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Sonntag, 21. Dezember, 6.45 Uhr

Brrrr. Beim Gang zum Briefkasten in die dunkle, kalte Nacht gefroren. Für die Jahreszeit mag es zu warm sein, für mich ist es frühstmorgens noch definitiv zu kalt.

Definitiv. Auch so ein Modewort. Nur damit ich es als Modewort brandmarken kann, habe ich es hier hingeschrieben. In die Kolumne kommt mir so was nicht.

Brandmarken. Schönes bildhaftes deutsches Wort. Obwohl es wahrscheinlich aus der Cowboysprache kommt. Aber ein Sprachbild, das jedem sofort klar ist. In meinen ganz frühen Western wurde ja oft gebrandmarkt. So schön das Wort, so fies die Tat. Zwar gab es damals die Tierschutz-Diskussion noch nicht, aber ich musste mir schon die Ohren zuhalten, wenn das arme Pferd gebrandmarkt wurde: Zzzzschschschiiischschsch.

Zzzzschschschiiischschsch, das ist onomatopoetisch. Das Wort habe ich mir gemerkt, weil es so schön auszusprechen und fast selbst schon onomatopoetisch ist. Mal durchzählen: 16 Buchstaben in sieben Silben, ist das Wortweltrekord? Falls nicht, kann es nur am Schluss der Tisch vermasselt haben mit seinen elend vielen fünf Buchstaben.

In den Meldungen der Nacht taucht das Dallas-Spiel noch nicht auf, ich suche im Internet … aha … knapp gegen San Antonio gewonnen. Ellis 38 Punkte, Nowitzki 13. In unseren deutschen Meldungen von Nowitzki-Spielen wird seine Leistung immer an den Punkten gemessen. Dabei ist er vielleicht noch wichtiger, wenn er weniger punktet: Wichtigstes Ziel des Gegners  ist meistens, ihn aus dem Spiel zu nehmen, sie konzentrieren sich auf ihn, was anderen Freiräume gibt. Dann macht eben Ellis 38 Punkte, und Nowitzkis 13 Pünktchen spielen am Schluss auch noch eine wichtige ergänzende Rolle.

Zu den dpa-Meldungen der Nacht gehört eine aus den USA, die nach “Mann beißt Hund” klingt: Ein Schwarzer erschießt zwei Polizisten. Einfach so.

Echte Meldung der Nacht: Neue Geschäftsidee in Berlin, ein Studio wurde eröffnet, in dem man in der Mittagspause ein Nickerchen machen kann. 20 Minuten Powernapping kosten acht Euro. Und ich habe mal gedacht, als ich vor einiger Zeit eine Folge meiner Lieblingskrimiserie sah und “Sputnik” als Running gag und Sidekick wieder einmal eine neue Geschäftsidee hatte und eben ein solches Nickerchen-Geschäft eröffnete, das sei nun doch ein bisschen arg überzogen. Die Realität ist nun mal von der Phantasie nicht zu übertreffen.

In acht Minuten ein Nickerchen machen … daraus einen Gag zu machen, traue ich mich nicht.

Ich traue mich nicht? Da denke ich sofort an eine der schlimmsten Szenen der Kindheit: Ich hatte einen Luftballon, war unbändig stolz, denn – ja, liebe Kinder, gebt fein acht! – das war ein seltenes, ein für mich  unglaublich tolles, ein luxuriöses Spielzeug. Zwei ältere Jungen pieksten nicht ihn, sondern mich an: Du traust dich nicht, dich draufzusetzen, wetten!! Ha! Ich und nicht trauen! Ich wusste genau, was die Kerle wollten, aber ich wollte auch nicht als Feigling gelten. Setz mich drauf. Knall!

“Knall” ist nicht onomatopoetisch. Gibt es überhaupt ein lautmalerisches Wort für einen Knall? Ist “bumm” lautmalerisch?

Wer ist die ewige Onomatopoesie-Königin? Klar, Dr. Erika Fuchs. Weiß jeder, der sie kennt. Wer sie nicht kennt, hat Pech gehabt. Echtes Lebenspech.

Ich trau mich nicht? Wegen des Nickerchens? Ist das ein Homonym? Nee. Homonyme, das sind gleichartig geschriebene  Wörter für unterschiedliche Begriffe. Wie “Bauer” (Landmann und Vogelkäfig). Wie heißt das Fachwort beim Nickerchen? Gleichlautend, aber unterschiedlich geschrieben? Und das auch nur, wenn man Hesse ist? Allophon? Nee. Hab’s vergessen. Obwohl in meinem Hinterkopf rumort, dass ich mir diese Frage schon mal gestellt und in einer Kolumne auch beantwortet habe.

Apropos. Die “Montagsthemen” warten. Schluss mit albern. Bis dann.

 

7.30 Uhr:

Ha! Homophon!

Hat mir keine Ruhe gelassen. Fündig geworden in einem “Anstoß” von mir vor fünf Jahren:

…  ein Spezialgebiet der Fußball-Wissenschaft: das von Heinz Erhardt genannte »Rasenspiel«. Wie schaffen es die Platzwarte bloß, diese akkuraten Streifen in den Stadionrasen zu mähen? Sieht ja fast so aus, als würde in den abwechselnd dunklen und hellen Streifen verschiedenfarbiges Gras wachsen. Stimmt natürlich nicht. Aber wie mäht man das, damit’s so aussieht?   *   Mäht man überhaupt? Tun das nicht Schafe? Leicht verunsichert, schlage ich im Duden nach. Ja, klar, beide mähen. »Mähen« gehört zu den Homonymen: Gleichnamigkeit bei unterschiedlicher Bedeutung (wie bei »Bauer« = Landmann/Vogelkäfig).   *   Aber was ist der Unterschied zwischen Homonym (gleicher Name) und Homophon (gleicher Ton)? Wenn ich in der Diskussion über Manager-Gehälter jetzt immer öfter vom sportlichen Vorbild des  »Sellerie-Cups« höre und mich darüber wundere, bis ich’s geschrieben (»Salary-Cap« = Gehaltsobergrenze) sehe – ist das nun homonym, homophon – oder nur dumm?   *   Ah, hab’s kapiert: Als Heinz Mägerlein einst bei einer Ski-Übertragung die legendäre Behauptung wagte, die »Zuschauer standen an den Hängen und Pisten«, war dies ein Homophon und kein Homonym, denn die mutwillige Verwechslung ist nur durch gleichen Ton, nicht durch gleiche Schreibweise möglich.

 

Baumhausbeichte - Novelle