Archiv für Januar 2015

Dienstag, 27. Januar, 14.15 Uhr

Erst noch mal schnell das Datum oben korrigiert, aus „Juli“ „Januar“ gemacht. Da war der Wunsch Vater des Gedankens.

Da könnte ich jetzt auch vom bei diesem Wetter drohenden Katarrh nach Katar fliehen, aber solch einen armen Übergang leiste ich mir nicht mal im Blog. Morgen spielt also Deutschland gegen Katar. Wer kann sich reinen sportlichen Herzens darüber freuen? Na ja, Deutschland freut sich halb reinen Herzens, eine reine Hälfte ist stolz auf unsere Jungs, die andere schimpft, es sei ein Unding, dass bei Katar zwar Katar drauf steht, aber kaum ein Katarer drin ist. Dass aber ein Land ohne Landsleute gegen ein Land spielt, das sportlich ausgeschieden ist, gehört zur ganzen Wahrheit. Am schlimmsten daran ist nicht die Wildcard für Deutschland, sondern dass ein sportlich qualifiziertes Land aus schnöden unsportlichen Gründen einfach aussortiert wurde. Wie sagt dann auch Australiens stocksaurer Kapitän: Na, dann herzlichen Glückwunsch!

Schwierige Aufgabe für die nächste Ohne-weitere-Worte-Kolumne: Aus einem  Welt-Text von Henryk M. Broder einen Auszug von erträglicher Kolumnenlänge herausfiltern. Ich fange schon mal damit an: „Wir sind Adolf – Warum es den Deutschen gut tun würde, öfter mal Hitlerbärtchen und Seitenscheitel zu tragen.“ (Überschrift). Aus dem Text: „Darf man über Hitler lachen oder dürfen Komödien wie ‚Sein oder Nichtsein‘ von Ernst Lubitsch und ‚Frühling für Hitler‘ von Mel Brooks nur noch sittlich gefestigten Menschen  gezeigt werden, die vorher Auschwitz besucht und die Hitler-Biografie von Joachim Fest gelesen haben?“ –  Es geht natürlich um den Typen, der aus einer Organisation zurückgetreten ist, deren Name ich – ehrlich! – immer als „Pelikan“ lese. – Weiter mit Broder: „Solche periodischen Anfälle von Hysterie kann man nur damit erklären, dass Hitler den Deutschen peinlich ist. Sie wissen, dass sie einem Mickerling auf den Leim gegangen sind. Und deswegen muss aus dem Würstchen eine dicke Salami gemacht werden, eine Bestie, ein Monster, dessen Blick Millionen in die Ohnmacht trieb. Deshalb mögen sie es nicht, dass Adolf Hitler ironisiert wird. Lieber machen  sie (…) aus einem Furz einen Fackelzug, als dass sie zugeben, dass der ganze Fackelzug ein Furz war, der bis heute die Luft verpestet.“ – Herrlich. Unabhängig vom Thema: Furz und Fackelzug machen mich neidisch. – Ende des Textes: „Da hilft nur eines: (…) Aus der dicken Salami muss wieder ein Würstchen werden. Denn Ironie ist die schönste Waffe der Geschichte.“

Die Aufgabe, den hier schon gekürzten Text weiter einzudampfen, ohne am Kern zu kratzen, verschiebe ich auf nächste Woche. Meine zustimmende Meinung: es wird Zeit, dass ein Mann, der öffentlich den Arm hebt und Heil Hitler schreit, nicht mehr als Schwerverbrecher behandelt wird, sondern als Schweridiot vom Kaliber eines Mannes, der öffentlich die Hosen runter lässt und auf die Straße kackt.

Jetzt gehe ich, nach dieser Einstimmung, an letzte Feinarbeiten am Beltz-Geburtstagstext.

 

Veröffentlicht von gw am 27. Januar 2015 .
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Sonntag, 25. Januar, 6.50 Uhr

A – S – E – T sind am malträtiertesten, das E sogar schon wieder völlig zerfetzt. N geht noch, D und L glänzen noch fast reinweiß. So, wie ich die Texte mit zwei Fingern blind  in den Computer hacke, recht schnell und richtig hart, verblasst die Schrift auf der Tastatur, und wenn ich doch einmal auf die Buchstaben schauen muss, verwirren mich die schwarzen, abgeschrubbten Tasten derart, dass ich überlegen muss: Wo ist das E? Das T? Das S? Daher habe ich kleine, weiß Klebebuchstaben für die abgeschrubbten gekauft. Sieht seltsam aus, hilft aber. Nur das E geht mir aus.

Draußen Winter, ich glaube, sogar der unerschrockene FAS-Bote hat vor der eisglatten Bergauffahrt kapituliert. Ich kapituliere nicht vor den diversen Schreibaufgaben der Woche von Freitag bis Freitag: Nach dem Sport-Stammtisch die Montagsthemen und Ohne weitere Worte, dann eine neue WBI-Folge (Ja! Mit drei Punkten!) und schließlich wieder Sport-Stammtisch, dazu Mein progressiver Alttag für das Senioren-Journal, ein Beltz-Artikel zum 70. für das Feuilleton und die letzten Zuckungen für das So-wahr-das-Manuskript. Am meisten beschäftigt mich der Geburtstagsartikel, nicht nur wegen der Erinnerungen, sondern auch, weil mir derartige, quasi offzielle Texte schwerfallen.

Gestern wieder einmal im Classica-Sender reingeschaut. Auch dort eine Gedenkveranstaltung. Für Claudio Abbado. Beginnend mit Schuberts Unvollendete, ohne Dirigenten. Sehr bewegend. Dann liest Bruno Ganz „Brot und Wein“ von Hölderlin. Eine Zeile notiere ich. So wie ich sie verstehe ein erhabenes, erhebendes, bewegendes Lebens-Motto: Ein Eigenes suchen, so weit es auch ist. Heute früh schaue ich nach. So heißt es in Brot und Wein richtig:

 

Wunderbar ist die Gunst der Hocherhabnen und niemand

Weiß von wannen und was einem geschiehet von ihr.

So bewegt sie die Welt und die hoffende Seele der Menschen,

Göttliches Feuer auch treibet, bei Tag und bei Nacht,

Aufzubrechen. So komm! daß wir das Offene schauen,

Daß ein Eigenes wir suchen, so weit es auch ist.

 

Ja.

In den Feuilletons wird derzeit „Geist und Kosmos“ des amerikanischen Philosophen Thomas Nagel rezensiert, dass fundamentalistisch Wissenschaftsgläubige wie Dawkins zur Weißglut treibt, am liebsten würden sie Nagel einen Exorzisten auf den Hals schicken. Aus der „Zeit“: Tatsächlich, so Nagel, schauen die Naturwissenschaften  nur von außen auf das Subjekt, während ihnen die mentale Innenwelt, das geheimnisvolle Universum des Selbstempfindens, unbegreiflich bleibt. (…) So triumphiere mit dem Neodarwinismus eine falsche und “ ideologische Theorie über den gesunden Menschenverstand. Ich würde darauf wetten wollen, dass der gegenwärtige Konsens  in einer oder zwei Generationen lachhaft wirken wird.“ Da muss man nur noch hinzufügen, wie in der „Zeit“ weiter hinten:  Nagel argumentiert strikt als methodischer Atheist, das heißt, er zaubert nicht plötzlich die Gotteskarte aus dem Ärmel.

Ceterum censeo: Die Deisten der Religionen wissen, dass sie glauben, die Atheisten der Naturwissenschaften glauben, dass sie wissen, und ich weiß, dass ich nichts weiß. Nur dass, wer an den Urknall wissensglaubt, selbst nen  Knall hat.

Und damit zu den unwesentlich handfesteren Dingen: Montagsthemen. Auf dem Zettel bisher: Netzwerk/Mauscheln — HH, Tele, Sky — Klopp, Fitness — Sportlotterie, junge Sportler — Jeder glaubt, er sei besser als der Durchschnitt — Nobelpreis für Jesse Owens.

Packen wir’s an. Bis dann.

 

 

Veröffentlicht von gw am 25. Januar 2015 .
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Sonntag, 18. Januar, 17.25 Uhr

Nach Ende meiner Dienstfahrt als Chauffeur gleich ein herzliches Dankeschön an Rüdiger Schulz (Eintracht-Kenner wissen, wem der Dank gilt): Nicht nur ein Schreibhudelfehler ist bereinigt, sondern auch ein zweiter Klops, ein für mich Herzens-Donaldist sehr peinlicher: Donalds Urvater heißt natürlich nicht Banks (wie der ehemalige englische Torwart Gordon), sondern (Carl) Barks, einer meiner großen Allzeit-Helden.

Veröffentlicht von gw am 18. Januar 2015 .
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Sonntag, 18. Januar, 10.45 Uhr

Das hat geflutscht und Spaß gemacht (siehe „Montagsthemen“ in „gw-Beiträge Anstoß“ im Link rechts – das muss ich aus gegebenem Anlass immer wieder mal erwähnen; ist „meine“ Web-Seite so unübersichtlich? Dann müsste ich sie  ändern lassen). Auch schon schöne Mail von Dr. Sylvia Börgens da (siehe „Mailbox“): Der Jupiter war’s und nicht der Sirius. Dank auch an Walther Roeber, der vor möglichem Glatteis auf der Sauerlandlinie warnt – ich will dran denken.

Obwohl ich erst später am Tag zurückkomme, bitte ich die alten Blog-Hasen wieder um Korrektur-Lesen, damit ich nicht im Blatt wieder um Pardon bitten muss.

Andererseits: Ihr habt ja am Samstag bzw. Freitag ein bisschen mitversagt …

Weil’s so schön flutschte, bekam ich nicht alles in der Kolumne unter. Die Klopp-Aussagen zur Fitness bleiben aber aktuell, die werden nicht schlecht. Und den Finck hatte ich schon vor einem Jahr fast zur gleichen Zeit. Gibt dem alten Kopf zu denken.

Schnell noch ein Kompliment aus dem kleinen Mittelhessen in die große FAS-Welt: Die Titelseite heute ist genial, der zuständige Grafiker (oder wie der Beruf heute heißt) eine große Könnerin (oder umgekehrt; ist das genderkonform?). Jedenfalls will ich immer, wenn mein Blick auf die Titelseite fällt, den täuschend echten Stift mit dem Finger von der Seite schieben. Super gemacht.

Veröffentlicht von gw am 18. Januar 2015 .
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Sonntag, 18. Januar, 6.30 Uhr

Beim Gang zum Briefkasten (FAS schon da) über den hellen Stern am Himmel (so etwa ostwestlich, halbhoch) gerätselt: Sirius? Ist’s überhaupt ein Stern? Oder ein Planet, die Venus? Sterne strahlen flackernd, Planeten ruhig. Hab aber nicht darauf geachtet. Irgendwann einmal wollte ich mich am Nachthimmel besser auskennen, habe sogar einige populärwissenschaftliche Bücher gekauft (und gelesen), auch mal ein teures Fernrohr mit Stativ, aber das war gleichzeitig auch das Ende meiner astronomischen Karriere, denn schon nach ein paar Sekunden Fernrohrgucken wurde es mir ekelhaft schlecht, und das für Stunden. Schluss mit Astronomie, geblieben ist … nichts. Ich erkenne nur manchmal den Großen Bären oder Wagen (ist doch das Gleiche, oder?), vermute auch, dass, wenn der Mond am Horizont steht, der helle Stern in seiner Nähe kein Stern ist, sondern die Venus .. und das war’s dann auch schon. Oder ist es nicht die Venus, sondern der Sirius? Der große Hund? So heißt eines der Tagebücher von Kempowski und das Hundebuch, das ein SZ-Journalist unter Pseudonym in die Bestsellerlisten geschrieben hat. Ich fand die Idee ganz lustig, das Buch auf Dauer aber etwas ermüdend.

Der Große Bär. Einer meiner Lieblingswitze aus vorpubertärer Zeit: Junge und Mädchen nachts auf einer Bank. Er: „Ich zeig dir jetzt den Großen Bären.“ Sie: „Wenn du auch nur einen Knopf aufmachst, schreie ich!“

Beim Blogdahinschreiben merke ich wieder einmal, wie unclever meine Methode ist, das Internet als Schmierzettel, Warmschreibübung, Notizbuch und Stein(es)bruch zu benutzen, aber lange an den Zeitungskolumnen zu feilen. Umgekehrt wäre clever, denn im Netz bleibt es ewig, die Zeitung ist am nächsten Tag, Sie wissen schon. Na ja, da die Kolumnen im Link rechts („gw-Beiträge Anstoß“ und „gw-Beiträge Kultur“) gesammelt werden, hält ja beides ewig. Da kann man wenigstens den Unterschied erkennen. Manche behaupten sogar, das Unüberlegte lese sich interessanter.

In den Meldungen der Nacht überwiegen bei weitem die Anti-Karikaturen-Demos mit ihren bis jetzt zehn gezählten Toten, in weitem Abstand folgt der Weltrekordversuch des Papstes, der in gut einer Stunde beginnt. Ah ja, Moment, ich wollte ja über etwas nachdenken … was hab ich da gestern geschrieben? Mal kurz nachschauen …

Scheisse gebaut im „Sport-Stammtisch /  „Pardon“ schon länger „Titanic“, als Raider Twixx heißt / Raider zwar gleicher Inhalt wie Twixx, aber „Titanic“ nicht wie „Pardon“  / Unbehagen an heutiger Satire, auch an der französischen, die jetzt alle zu lieben vorgeben / heute zwischen Zaunpfahl und Vorschlaghammer, statt zwischen Feder und Bleistift / Unterschied ähnlich wie zwischen Mangas und Erika-Fuchs-Donalds / Beste Satire die, wenn die, um die es geht, gar nicht merken, dass es Satire ist / Christen, Papst, Spermafleck, Mordgedanken, mindestens Mordswut / Finck-Partei raussuchen.

…. da ist es. Wollte es in verkleinerter Schrift reinklinken, finde aber das Werkzeug nicht. Oder kann man das hier im Blog gar nicht? Egal. Also: Pardon, aber wie würden die zig Millionen beim Papst-Weltrekord reagieren, wenn sie das „Titanic“-Titelbild mit dem Spermafleck/Eigelb auf dem Kittel (Soutane?) sähen? Viele mit Mordswut, einige mit Mordgedanken.

Raider schmeckt zwar wie Twixx und Twixx ist ja auch Raider, aber „Pardon“ ist nicht „Titanic“ und schmeckt auch nicht so. In Gernhardt&Co-Zeiten merkten die satirisch Entblößten oft nicht einmal, dass sie karikiert wurden, da wurde mit der Feder scheinbar harmlos gestreichelt, heute mit dem Zaunpfahl gewinkt und mit dem Vorschlaghammer zugeschlagen. Aber plattes Draufhauen und draufhauendes Plattmachen gehören ja zum Stil der Zeit. Heute hat man ja auch seinen Spaß am groben Manga-Pinsel und nicht am Entenhausen des geistigen Ehepaars Banks/Dr. Fuchs. Und heute lieben wir die Grobform von Satire/Karikatur, so lange sie andere treffen soll, die gefälligst so tolerant zu sein haben wie wir es gerne wären.

Schönes Gegenbeispiel, Werner Finck, der 1950 eine neue Partei gründete, worüber sogar dpa berichtete. Das Textchen gehört zu einem größeren Projekt von mir, da muss ich es mir jetzt raussuchen, also noch mal bitte einen Moment …

… ich finde es nicht. Dachte, ich hätte mal im Blog eine „So wahr das“-Materialsammlung gebracht. Ich suche nachher noch mal, hebe es mir für die „Montagsthemen“ auf. Darin nach jetzigem Stand auch: Nascar-Killer und Bruce Jenner / Klopp-Interview und Fiutness / Handball, ARD/ZDF, Sky und das Mini-Team. Dalli, dalli, denn dann geht’s bzw. fährt’s wieder einmal ins bergige Bergische. Bis dann.

 

Veröffentlicht von gw am 18. Januar 2015 .
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