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Ohne weitere Worte (vom 23. Dezember)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.

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»Wenn mir das einer zu Beginn der Saison gesagt hätte, den hätte ich in eine Nervenheilanstalt einliefern lassen. Aber es ist scheinbar alles möglich im Leben. Wie man sieht mit Marco Reus, der sieben Jahre ohne Führerschein fährt.« (Franz Beckenbauer in seinem Job als Sky-Experte über die Situation bei Borussia Dortmund)

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»Wenn ich Dortmund sehe, denke ich immer: Pep, das kann uns auch passieren. Borussia ist eine super Mannschaft mit einem tollen Trainer. Aber wenn ihnen das passieren kann, dann auch uns.« (Pep Guardiola, zitiert in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)

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Was bedeutet Ihnen das Autofahren? – »Jungs wie ich lieben neben dem runden Leder alles, was vier Räder hat und schnell unterwegs ist. Wir wollen derart Gas geben, dass kein Weg an uns vorbeigeht.« – Sie sagen »Jungs wie ich«? – »Stimmt, manchmal fühle ich mich noch wie ein Zwölfjähriger.« – Wie waren Sie denn wirklich als Zwölfjähriger? – »Als Kind hatte ich unheimlich viele Spielzeugautos.« (taz in einem fiktiven Interview mit Original-Zitaten von Marco Reus)

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Reus (ist) alles andere als ein Großkotz. Von ihm heißt es eher, er sei auf eine schüchterne Art bescheiden. Reus ist einer, der so verhaltensunauffällig ist, dass er unter dem Radar durchtaucht. Einer, den man nicht wirklich kennt, der nach Spielen entweder gar nicht spricht oder leise oder mit ungeübter Stimme. (…) Reus hat mehr Facebook-Freunde als sein früherer Kollege Mario Götze (…). Erstaunlich, dass sich junge Menschen mit einem Mann ohne Eigenschaften im Internet offenbar besser identifizieren können als mit einem Star, der weltgewandt durch die Interviewzonen tingelt oder Interviews schnöselig verweigert. Reus ist everybody’s darling bei denen, die schüchtern sind und die Unauffälligkeit suchen. (Süddeutsche Zeitung)

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90 (!) Änderungen hat Klopp in den 23 Startelf-Formationen dieser Saison schon vorgenommen – Eine wahnsinnige Zahl. (Sport-Bild)

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Marco hat keine Model-Freundin wie die Mehrzahl seiner Arbeitskollegen. Die Realschule hat er leidlich zu Ende gebracht, die Ausbildung zum Industriekaufmann soll er abgebrochen haben. (…) Manche in Dortmund sagen, dass Reus extreme Prüfungsangst zu schaffen mache. (…) Vielleicht (…) könnte das auch erklären, dass er in seinen beiden Endspielen – dem Champions-League-Finale 2013 und jenem um den DFB-Pokal 2014 – so schwach wie selten gespielt habe. Endspiel ist wie Prüfung. (Süddeutsche Zeitung)

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Wenn der Verband die Rolle seiner Elitekicker als Repräsentanten des Fußballs und Vorbilder für die Jugend weiter ernst nehmen will, dann muss er Reus auch bei der Nationalelf aus dem Verkehr ziehen. (Frankfurter Allgemeine Zeitung/ausnahmsweise mit weiteren Worten: Aus dem Verkehr gezogen werden sollten  Pharisäer und gnadenlose Schriftgeleerte/kein Druckfehler)

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Die Einsamkeit, die hinter so einer Karriere (…) zu gähnen scheint, kann einen allerdings erschaudern lassen. (SZ zum Fall Reus)

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»Persönlichkeit entwickelt sich besser, wenn man an Grenzen stößt, wenn Leute dir auch mal sagen: Halt’s Maul! Wenn alle dir nur applaudieren, musst du ja ein Arschloch werden.« (Graf Alexander von Schönburg, Autor und Bruder u.a. von Gloria von Thurn und Taxis, in der Zeit-Magazin-Serie »Das war meine Rettung«) (gw) * (www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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