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Dr. Hans Ulrich Hauschild: Es bleiben miefige Hinterzimmer

Warum sollen Sie dieses schöne, wenn auch äußerlich überholte Sprachbild nicht verwenden? Weil Herr Merz es vorschlägt? Natürlich trifft es metaphorisch die auch von maßgeblichen (gibt es die überhaupt noch?) Politikern beklagte Entmachtung der Parlamente, ihre Abdankung vor der Macht und den Einflüssen informeller Grupierungen, der übergroßen Bedeutung der Lobby. Schon in den 60er Jahren hat sich die Politikwissenschaft mit dem Thema der »informellen Machtausübung« beschäftgt. Ich kann dergleichen auch nicht mit Humor nehmen, denn dafür steht viel zu viel auf dem Spiel: nicht weniger nämlich als die Aushebelung der schönen Formulierung des Grundgesetzes »alle Macht geht vom Volke aus«. Von wegen. Von dem – repräsentiert durch den Bundestag z.B. – geht ausweislich der Klagen seines Präsidenten schon lange gar nichts mehr aus. Mögen die Hinterzimmer aus Glas und klimatisiert sein, es bleiben miefige Hinterzimmer, selbst wenn Geburtstagseinladungen für Bankchefs im lichtdurchfluteten Kanzleramt stattfinden. Ob es in Gießen informelle Machtausübung gibt? Raten Sie einmal. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

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