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Das war’s (2./April – Juli/Anstoß vom 18. Dezember)

Mit Splittern aus »gw«-Kolumnen in drei Teilen durch das Sportjahr 2014 – unsere traditionelle »Das war’s«-Collage mit Beobachtungen am Rande zwischen Skurrilem und Anrührendem, Spaß und Ernst (Teil 2: April – Juli)

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Von wem und woher kam das Geld auf dem Schweizer Konto, wohin ging es und was hat der FC Bayern damit zu tun? Eine Antwort wird es nicht mehr geben, dieser Beginn der Affäre ist strafrechtlich verjährt, und das Schnellgericht in München hat in seinem bemerkenswerten Hauruck-Verfahren tunlichst vermieden, daran zu rühren. Ließ sich Hoeneß wehrlos abschlachten, als letzter Dienst für den FC Bayern? Und warum hinterfragt niemand die alte Leier vom supertollen Manager, der den Klub im Alleingang aus den Schulden an die Weltspitze geführt und dabei das Festgeldkonto prall gefüllt hat? Ist dieser Mann ein einzigartiges Phänomen, das nur mit links gearbeitet hat, da Hoeneß ja eingestandenermaßen mit der Rechten ständig und wie von Sinnen am Börsenpager hantierte?

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BVB-Watzke sagt, das Bayern-Darlehen sei mit acht Prozent verzinst worden und Uli Hoeneß keine Mutter Teresa. Bayern-Höpfner kontert, der Zinssatz sei deutlich niedriger gewesen und Watzke ein schlimmerer Lügenbaron als Münchhausen. Was Watzke empört, denn er habe nicht gelogen, sondern eine falsche Zahl genannt, und er habe nie, wie jetzt Hopfner, jemanden persönlich angegriffen. Im selben Atemzug behauptet er aber, dass die Bayern-Verantwortlichen im Gegensatz zu denen im BVB ein Glaubwürdigkeitsdefizit aufweisen. Dröseln wir’s mal auf: Die Sache mit dem Glaubwürdigkeitsdefizit nicht als persönlichen Angriff zu interpretieren, kann selbst einem Sophisten nicht gelingen. Hoeneß als Nichtmutter Teresa dagegen ist eine schon vom Geschlecht her nicht zu widerlegende Tatsachenbehauptung. Aber wenn Watzke sagt, er habe nicht gelogen, sondern nur die Unwahrheit gesagt, frohlocken die Sophisten und holen ihren alten Kreter aus der Schublade und dessen Behauptung, dass alle Kreter lügen. Lügt der Alte – oder sagt er nur die Unwahrheit?

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Bernie Ecclestone hat noch ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel, aber dafür seine Zukunft schon hinter sich. Vor Gericht in München beeindruckt er auch mit schauspielerischen Qualitäten. Scheidungsverarmte Männer beeindruckt aber vor allem, dass ihm seine Ex-Frau jährlich 100 Millionen Dollar zahlt. Reicht für den Unterhalt. So ein kleiner Mann isst ja nicht viel.

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Auf der anderen Seite der Welt steht ein Mann vor Gericht, bei dem manche Beobachter ebenfalls beachtliche schauspielerische Qualitäten entdeckt haben wollen: Oscar Pistorius. Er habe sogar extra Schauspielunterricht genommen, um überzeugend in Tränen auszubrechen und bei passender Gelegenheit (blutige Tatort-Bilder) in einen stets bereitstehenden Kübel zu erbrechen (das Urteil ist mittlerweile gesprochen, aber der Vorhang noch nicht gefallen; Fortsetzung folgt).

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Wer sind denn diese Menschen, die keine WM-Spiele schauen? Ich hab so eine zu Hause. Gott sei Dank. Dankbar bin ich auch, dass weitere Teile der weiblichen Verwandtschaft nicht pünktlich zur WM ihre Fußball-Begeisterung entdecken, während der Übertragungen Einwürfe bejubeln und Fachgespräche führen wollen. Guter Tipp für alle, denen es während der WM weniger gut geht als mir: Schickt sie, hübsch schwarz-rot-gold kostümiert, zum Public Viewing.

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Der Tatbestand: Sie kommen gebückt auf die Bühne und singen »So geh’n die Gauchos.« Dann werfen sie sich in die Brust und in den aufrechten Gang und schmettern: »So geh’n die Deutschen.« So geh’n sie also dahin, die Sympathien. Am liebsten würde das empörte Deutschland den Weltpokal beschämt zurückgeben und die ganze Welt um Verzeihung bitten. Ich verstehe das. Ich sehe nur eine einzige Möglichkeit, diese gigantische Entgleisung gebührend zu ahnden: Die menschenverachtende Tat muss vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag.

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Eilantrag! Ich habe ihn schon gestellt, im Namen aller Betroffenen. Den Haag hat auch prompt reagiert und ihn mit einem Aktenzeichen an das »Ministry of Silly Walks« weitergeleitet. Das Ministerium für alberne Gänge wird bekanntlich geleitet von John Cleese (wer es und ihn nicht kennt: Arbeitsnachweis ist auf Youtube zu kontrollieren), und bei ihm und seinen Monty Pythons ist dieser Fall nun wirklich in den besten, den einzig angemessenen Händen (Aktenzeichen »Die spinnen, die Deutschen«).

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Der kleine Streber von der ersten Bank. So habe ich ihn während und auch noch nach der Ballack-Vertreibung verhöhnt. Als ehemaliger Schul-Hinterbänkler weiß ich aber auch, dass Spott auf Streber oft sublimierter Neid auf deren Leistungen und Noten ist. Philipp Lahm zeigt, mit seinen WM-Analysen und auch mit seinem Rücktritt, dass kleine Streber Großes leisten und dabei Größe beweisen können. Als ewig kleiner Hinterbänkler sollte man wenigsten die Größe besitzen, dies anzuerkennen. Voila.  (gw)

* (www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle