumnistin Carolin Emcke: Mehr Geduld zu haben mit anderen (und auch mit sich selbst). Packen wir’s an, Altersmilde hin oder her. (gw)
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(www.anstoss-gw.de Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle