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Walther Roeber: Zu altersmilde?

Ein schöner Stammtisch, der da schon online steht. Schön, weil er mal
nicht nur Zustimmung verdient, sondern auch Widerspruch und Nachdenken
anfordert.

Ich versuche ein wenig in der Reihenfolge zu bleiben, aber da
Abschweifen vom Thema fast so eine Grundeigenschaft wie Schadenfreude zu
sein scheint… keine Garantie.

Schadenfreude liegt irgendwie ganz nah bei Neid. Darum liegt es wohl
nahe, dass – gerade wenn es um nicht ganz unbeträchtliche Beträge geht -
bei vielen Menschen diese Gefühle ziemlich stark werden. Ist das mit
Mitleid und Gnade vielleicht ebenso?  Für mich nicht, denn während Sie
eine gewisse “Altersmilde” zeigen, hält sich mein Mitleid in Grenzen.

Hoeness ist nach gerade mal einem halben Jahr schon Freigänger, hat
angeblich gut abgenommen – gut für die Gesundheit – und hat wohl die 28
Millionen bisher noch nicht bezahlt. Wenn er – oder jemand für ihn -
darüber noch ein Buch schreibt oder sonstige Tantiemen erzielt, da
braucht man keinerlei Mitleid zu haben. Eine Beschäftigung hat er sicher
auch bald wieder, der FC Bayern wird ihn sicher auffangen.

Reus gehört wohl in die Kategorie “dumm gelaufen”. Ich halte ihn nicht
für unintelligent, auch wenn er sich nicht so präsentiert oder ins
Rampenlicht stellt wie etliche seiner Kollegen, aber auch mit 18 sollte
ihm klar gewesen sein, dass eine “Fahrerlaubnis” eigentlich zum
Autofahren dazugehört. Und wenn es – wie ja berichtet wurde – einige
Male gut gegangen ist mit der Bezahlung von Bußgeldern, dann wäre er
doch in der Lage gewesen mit Privatlehrer (er hätte ja einen ganzen
ADAC-Übungsplatz mieten können) und psychologischer Hilfe gegen die
Prüfungsangst “irgendwie” in den Besitz dieses Kärtchens zu kommen. Es
so darauf ankommen zu lassen, das ist schon leichtfertig. Und mit
wachsendem Bekanntheitsgrad ist es jetzt natürlich noch schwerer,
unauffällig dieses “Versäumnis” nachzuholen, zumal natürlich jetzt
irgendwelche Paparazzi ständig auf seinen Fersen hängen werden und in
den Medien brühwarm darüber berichten werden, wenn er auf einem
Fragebogen ein Kreuzchen an der falschen Stelle macht – Fahren kann er
ja wohl.

Bleiben die Skispringer, die im Moment – entgegen wessen Erwartungen
Medien?-Öffentlichkeit?-Trainer?-, hinterher hüpfen. Himmelhoch
jauchzend, zu Tode betrübt, noch eine deutsche Eigenschaft? Wenn
allerdings die Trainer (Schusters Äußerungen im Sportteil von gestern
“desaströse Leistungen”) ihre Schützlinge(?) so in die Pfanne hauen,
dann ist Mitleid wirklich angebracht, zumal die Springerei bei teilweise
irregulären Bedingungen doch ein sehr hohes Risiko in sich trägt. Da
scheint ein nicht unbeträchtliches Maß an Verantwortungslosigkeit
mitzuspielen bzw. natürlich auch Druck von außen und finanzielle “Anreize”.

Womit noch die philosophische Ecke zu bearbeiten wäre… Mit den
Klitschkos habe ich auch keinerlei Mitleid; eine gnadenlose
Vermarktungsmaschinerie unter Ausnutzung körperlicher Vorteile (sicher
zum Teil auch erarbeitet) und jetzt mit Millionen abgesichert, da bleibt
es fast erstaunlich, dass auf dem Maidan nicht mal “der Neid”
zugeschlagen hat, denn da wäre  Vitali relativ verteidigungsschwach
gewesen. Die Schwarz-Weiß-Malerei hätte ich beinahe mehr bei Nietzsche
(aber kein Ausländer) oder Mark Twain angesiedelt, aber zu deren Zeit
gab es noch keine Fußgänger-Lichtzeichenanlagen… (Walther Roeber/Bad Nauheim)

Baumhausbeichte - Novelle